Stromverband informiert fehlerhaft

Falsche und irreführende Fakten zu den erneuerbaren Energien: Der Dachverband der Elektrizitätsunternehmen steht in der Kritik. Und muss Fehler eingestehen.

Der Anteil der erneuerbaren Energien am Strommix beträgt laut dem Bund 3,4 Prozent. Der VSE schreibt auf seiner Homepage von lediglich 1,4 Prozent.

Der Anteil der erneuerbaren Energien am Strommix beträgt laut dem Bund 3,4 Prozent. Der VSE schreibt auf seiner Homepage von lediglich 1,4 Prozent. Bild: Keystone

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So sieht Werbung in eigener Sache aus: In seinem Jahresbericht 2013 lobt sich der Dachverband der schweizerischen Elektrizitätsunternehmen (VSE) für seinen Onlineauftritt, den er «optimiert» und «in allen Belangen erneuert» habe. Ein Blick auf seine Homepage Strom.ch zeigt jedoch ein anderes Bild: Der Verband arbeitet zum Teil mit veralteten Zahlen und irreführenden Aussagen – und dies, obschon er gemäss eigenen Angaben nicht nur seine rund 400 Mitglieder und 22'000 Mitarbeiter der Strombranche informieren will, sondern auch die breite Öffentlichkeit.

So behauptet er, dass die neuen erneuerbaren Energien nur 1,4 Prozent des hergestellten Stroms im Inland ausmachen. Tatsächlich steuert die Stromproduktion aus Wind, Sonne, Biomasse, Bio­gasen und erneuerbaren Anteilen aus Abfall aber 3,4 Prozent bei; dies belegt die «Schweizerische Statistik der erneuerbaren Energien» für das Jahr 2013. Die fehlerhafte Angabe ist pikant. Der VSE ist gegenüber neuen erneuerbaren Energien kritisch eingestellt. Ein fixes Abschaltdatum für AKW, wie es etwa die Grünen fordern, lehnt er ab.

Verzerrtes Bild der Realität

Andere Informationen auf der Homepage sind einseitig aufbereitet. Zum Beispiel das Kapitel über Biomasse. Der Verband schreibt verallgemeinernd von der «Bevölkerung», welche die Grünguttransporte sowie die bei der Vergasung der Biomasse entstehenden Gerüche «negativ wahrnimmt». Und folgert, dass die Biomasseanlagen «auf Widerstand stossen und nur mit Verzögerungen oder überhaupt nicht realisiert werden können». Was der Verband nicht erwähnt: Biomasseanlagen haben heute mit 44 Prozent den grössten Anteil an der Stromproduktion jener Anlagen, die dank des Förderinstruments KEV (kostendeckende Einspeisevergütung) bereits gebaut werden konnten.

Ein verzerrtes Bild der Realität gibt der Verband auch bei der Sonnenenergie wieder. Bei der Produktion von Solarzellen würden giftige Stoffe wie Cadmium oder Arsen eingesetzt, schreibt er. Das ist zwar nicht falsch. Nur: Solarzellen sind in der Regel aus ungiftigem Silizium hergestellt. Der Marktanteil der Dünnschichtmodule, die Cadmium oder andere giftige Stoffe enthalten, liegt bei unter 2 Prozent; dies geht aus der Antwort des Bundesrats auf einen parlamentarischen Vorstoss im Jahr 2012 hervor. Auch Urs Muntwyler, Professor für Fotovoltaik an der Berner Fachhochschule, stellt klar: «In der Schweiz werden primär Siliziummodule vorwiegend kristalliner Bauweise installiert.»

Verband «bedauert» Fehler

Muntwyler hält es für bedauerlich, dass der Verband bei Technologien, die für die Energiewende zentral sind, «nicht besser informiert» sei. Die Schweizerische Energie-Stiftung (SES) wirft dem VSE gar vor, die Öffentlichkeit mutwillig zu desinformieren. Der Verband gilt für allgemeine Informationen zum Thema Energie und Strom als Referenz und wird oft als Nachschlageseite benutzt. «Er trägt daher eine Verantwortung, korrekt zu informieren», findet SES-Experte Felix Nipkow.

Der VSE räumt auf Anfrage ein, fehlerhaft gearbeitet zu haben. Man habe beim Redesign der Site Strom.ch Inhalte integriert, die aus dem Jahr 2011 stammten, sagt Sprecher Guido Lichtensteiger. «Wir bedauern diesen Fehler, sind gleichzeitig auch froh um den Hinweis auf diese veralteten Inhalte.» Der VSE stehe für eine offene und transparente Kommunikation und Diskussionsbereitschaft. Der Verband sei laufend daran, den Inhalt der Webseite «zu verbessern und den neusten Entwicklungen anzupassen». Entsprechend werde man auf die Kritik reagieren. Die beanstandeten Punkte würden nun «überprüft, angepasst und korrigiert».

Erstellt: 18.11.2014, 19:52 Uhr

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