Stoffels Wolkenkratzer könnte ein Fall für den Bundesrat werden

Der geplante Hotelturm in Vals dürfte auch die ­Raumplanung beschäftigen. Die Zustimmung der Bündner Regierung und des Valser Volks braucht er aber sicher.

380 Meter: Eine der Visualisierungen des Hotelturms in Vals – wie der Turm schliesslich aussehen wird, ist noch unbekannt.

380 Meter: Eine der Visualisierungen des Hotelturms in Vals – wie der Turm schliesslich aussehen wird, ist noch unbekannt.

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Er soll das höchste Haus Europas werden: ein Hotelturm, der sich 380 Meter in die Höhe schraubt, ausgestattet mit 100 Luxussuiten zu schwindelerregend hohen Preisen, ein visueller Exot in einem Dorf, das stolz auf seine jahrhundertealte Bautradition ist.

Noch ist all dies erst eine Idee. Eine Idee freilich, die hohe Wellen geworfen hat, seit sie am letzten Sonntag publik geworden ist. Je nach Geschmack gilt sie als innovativ oder hirnrissig. Sicher aber ist sie politisch, rührt sie doch an die Frage, welche Art von Bauten sich ge­lungen in eine Berglandschaft einfügen.

Die Idee ist gar so politisch, dass sie dereinst Raumplanungsministerin Doris Leuthard (CVP) und den Rest des Bundesrats beschäftigen könnte. Grund ­dafür sind die raumplanerischen Auswirkungen des Projekts, das der Churer Investor Remo Stoffel in Vals GR realisieren will. Zwar gibt es im Bundesrecht keine gesetzlichen Vorgaben für Hoch­haus­zonen. Vorhaben mit «gewichtigen Auswirkungen auf Raum und Umwelt» bedürfen gemäss eidgenössischem Raumplanungsgesetz (RPG) aber einer Grundlage im kantonalen Richtplan. Fehlt diese, braucht es eine Anpassung des Richtplans. Und darüber muss, wie in solchen Fällen üblich, die Landes­regierung befinden.

Juristisch umstritten

Ob der entsprechende Passus im RPG beim Valser Hotelturm greifen wird, ­wagen die Raumplanungsexperten bei Bund und Kanton Graubünden nicht zu beurteilen, zumindest vorderhand. Ihre Zurückhaltung begründen sie mit der Unschärfe, die das Projekt zum jetzigen Zeitpunkt aufweist. In der Tat liegt erst wenig Handfestes auf dem Tisch. Der Schleier um den Hotelturm soll am nächsten Mittwoch an einer Presse­konferenz gelüftet werden.

Doch selbst bei besserer Kenntnis der Fakten dürfte es umstritten bleiben, ob das Projekt «gewichtige Auswirkungen auf Raum und Umwelt» zeigt. Das RPG lässt den Kantonen und Gemeinden beträchtlich Spielraum. In einem Leitfaden zur Richtplanung nennt das Bundesamt für Raumentwicklung (ARE) mehrere Indizien, aus denen die besagten «gewichtigen Auswirkungen» resultieren könnten. Dazu zählt etwa ein grosser Flächenbedarf, eine starke Beeinträchtigung der Landschaft oder viel Neuverkehr. Letzteres könnte zutreffen, sofern der Turm zum Touristenmagneten wird, wie dies die Promotoren hoffen.

Sicher ist: Für die Realisierung braucht es einen Gestaltungsplan. Die Valser Behörden gehen davon aus, dass der Bau aufgrund seiner Dimensionen mit der geltenden Zonenordnung nicht vereinbar ist. Um das Projekt gesetzeskonform zu machen, muss der kommunale Zonenplan revidiert werden. Über diese Änderung werden die Valser entscheiden. Votieren sie dafür und signalisieren so ihre Zustimmung zum Turmprojekt, kommt der Bündner Regierungsrat zum Zug. Er ist es, der die Abänderungen der Ortsplanung genehmigen muss; so sieht es das kantonale Raumplanungsgesetz vor. Soll der Valser Hotelturm je gebaut werden, braucht es also im Minimum die Zu­stimmung des Valser Stimmvolks und die einer Exekutivbehörde.

Kein nationales Schutzgebiet

Als Glücksfall dürften es die Projektpromotoren werten, dass Vals weder innerhalb noch in unmittelbarer Nähe eines Gebietes liegt, das im Bundesinventar für Landschaften und Naturdenkdenkmäler verzeichnet ist. Ansonsten wäre der Bund gemäss Natur- und Heimatschutzgesetz dazu verpflichtet, zu Vals und seiner Umgebung besonders Sorge zu tragen – mit dem Ziel, die Landschaft in ihrer Charakteristik ungeschmälert zu erhalten. Zumindest diese Hürde muss das Projekt nicht nehmen.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 20.03.2015, 19:41 Uhr

Doris Leuthard


CVP-Bundesrätin

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