Tiefe Steuern über alles

Statt die Steuern zu erhöhen, spart der Kanton Zug lieber pickelhart. Immerhin ist der Kanton aber den Ruf des Trittbrettfahrers losgeworden.

Leistet sich seit Jahren eine kostspielige Infrastruktur: Blick auf den Park Tower in Zug. Foto: Keystone

Leistet sich seit Jahren eine kostspielige Infrastruktur: Blick auf den Park Tower in Zug. Foto: Keystone

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Sparen müssen sie fast alle. Letzten Herbst haben 19 von 26 Kantonen defizitäre Budgets präsentiert. Sparen muss auch der reichste und steuergünstigste Kanton der Schweiz. Gestern legte Zug ein schmerzhaftes Sparpaket vor: Mit 260 Einzelmassnahmen soll der Haushalt ab 2018 jährlich um 111 Millionen Franken oder rund 7,5 Prozent entlastet werden.

Bei den Gründen für den harten Sparkurs führte die Zuger Regierung an erster Stelle den nationalen Finanzausgleich (NFA) auf. Auch der andere Innerschweizer Promotor des fiskalen Extremföderalismus, Schwyz, macht die rasant steigenden NFA-Zahlungen für seine rekordhohen Aufwandüberschüsse verantwortlich. Beiden ist zudem gemein, dass sie den simplen Zusammenhang zwischen den in die Höhe schiessenden NFA-Beiträgen und der in die Tiefe stürzenden Steuersätze grundsätzlich kleinreden.

Schwyz bricht Tabu

Doch während in Zug die Steuersätze nach wie vor unangetastet bleiben, hat Schwyz letztes Jahr das Tabu gebrochen: Im September stimmten die Schwyzer einer happigen wie historischen Steuererhöhung für Topverdiener und Vermögende zu – ohne allerdings ihren Spitzenplatz hinter Zug zu gefährden.

Nun sind die beiden steuergünstigsten Kantone der Schweiz nur bedingt vergleichbar. Schwyz ist von jeher der Geizkragen und Rappenspalter der Nation, während sich Zug seit Jahren eine Infrastruktur leistet, die es mit den grossen, urbanen Kantonen locker aufnehmen kann. Bei den Kulturausgaben beispielsweise bildet Schwyz mit 78 Franken pro Kopf das Schlusslicht. Zug liegt mit 342 Franken gar vor Zürich oder Bern. Und obwohl Zug keine Uni hat, geben die Zentralschweizer mehr Geld für die Bildung aus als die Zürcher. Nicht zuletzt deshalb ist Zug den Ruf des Trittbrettfahrers losgeworden, während Schwyz sich weiterhin rechtfertigen muss.

Im Vergleich zum strukturschwachen Schwyz, wo es fast nichts mehr zu sparen gibt, befindet sich das wirtschaftsstarke Zug noch in einer komfortablen Lage. Trotzdem hätte das bürgerlich regierte Zug die Steuern leicht anheben und so beweisen können, dass das tiefste Steuerniveau nicht seine oberste Maxime ist.

Erstellt: 25.03.2015, 00:02 Uhr

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