Sturmlauf auf das Bundeshaus

Einen Rekord hat das Wahljahr 2011 bereits gebrochen: Noch nie wollten sich so viele in National- oder Ständerat wählen lassen. Erstmals aber geht der Frauenanteil zurück.

In der Politik sind die Frauen dieses Jahr auf dem Rückzug: Der Berner Frauenlauf vor dem Bundeshaus.

In der Politik sind die Frauen dieses Jahr auf dem Rückzug: Der Berner Frauenlauf vor dem Bundeshaus. Bild: Keystone

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Soviele Männer und Frauen wie noch nie möchten neu unter der Bundeshauskuppel politisieren. Waren es vor vier Jahren 3100 Kandidierende, sind es im Herbst fast 3500. Allerdings geht erstmals der Frauenanteil markant zurück.

Insgesamt ist der Anteil kandidierender Frauen um mehr als 7 Prozent zurück gegangen. Für die Wahlen 2011 kandidieren gemäss einer Zählung der Nachrichtenagentur sda 1131 Frauen. Dies entspricht einem Prozentanteil von 32,6. Vor vier Jahren betrug der Frauenanteil 35,1 Prozent.

Erstmals in der Schweizer Geschichte seit dem Frauenwahlrecht geht damit der Frauenanteil bei den Kandidierenden derart markant zurück. Gemäss Bundesamt für Statistik stieg dieser ab 1971 kontinuierlich von 15,8 Prozent auf über 35 Prozent im Jahr 2007 - mit einer winzigen Delle 1999, als der Frauenanteil im Vergleich zu 1995 um 0,3 Prozentpunkte zurückging.

Gemäss den Zahlen, die der sda vorliegen, bewerben sich 3472 Männer und Frauen für die 200 Nationalratssitze. Die Zahlen basieren auf den bis am Dienstag bekannten Kandidaturen in den 20 Proporz- und 6 Majorzkantonen.

Genf und Grüne mit hohem Frauenanteil

Anteilsmässig am meisten Frauen kandidieren im Kanton Genf, der einen Frauenanteil von über 37 Prozent aufweist. Am wenigsten Frauen, nämlich 23,8 Prozent - kandidieren im Kanton Schaffhausen - abgesehen von den Majorz-Kantonen AI, AR, GL, NW und OW, wo nur Männer kandidieren und Uri mit einer Männer- und einer Frauenkandidatur.

Bei den grossen Parteien weisen die Grünen mit gut 48 Prozent den höchsten Frauenanteil aus, gefolgt von der SP (47 Prozent). Bei der CVP ist ein Drittel der Kandidierenden weiblich, bei der FDP ein Viertel. Die SVP hat einen Frauenanteil von 18 Prozent.

Am höchsten ist der Frauenanteil mit fast 60 Prozent bei der Tierpartei Schweiz. Am niedrigsten ist der Frauenanteil bei Parteien mit mehr als einer kandidierenden Person bei parteifrei.ch (5 Prozent) und der Piratenpartei (9 Prozent).

(ami/sda)

Erstellt: 06.09.2011, 16:10 Uhr

Andrang aufs Stöckli ist gross

Auch im Ständerat ist der Andrang auf die 46 Sitze gross. Bis am Dienstag hatte die Nachrichtenagentur sda Kenntnis von 149 Kandidaturen - davon 30 Frauenkandidaturen. Umkämpft sind die zwei Ständeratssitze im Kanton Waadt. Nach dem Tod von Regierungsrat Jean-Claude Mermoud (SVP) am Dienstag werben im grössten Kanton der Romandie noch immer 9 Kandidaten und 4 Kandidatinnen um die Gunst der Wähler. Auch die Neuenburger Sitze sind heiss begehrt: 10 Männer und 2 Frauen wollen in die kleine Kammer einziehen. Im Kanton Aargau sind es 11 und in den Kantonen Bern und Wallis je 10 und in Zürich 9.

Am meisten Kandidaten hat die FDP aufgestellt. Sie portiert 22 Männer und 3 Frauen. Die SP folgt mit 16 Männern und 7 Frauen - total 23 Kandidierenden. Auch die SVP geht mit 23 Kandidaten ins Rennen - ausschliesslich mit Männern. Die CVP zählt 22 Kandidierende für die kleine Kammer: 18 Männer und 4 Frauen. Das Durchschnittsalter der Kandidierenden liegt 10 Jahre über demjenigen der Nationalratskandidaten - nämlich bei 51 Jahren, wobei es bei den Männern bei 52 Jahren liegt und bei den Frauen bei 48 Jahren. Vor vier Jahren wollten 137 Personen in den Ständerat einziehen - darunter 32 Frauen. (sda)

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