Hintergrund

Trotz Unfallserie: Bahnfahren ist sicher

Noch ist nichts über die Gründe der Zwischenfälle bei den SBB bekannt. Doch Bahnfahren sei nach vor sehr sicher, sind sich BAV-Mitarbeiter und Experten einig. Statistiken belegen dies.

Das Transportmittel ist beliebt: Reisende im Bahnhof Bern. (Archivbild)

Das Transportmittel ist beliebt: Reisende im Bahnhof Bern. (Archivbild) Bild: Keystone

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Auch wenn die Zwischenfälle bei den SBB seit Jahresbeginn Zweifel weckten – die Bahn ist ein sicheres Verkehrsmittel. «Die Zahl der Todesopfer unter den Reisenden tendierte in den letzten Jahren gegen null», sagte Pieter Zeilstra, Vizedirektor des Bundesamts für Verkehr (BAV).

In einem angeblich schon lange vor den Pannen bei den SBB geplanten Mediengespräch zur «Sicherheit im öffentlichen Verkehr» gab das BAV aktuelle Zahlen bekannt: 2012 kam in der Schweiz kein Bahnreisender zu Tode. Bei den 28 Menschen, die nach BAV-Statistiken 2012 dennoch bei Zugunfällen starben, handelte es sich um Bahnangestellte sowie Personen, die beispielsweise zu Fuss durch einen Bahntunnel gingen. Bei insgesamt 102 Unfällen wurden 45 Personen schwer verletzt. Ein Drittel waren Passagiere. Beim Rest handelte es sich um Bahnangestellte, Autofahrer und Unbefugte. Zum Vergleich: 1992 kamen bei 280 Bahnunfällen 52 Menschen ums Leben, 7 davon waren Reisende.

Ursachensuche dauert an

Zu den Ursachen der Zwischenfälle bei den SBB meinte Zeilstra, dass man sich die vermuteten Ursachen, die noch nicht bestätigt seien, genau ansehen werde. Derzeit werden die Vorfälle noch von der Schweizerischen Unfalluntersuchungsstelle untersucht. Bislang komme man aber zur selben Einschätzung wie die SBB, dass es keinen Zusammenhang zwischen den einzelnen Ereignissen gebe.

Nach Sicht von Verkehrsexperten wie Ulrich Alois Weidmann von der ETH Zürich kann es sich bei den Entgleisungen, Zusammenstössen und abgelösten Zugteilen durchaus um eine zufällige Häufung handeln. «Es gibt Pannen nach dem Motto, dass ein Unglück selten allein kommt», sagt auch Kurt Schreiber, Präsident der Interessenvertretung der ÖV-Kunden Pro Bahn. Beide halten die Bahn nach wie vor für sicher.

Felix Schmid, der am britischen Birmingham Railway Research and Education Centre lehrt, warnt ebenfalls davor, die Vorkommnisse überzubewerten. «Abgesehen von der Kollision in Neuhausen und der Entgleisung bei Schwerzenbach handelt es sich um sehr kleine Vorkommnisse, die normalerweise nicht beachtet worden wären.»

Neue Systeme sind nötig

Bei der Kollision zwischen einer Thurbokomposition und einer S-Bahn am 10.Januar, dem schwersten Fall der Serie, könne es sich um eine Unterlassungssünde handeln. Der Lokführer der Thurbokomposition war in Neuhausen zu früh losgefahren und hatte ein Haltesignal übersehen. Zwar bemerkte er den Fehler rasch und bremste den Zug stark. Auch das Sicherheitssystem am Signal funktionierte. Ein moderneres Geschwindigkeitsüberwachungssystem hätte verhindert, dass die Lok das Haltesignal überhaupt überfährt.

Die meisten Schweizer Bahnhöfe sind mit Sicherungssystemen des Typs Signum und Zugbeeinflussung ausgestattet. Künftig werden sie durch das international normierte Zugbeeinflussungssystem «European Train Control System» (ETCS) ersetzt, in der Schweiz in der Version mit «Limited Supervision». Ist der Abstand etwa zu einem anderen Zug zu gering, erhält der Lokführer eine Mitteilung. In dieses System investieren die SBB 300 Millionen Franken. Ab 2025 soll es nach BAV-Vorgaben zu einer netzweiten Einführung von «ETCS Level 2» kommen. Dabei wird der Zug ständig von einem Computer überwacht und sein Standort der Zentrale gemeldet.

Investitionen in Sicherheit

Gemäss Schmid wird «ETCS Limited Supervision» relativ langsam und je nach Risikoeinschätzung implementiert. «Vielleicht hat man in Neuhausen das Risiko zu gering eingeschätzt», so Schmid. Aber auch menschliches Versagen wegen der teilweise monotonen Arbeit der Lokführer könnte ein Grund sein. «Man hat sich in der Schweiz lange darauf verlassen, dass Lokführer kaum Fehler machen und damit Glück gehabt», so Schmid.

Der menschliche Faktor werde in Überlegungen, wie man die Bahn noch sicherer machen könne, jetzt stärker miteinbezogen, hiess es beim BAV. Zudem werde weiter in die Sicherheit von Tunnels und Perrons investiert, Bahnübergänge würden saniert und in den nächsten Jahren werde so viel in den Substanzerhalt der Bahn investiert wie nie zuvor.

Erstellt: 23.03.2013, 18:46 Uhr

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