Hintergrund

Tausendernote unter Geldwäschereiverdacht

Der Finanzkritiker Gian Trepp versucht zu erklären, warum die 1000-Franken-Scheine fast zwei Drittel des Bargelds in der Schweiz ausmachen. Seine spektakuläre These ist mit Vorsicht zu geniessen.

Die Frage ist umstritten, ob sie vor allem von Kriminellen benutzt wird: Die 1000-Franken-Banknote.

Die Frage ist umstritten, ob sie vor allem von Kriminellen benutzt wird: Die 1000-Franken-Banknote. Bild: Keystone

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Im EU-Raum flackert die Diskussion immer wieder auf: Wer benutzt eigentlich 500-Euro-Banknoten? Kriminelle und Geldwäscher, meinten mehrere Abgeordnete des Europäischen Parlaments bei einer Debatte vor sieben Jahren. Zu einem ähnlichen Schluss kam 2010 eine Studie der italienischen Notenbank Banca d'Italia: Banknoten im Wert von 500 Euro erleichtern nicht nur die Geldwäsche der Mafia, sondern auch das Geschäft von Steuerhinterziehern, Drogenhändlern und Terroristen. Nicht umsonst wird der 500-Euro-Schein in manchen EU-Ländern auch «Bin Laden» genannt.

Die 500-Euro-Noten überzeugen wegen ihres Gewichts: Eine Million Dollar in 100-Dollar-Scheinen wiegt etwa zehn Kilo, in 500-Euro-Scheinen hingegen nur knapp zwei Kilo – und diese zwei Kilo Geld können durchaus versteckt unter der Kleidung getragen werden. Logistische Probleme von Kriminellen werden dank grosser Banknoten klar erleichtert.

In der Schweiz zirkulieren 30 Milliarden als 1000-Franken-Scheine

Was die Fünfhunderternote beim Euro ist, ist die Tausendernote beim Schweizer Franken. Und diese ist bei Geldwäschern und der organisierten Kriminalität ebenfalls beliebt. Wenn nicht sogar beliebter, wie der Zürcher Finanzjournalist Gian Trepp in einem in der «Zeit» veröffentlichten Artikel suggeriert (Artikel online nicht verfügbar). Trepp stellt zunächst fest, dass in der Schweiz 30 Milliarden als 1000-Franken-Scheine zirkulieren – das sind rund 60 Prozent des Werts aller Schweizer Banknoten. Laut Trepp erstaunt dies umso mehr, «als diese Note aus dem Alltag verschwunden ist».

Trepp schliesst sich der Ansicht von Geldwäschereibekämpfern in verschiedenen Ländern an. Er betont die Gefahr des kriminellen Missbrauchs des Schweizer Frankens: «Blind ist, wer denkt, nur die Euros würden als Instrument der Schattenfinanz missbraucht.» In eine leere Schachtel Zigaretten passten rund 40'000 Franken – eine Menge Geld in einer soliden Währung wie dem Schweizer Franken. In dieser Hinsicht sei der Frankentausender effizienter als der Euro-Fünfhunderter, führt Trepp weiter aus. Denn nur 20'000 Euro passten in eine leere Zigarettenschachtel.

«Das ist ein antiquiertes Bild von Geldwäscherei»

Michael Alkalay, Experte für Wirtschaftskriminalität an der Universität Luzern, reagiert mit Skepsis auf die These, wonach die grosse Zahl von 1000-Franken-Noten insbesondere auf die Nachfrage von Kriminellen zurückzuführen ist. «Das ist eine ziemlich gewagte Behauptung», sagte Alkalay auf Anfrage von Tagesanzeiger.ch/Newsnet. Trepp gehe wohl von einem «antiquierten Bild von Geldwäscherei» aus. Es stimme zwar schon, dass die Verwendung von grossen Banknoten beim Transport von A nach B Sinn machen könne. Danach werde es allerdings sehr schwierig, solche Geldscheine in Umlauf zu bringen. «Versuchen Sie mal, im Euroraum mit einer Fünfhunderternote in einem Laden eine Ware zu kaufen. Oder in der Schweiz mit einer Tausendernote zu bezahlen», gibt Alkalay zu bedenken. «Da werden Sie nicht weit kommen.» Die Bedeutung der Tausendernoten für Kriminelle werde von Trepp überschätzt.

Andere Experten, die bei früheren Gelegenheiten Stellung zum Thema genommen haben, wiesen darauf hin, dass die grossen Noten im Bankenverkehr praktisch keine Rolle spielten, da die wirtschaftlich Berechtigten so oder so überprüft würden. Dagegen meinte Daniel Thelesklaf, Geldwäscherei-Experte und Leiter der Stabsstelle Financial Intelligence Unit der liechtensteinischen Regierung, dass der Gebrauch von grossen Noten sehr wohl ein Thema bei der Geldwäschereibekämpfung sei.

Beim umstrittenen Thema kann die beim Fedpol angesiedelte Meldestelle für Geldwäscherei (MROS) nicht mit einer klaren Stellungnahme weiterhelfen. «Es kann vorkommen, dass Bargeldtransaktionen gemeldet werden, eventuell auch in Zusammenhang mit organisierter Kriminalität», teilt der Mediendienst des Bundesamts für Polizei auf Anfrage von Tagesanzeiger.ch/Newsnet mit. «Allerdings werden der MROS von den Finanzintermediären die Summen gemeldet, nicht aber die Stückelung bzw. aus welchen Noten der Betrag zusammengesetzt ist.» Eine Einschätzung zur Rolle der 1000-Franken-Note sei deshalb vonseiten der MROS nicht möglich.

SNB: Tausendernote ist ein beliebtes Wertaufbewahrungsmittel

Und was meint die Schweizerische Nationalbank (SNB)? Gemäss dem «Zeit»-Artikel betont die SNB die grosse Bedeutung der Tausendernote als Wertaufbewahrungsmittel. Und sie weist darauf hin, dass der grosse Geldschein in bestimmten Bereichen immer noch gerne benutzt wird, etwa im Vieh- und Auto-Occasionenhandel oder für Rechnungszahlungen auf der Post. Für die Schweizerische Nationalbank ist die Abschaffung der 1000-Franken-Note kein Thema.

Anders haben einige Zentralbanken gehandelt. «Zeit»-Autor Trepp erinnert daran, dass in Kanada vor zwölf Jahren die 1000-Dollar-Note abgeschafft worden sei – wegen des Dauermissbrauchs durch die organisierte Kriminalität und bei der Geldwäscherei.

Erstellt: 24.01.2013, 17:16 Uhr

«Blind ist, wer denkt, nur die Euros würden als Instrument der Schattenfinanz missbraucht»: Gian Trepp, Zürcher Finanzjournalist und Bankenkritiker mit Beratungsbüro.

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