Thurgau will Schüler mit Sitzstreiks erziehen

Eine neue Unterrichtsmethode soll die Schüler im Ostschweizer Kanton zur Einsicht bringen.

Der Thurgau setzt eine neue Erziehungsmethode im Klassenzimmer ein (Symbolbild Keystone).

Der Thurgau setzt eine neue Erziehungsmethode im Klassenzimmer ein (Symbolbild Keystone).

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Bei grösseren Problemen in ihrer Klasse sollen Thurgauer Lehrer künftig Sit-ins, also Sitzstreiks, durchführen. So will es der Verband der Schulleiterinnen und Schulleiter des Kantons. «Körperliche Strafen sind heute richtigerweise verboten. Es braucht aber irgendeine Methode, mit der man die Schüler trotzdem dazu bringt, dass sie das machen, was man von ihnen erwartet», sagt Verbandspräsident Thomas Minder gegenüber dem Regionaljournal Ostschweiz.

Die Methode der Sit-ins geht auf das Konzept der «neuen Autorität» des israelischen Psychologen Haim Omer zurück. Dieser bezieht sich wiederum auf Mahatma Gandhis gewaltfreien Widerstand. Demnach sollen Kinder und Jugendliche zur eigenen Einsicht ihres Fehlverhaltens gebracht werden und dabei auch selber Lösungsvorschläge entwickeln. Bei diesen Sitzstreiks warten die Lehrer also zusammen mit der ganzen Klasse darauf, dass die fehlbaren Schüler zur Vernunft kommen und Lösungen des Problems unterbreiten.

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Sind Sitzstreiks eine gute Methode, um fehlbare Schüler zu erziehen?




Das Thurgauer Amt für Volksschulen bietet Weiterbildungen für Lehrer an, die diese neue Unterrichtsmethode anwenden wollen. Der Kanton ist überzeugt, dass sich das Konzept durchsetzt. Ein Experte sieht das Ganze kritischer.

«Unbeteiligte Schüler empfinden das als reine Strafe.»Allan Guggenbühl, Psychologe

Der Schweizer Psychologe und Psychotherapeut Allan Guggenbühl befürwortet zwar, dass Schüler selbst zur Einsicht ihres Fehlverhaltens finden und Lösungen entwickeln sollen. «Aber man kann das nicht unter Zwang durchsetzen. Das wird dann von Schülern, die nicht beteiligt sind an diesen problematischen Zuständen und trotzdem an Sit-ins teilnehmen müssen, als reine Strafe empfunden», sagte er dem Regionaljournal. Dies hätten ihm auch zahlreiche Rückmeldungen von Eltern gezeigt, die sich bereits kritisch über die Sitzstreiks geäussert hätten. (wig.)

Erstellt: 10.01.2017, 09:23 Uhr

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