Technische Betriebe verlieren Lehrlinge ans Gymi

Informatik- und Mechanikerbetriebe haben Mühe, geeignete Lehrlinge zu finden. Schuld sei das Prestigedenken der Eltern, kritisieren die Berufsverbände.

Begehrte Lehrlinge: Schüler der Technischen Berufsschule Zürich lösen während des Unterrichts eine Aufgabe. (Archivbild)

Begehrte Lehrlinge: Schüler der Technischen Berufsschule Zürich lösen während des Unterrichts eine Aufgabe. (Archivbild) Bild: Keystone

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Der heutige Montag ist für Zehntausende Jugendliche in der Schweiz ein Neuanfang – sie beginnen mit einer Lehre. Doch konnten sich in vergangenen Jahren die Betriebe jeweils ihre Lehrlinge unter zahlreichen Bewerbern auswählen, so kämpfen sie jetzt mit einem gegenteiligen Problem: Auf 81'500 Lehrstellen kommen gemäss dem Lehrstellenbarometer des Bundes 78'000 interessierte Jugendliche. In der gesunkenen Zahl widerspiegeln sich unter anderem die geburtenschwachen Jahrgänge.

Der Lehrlingsmangel macht sich aber gemäss der «Aargauer Zeitung» nicht in allen Branchen gleichermassen bemerkbar: Besonders Mühe, geeignete Lehrlinge zu finden, haben demnach technische Betriebe, Baufirmen und Metzgereien. Während die Ausbildung zum Fleischfachmann Imageprobleme hat, verlieren Informatik- oder Mechanikerbetriebe potenzielle Lehrlinge oft an Mittelschulen. Denn Polymechaniker, Metallbauer, Gebäudetechniker oder Informatiker stellen schulisch hohe Anforderungen.

«Berufswahl stark von Eltern beeinflusst»

«Wir haben genug Jugendliche, die sich bewerben, aber zu wenige, welche die schulischen Voraussetzungen mitbringen», sagt denn auch Roland Stoll, Leiter Berufsbildung bei Swissmechanic, gegenüber der «Aargauer Zeitung». Stoll macht dafür auch die Eltern mit ihrem Prestigedenken verantwortlich: «Vor allem in den Städten wollen sie oft, dass ihre Kinder um jeden Preis das Gymi besuchen.»

Diese Einschätzung teilt Lucas Landolt, Geschäftsführer von Pro Lehrstelle: «Die Berufswahl wird stark von den Eltern beeinflusst», sagt er. Wie Studien gezeigt hätten, sei die Wahrscheinlichkeit gross, dass Kinder von Akademikern ebenfalls einen solchen Weg einschlagen würden. Darüber hinaus seien auch die Lehrpersonen der Oberstufe eine potenzielle Ursache: Die wenigsten seien selber einmal Lehrlinge gewesen und könnten daher womöglich die Begeisterung für eine Lehre nicht richtig vermitteln, wie er der «Aargauer Zeitung» sagt.

Auch der Baumeisterverband beklagt sich über Berührungsängste gegenüber den handwerklichen Berufen. Das Klischee, man könne nur mit Anzug und Krawatte Karriere machen, sei noch immer weit verbreitet, sagt Sprecher Matthias Engel. (rbi)

Erstellt: 12.08.2013, 10:32 Uhr

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