Twitter-Fieber im Nationalrat

Immer mehr Schweizer Parlamentarier nutzen das soziale Netzwerk Twitter. «Tribune de Genève» berichtet, wer am meisten zwitschert – und wofür die interaktive Plattform am liebsten genutzt wird.

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In den USA macht sich Barack Obama via Twitter über seinen republikanischen Konkurrenten Mitt Romney lustig – und sammelt dabei fleissig Punkte im Rennen um das Weisse Haus. Auch Schweizer Politiker nutzen das soziale Netzwerk, welches das öffentliche Teilen von 140 Zeichen langen Nachrichten ermöglicht.

Wie Bundesrat Alain Berset besitzen auch 67 Nationalräte einen Twitter-Account. Die neuesten Mitglieder aus dem Schweizer Parlament seien die beiden SP-Nationalräte aus Genf, Manuel Tornare und Roger Nordmann, wie die auf Social Media spezialisierte Web-Plattform Somepolis berichtet (siehe Box). «Twitter liegt in der Schweizer Politszene voll im Trend», weiss Ralph Straumann, Mitgründer vom Somepolis: «Dabei zwitschern nicht nur Politiker, sondern vermehrt auch Lobbyisten und Medienschaffende.»

Virtueller Röstigraben?

Während der Sessionen nimmt die Aktivität der Politiker auf Twitter stark zu: «Die Anzahl der Tweets kann sich vervier- oder sogar verfünffachen», erklärt Straumann. In der ersten Woche der aktuellen Herbstsession lagen der Grünen-Nationalrat Balthasar Glättli, der Walliser SP-Nationalrat Mathias Reynard sowie der Waadtländer Jean-Christophe Schwaab (SP) dabei klar vorn, mit 37 respektive 31 und 21 Tweets.

Zwitschern die Romands mehr als ihre Deutschschweizer Kollegen? «Es gibt im Parlament keinen virtuellen Röstigraben. Aber man kann die Parlamentarier in verschiedene Typologien einteilen», sagt Straumann.

Die Twitter-Typologien der Nationalräte

Laut Straumann sind Jungpolitiker auf Twitter aktiver als ihre älteren Kollegen: Natalie Rickli, Cédric Wermuth und Lukas Reimann zwitscherten demnach am meisten. Jungpolitiker würden die Plattform vor allem nutzen, um die Aufmerksamkeit der Follower zu erregen und sie in Diskussionen zu verwickeln. Ähnlich würden auch die CVP-Nationalräte Yannick Buttet und Barbara Schmid-Federer sowie SVP-Nationalrat Christoph Mörgeli vorgehen.

Eine zweite Kategorie von Politikern verwende Twitter ausschliesslich, um die mediale Aufmerksamkeit auf gewisse Aktionen zu lenken oder die Follower auf Seiten Dritter zu verweisen. Die von Twitter angebotene Interaktivität werde dabei nicht vollumfänglich genutzt, meint Straumann.

Eine letzte Gruppe Politiker wiederum scheint Twitter-Accounts zu besitzen, um Präsenz zu markieren oder der Fälschung ihrer Identität vorzubeugen. Ein Beispiel dafür ist laut Somepolis Christoph Blocher. «Möglicherweise wurden solche Accounts im Rahmen von Schulungen eröffnet, welche verschiedene Parteien organisieren, um ihre Mitglieder über die neuen Medien zu informieren», erklärt Straumann.

(Übersetzung und Bearbeitung: cor) (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 21.09.2012, 10:56 Uhr

Info

Somepolis besteht aus einem Team von Social-Media-Managern und Geografen und untersucht, wie Politikerinnen und Politiker des Nationalrats und des Ständerats der Schweiz Social Media nutzen.

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