Tessiner setzen auf Strom aus deutschem Kohlekraftwerk

Der Kanton Tessin hält an seiner Beteiligung am deutschen Steinkohlekraftwerk Lünen fest. Die Stimmberechtigten entschieden sich gegen den von Grünen, SP und Lega geforderten vorzeitigen Ausstieg.

Versorgt den Kanton Tessin ab 2012 mit Strom: Das Kraftwerk Lünen. (Bild: Trianel)

Versorgt den Kanton Tessin ab 2012 mit Strom: Das Kraftwerk Lünen. (Bild: Trianel)

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Die Tessinerinnen und Tessiner gaben dem Gegenvorschlag der CVP den Vorzug, welcher der Azienda Elettrica Ticinese (AET) bis zum Jahr 2035 Zeit gibt, auf andere Energiequellen umzusteigen. Gemäss Vorlage muss sich das Unternehmen zudem verpflichten, in einen kantonalen Fonds für Forschung im Bereich Öko-Strom einzuzahlen.

Die Tessiner Stimmberechtigen sind somit der Empfehlungen der Kantonsregierung gefolgt, die sich einheitlich hinter die Vorlage der CVP gestellt hatte. Zu gross schätzte die Regierung das Risiko ein, dass es ohne die Anteile am deutschen Kraftwerk zu hohen Stromkosten oder Energieengpässen im Tessin kommen könnte.

Stichfrage entscheidet

Die Initiative «Für eine AET ohne Kohle» erhielt 48,76 Prozent Ja- Stimmen (gegenüber 48,25 Prozent Nein-Stimmen). Der Gegenvorschlag bekam 52 Prozent Ja-Stimmen (gegenüber 44,41 Prozent). Bei der Stichfrage schnitt der Gegenvorschlag mit 46,02 Prozent (gegenüber 39,56 Prozent) besser ab.

Die Initiative war aus Umweltschutzgründen von den Grünen lanciert worden. SP und Lega dei Ticinesi schlossen sich an. Lega- Präsident Giuliano Bignasca wollte damit gegen Auslandsinvestitionen der AET protestieren. Die Wahlbeteiligung lag bei 28,59 Prozent.

Kraftwerk geht 2012 ans Netz

Das Lüner Kohlekraftwerk der Trianel-Gruppe soll im kommenden Jahr ans Netz gehen. Das Tessiner Energieunternehmen AET, das sich vollumfänglich im Besitz des Kantons befindet, hat 24 Millionen Euro in die deutsche Anlage investiert und besitzt rund 15 Prozent der Anteile.

Der Grosse Rat hatte das Geschäft im März 2010 abgesegnet. Mit dem Protest der Grünen, die mit 12'000 Unterschriften ihre Initiative «Für eine AET ohne Kohle» zustande gebracht hatten, war das Thema allerdings wieder auf dem Tisch. Die CVP arbeitete einen Gegenvorschlag aus.

Umstellung auf erneuerbare Energien bis 2050

Die AET reagierte mit Erleichterung auf das Abstimmungsergebnis. Der geplante Ausstieg der Schweiz und Deutschlands aus der Atomkraft könnte in den kommenden Jahren zu einem unstabilen Energiemarkt führen, schrieb das Unternehmen in einem Communiqué.

Mit dem Gegenvorschlag sei die Energieversorgung des Kantons abgesichert. Ziel des Unternehmens sei es aber, bis 2050 ausschliesslich auf erneuerbare Energien umzusteigen. Vor allem die Wasserkraft werde in Zukunft stärker genutzt.

«Chancengleichheit» angenommen

Die Tessiner sprachen sich weiter dafür aus, den Begriff der «Chancengleicheit» in die kantonale Verfassung einzubringen. Ein entsprechender Passus soll bekräftigen, dass allen Bürgerinnen und Bürgern im Kanton dieselben Rechte zustehen. (pbe/sda)

Erstellt: 05.06.2011, 18:48 Uhr

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