Interview: «Trumps Besuch wird dramatisch»

Ernst Wyrsch machte das Hotel Belvédère zur bekanntesten Adresse am WEF. Er sagt, ob Davos dem geplanten Besuch des US-Präsidenten gewachsen ist.

«Alles, was wir bisher gekannt haben an Sicherheitsmassnahmen, wird mit dem Faktor 10 multipliziert werden», glaubt Ernst Wyrsch. Bild: Urs Jaudas

«Alles, was wir bisher gekannt haben an Sicherheitsmassnahmen, wird mit dem Faktor 10 multipliziert werden», glaubt Ernst Wyrsch. Bild: Urs Jaudas

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Donald Trump hat seine Teilnahme am WEF 2018 angekündigt. Was kommt auf Davos zu?
Alles, was wir bisher gekannt haben an Sicherheitsmassnahmen und Hektik, wird mit dem Faktor 10 multipliziert werden. Ich kann mich erinnern, als Bill Clinton 2000 ans WEF kam – und das ist jetzt auch schon 18 Jahre her. So einen Rummel hat es weder vorher noch nachher gegeben. Das ist unvorstellbar. Trumps Besuch wird Davos ganz dramatisch berühren. Aber für den Ort, Graubünden und die Schweiz ist er eine tolle Sache. Die Medienaufmerksamkeit wird für die kurze Zeit, die Trump hier ist, Davos gehören.

Ernst Wyrsch mit dem ehemaligen US-Präsidenten Bill Clinton 2000 am WEF.

Ist Davos dem riesigen Rummel überhaupt gewachsen? Bereits bei Clintons Besuch schienen die Grenzen erreicht zu sein.
Es ist unglaublich, wozu Davos fähig ist, wenn es darauf ankommt. Man darf nicht vergessen: Davos hat jahrelange Übung. Und jedes Jahr optimieren die Verantwortlichen die Abläufe am WEF und werden noch flexibler und beweglicher. Wenn es ein Ort schafft, dann Davos. Aber die verbleibenden Tage werden sehr aufregend: Von Clintons Besuch wussten wir bereits Monate vorab. Bei Trump ist alles viel kurzfristiger. Ab sofort wird grosse Hektik ausbrechen.

Nicht zuletzt bei den Sicherheitsverantwortlichen. Die letzten Jahre blieb es ruhig in Davos. Das dürfte diesmal anders sein. Haben Sie keine Bedenken?
Doch, das ist die Kehrseite der Medaille. Es ist damit zu rechnen, dass Trump viele Leute anlockt, die in Davos demonstrieren wollen.

Die Kurzfristigkeit seines Besuchs ist auch für die Hotellerie eine Herausforderung. Lässt sich überhaupt noch ein Hotel freispielen für Trump und seine Entourage?
Das WEF entscheidet, wer wo absteigt, deshalb ist das kein Problem. Als Übernachtungsorte für Trump kommen alle Fünfsternhotels infrage, es kann aber auch sein, dass für den US-Präsidenten ein eigenes Haus gemietet wird.

Das Image von Davos als Tourismusdestination hat in den letzten Jahren gelitten. Was bringt der Besuch des US-Präsidenten dem Ort?
Im richtigen Moment die rechten Impulse.

Auch mittelfristig?
Ich war selbst ein Profiteur des Besuchs von Bill Clinton 2000. Davon haben wir jahrelang zehren können. Wenn Davos es geschickt macht, ist das auch dieses Mal möglich.

Nur wird Trump viel kritischer gesehen als Clinton damals.
Ja, aber ab morgen wird eine unglaubliche Hektik ausbrechen. Es werden sich Journalisten fürs WEF akkreditieren, die sonst nicht gekommen wären. Das Medieninteresse wird sich verzehnfachen. Und das alles nur, weil dieser kontroverse amerikanische Präsident nach Davos kommt.

Video – Trump verteidigt seinen geistigen Zustand

«Ich war ein exzellenter Student und verdiente Milliarden.» Video: Tamedia/AP (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 09.01.2018, 20:07 Uhr

Zur Person

Ernst «Aschi» Wyrsch (56) führte von 1996 bis 2011 das 5-Sterne-Hotel Steigenberger Belvédère in Davos. Mittlerweile ist er unter anderem als Dozent und Referent tätig. Der Hotellerie ist er durch seinen Einsitz in mehreren Verwaltungsräten weiterhin verbunden.

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