USA rügen Schweiz wegen Prostitution von 16- und 17-Jährigen

Washington stellt der Schweiz im Kampf gegen den Menschenhandel ein schlechtes Zeugnis aus. Vor allem gegen die Zwangsprostitution junger Frauen müsse mehr unternommen werden.

Im Bericht über modernen Sklavenhandel schneidet die Schweiz nicht gut ab: Prostituierte auf dem Sihlquai in Zürich. (Archivbild)

Im Bericht über modernen Sklavenhandel schneidet die Schweiz nicht gut ab: Prostituierte auf dem Sihlquai in Zürich. (Archivbild) Bild: Keystone

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Im schweizerischen Recht gebe es kein umfassendes Gesetz, das Prostitution bei 16- und 17-Jährigen unter Strafe stelle. Dies steht in dem gestern veröffentlichten Jahresbericht des US-Aussenministeriums über die weltweiten Bemühungen zur Beseitigung von Menschenhandel und sexueller Ausbeutung.

Wegen dieser rechtlichen Lücke war die Schweiz im vergangenen Jahr in der von den USA erstellten Liste der Staaten mit mangelhafter politischer Handhabe gegen Menschenhandel zurückgestuft worden. Auch dieses Jahr fungiert die Schweiz nicht mehr im Spitzen- , sondern im Mittelfeld.

Im jüngsten Bericht hiess es weiter, dass die Schweiz zwar wichtige rechtliche Massnahmen zur Behebung des Problems ergriffen habe, jedoch noch mehr unternehmen müsse. Dem Land wurde zudem empfohlen, das Strafmass für verurteilte Menschenhändler anzuheben.

Bis zu 3000 Opfer in der Schweiz

Die Schweiz sei in erster Linie ein Zielland und weniger ein Durchgangsland für Frauen und Minderjährige, die zu Arbeit im Sexgewerbe, zu Bettelei oder Diebstahl gezwungen würden. Das US-Aussenministerium schätzt die Zahl der in der Schweiz betroffenen Personen auf 1500 bis 3000.

Justizministerin Simonetta Sommaruga hatte Anfang Juni im Ständerat angekündigt, die auch von den USA geforderte Gesetzesänderung in Kürze in die Vernehmlassung zu schicken.

Demnach sollte sich künftig in der Schweiz strafbar machen, wer gegen Bezahlung sexuelle Dienste von unter 18-Jährigen beansprucht. National- und Ständerat hatten ihrerseits eine Motion gegen Kinderprostitution überwiesen.

27 Millionen Menschen betroffen

In seinem Bericht zum Menschenhandel nannte das US-Aussenministerium gestern von den insgesamt 184 untersuchten Ländern 23, die internationale Mindeststandards nicht erfüllt hätten, zehn mehr als im Vorjahr. Und 41 Nationen wurden auf eine Kontrollliste gesetzt. Somit drohen ihnen Sanktionen, falls sie keine effektivere Methoden im Kampf gegen Menschenhandel ergreifen.

«Alle Länder können und müssen mehr tun», sagte US-Aussenministerin Hillary Clinton bei der Vorstellung des Berichts. «Heute werden mehr Menschen ausgebeutet als jemals zuvor.»

Zu den in der schwarzen Liste aufgeführten Ländern gehören unter anderem Kuba, der Iran, Burma, Nordkorea und der Sudan sowie Eritrea, Kuwait, Saudiarabien und Zimbabwe. Jüngst aufgenommen wurden unter anderem Libyen, Algerien, die Zentralafrikanische Republik, Äquatorialguinea, der Libanon, Venezuela und der Jemen.

Nach Schätzungen des US-Aussenministeriums haben weltweit rund 27 Millionen Männer, Frauen und Kinder unter der Geissel des Menschenhandels zu leiden. (rub, mrs, sda)

Erstellt: 28.06.2011, 06:21 Uhr

Artikel zum Thema

Das lukrative Geschäft mit gestohlenen Kindern

In China blüht der Menschenhandel mit entführten Babys. Besonders für ein männliches Kind bezahlen kinderlose Eltern einen hohen Preis. Mehr...

«Opfern von Menschenhandel begegnet man auch in der Migros»

Der Prozess gegen die vier ungarischen Zuhälter in Zürich zeigt, dass Menschenhandel inmitten unserer Gesellschaft existiert. Aber nicht nur in der Zwangsprostitution gibt es Opfer. Mehr...

«Die Sklaven leben mitten unter uns»

Der Menschenhandel in Europa ist für das organisierte Verbrechen ein blühendes Geschäft. Der Grossteil der Opfer stammt aus Osteuropa. Mehr...

Blog

Abo

Abo Digital - 26 CHF im Monat

Den Tages-Anzeiger unbeschränkt digital lesen, inkl. ePaper. Flexibel und jederzeit kündbar.
Jetzt abonnieren!

Kommentare

Newsletter

Der ideale Start in den Tag

Sonntags bis freitags ab 7 Uhr die besten Beiträge aus der Redaktion.
Newsletter «Der Morgen» jetzt abonnieren.

Die Welt in Bildern

Zwei hungrige Mäuler: Zwei wilde Esel auf Zypern stürzen sich auf eine Karotte, die ihnen ein Autofahrer hinhält (3. August 2017).
(Bild: Yiannis Kourtoglou) Mehr...