Thurgauer Chefpsychiater soll bestraft werden

Der Chef der Klinik Münsterlingen TG hat laut Staatsanwaltschaft seine Schweigepflicht verletzt.

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Gerhard Dammann hat eine steile Karriere hinter sich, die ihn in die Führungsetage der renommierten Psychiatrischen Klinik Münsterlingen TG brachte. Und dort ganz an die Spitze. Der 48-Jährige leitet als Spitaldirektor und Chefarzt das idyllisch am Bodensee gelegene Haus und gleichzeitig die Psychiatrischen Dienste Thurgau. Als Buchautor hat er mit «Narzissten, Egomanen, Psychopathen in der Führungsetage» über die Fachgrenzen hinaus Aufsehen erregt. Bei Vorträgen und in Medienauftritten überzeugt er mit Fachwissen und gewinnendem Auftreten. Zudem lehrt er an der Universität Zürich, wie mit Patienten in der Psychotherapie umzugehen ist.

Selber hat sich der Dozent am Psychologischen Institut in einem Fall jedoch nicht vorbildlich verhalten. Vielmehr hat er sich, wie es nun aussieht, sogar strafbar gemacht. Gerhard Dammann soll eine der ärztlichen Grundregeln verletzt haben: das Arztgeheimnis.

Völlig aus dem Ruder gelaufen

Der Pflicht, über Patienten und Therapien zu schweigen, kam er jüngst nicht nach, so der Vorwurf der Staatsanwaltschaft. Einer Drittperson oder mehreren Drittpersonen soll Dammann Details aus einer früheren Behandlung preisgegeben haben, die völlig aus dem Ruder gelaufen ist. Dabei geht es laut TA-Informationen um eine Therapie aus der Basler Zeit Dammanns. Vor der Berufung in den Thurgau hatte er an der Psychiatrischen Universitätsklinik Basel gewirkt. Dort habe er eine Patientin unprofessionell behandelt. Dies sehen zumindest einzelne unbeteiligte Fachkollegen so, welche die Sache kennen. Damals in Basel bekam Dammann wegen Fehlern in der Behandlung auch Ärger mit seinen Vorgesetzten. Dies verhinderte den Karrieresprung in den Thurgau nicht. Dammann äussert sich nicht zum Fall – mit Verweis auf das Berufsgeheimnis.

Die gescheiterte Therapie hat seit längerem ein – juristisches – Nachspiel. Nun, vor wenigen Tagen, hat die Thurgauer Staatsanwaltschaft Dammann wegen Verletzung des Berufsgeheimnisses bestraft, wie TA-Recherchen zeigen. Der stellvertretende Kreuzlinger Oberstaatsanwalt Marcel Keller verhängte einen Strafbefehl gegen den obersten Psychiater des Kantons. Das Strafmass beträgt zehn Tagessätze zu je 410 Franken. Die Strafe wurde bedingt ausgesprochen. Dammann bekommt zwei Jahre Probezeit. Bezahlen muss er Verfahrenskosten und eine Busse – insgesamt 1365 Franken.

Selten geahndet

Weder Dammann noch die Geschädigte wollten auf Anfrage Stellung nehmen. «Die Sache ist nicht rechtskräftig», erklärte der Chefpsychiater. Ebenfalls keine Stellung nehmen mochte Dammanns Vorgesetzter Marc Kohler, CEO der kantonal beherrschten Spital Thurgau AG. Er verwies auf das laufende Verfahren. Weder Kohler, Dammann noch dessen ehemalige Patientin wollten sich dazu äussern, ob die Sache weitergezogen wurde oder wird. Die Frist dafür läuft noch kurze Zeit. Auch die Kreuzlinger Staatsanwaltschaft wollte nicht sagen, ob Einsprachen eingegangen sind.

«Verletzungen des Datenschutzes in der Medizin sind relativ häufig», sagt die Zürcher GLP-Nationalrätin und Patientenschützerin Margrit Kessler, «aber sie sind schwierig zu beweisen und werden selten geahndet.»

(Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 05.11.2012, 06:57 Uhr

Soll Details aus einer früheren Behandlung preisgegeben haben: Chefpsychiater Gerhard Dammann. (Foto: PD)

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