Über 25'000 Unterschriften gegen Bischof Huonder

Bürglen probt den Aufstand gegen Bischof Huonder. Er will Pfarrer Bucheli wegen der Segnung eines Lesbenpaars entlassen. Die Segnung homosexueller Paare ist andernorts allerdings üblich.

Die Gemeinde will ihren beliebten Pfarrer nicht ziehen lassen: Dorfkirche von Bürglen im Kanton Uri.

Die Gemeinde will ihren beliebten Pfarrer nicht ziehen lassen: Dorfkirche von Bürglen im Kanton Uri. Bild: Urs Flüeler/Keystone

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Auf dem Antoniusaltar in der Pfarrkirche von Bürglen liegt ein Buch auf, in das die Bürger ihre guten Wünsche für Pfarrer Wendelin Bucheli eintragen können. Eine private Internetpetition für den Verbleib des Pfarrers wurde bereits über 25'000-mal unterzeichnet. Pfarreirat, Kirchenrat und politische Gemeinde stehen zu ihrem Pfarrer und seinem Entschluss, in Bürglen zu bleiben.

Man wolle den gerade auch bei Jugendlichen so beliebten Pfarrer nicht ziehen lassen, sagt Kirchenrat Peter Vorwerk, ganz unabhängig von der Segnung des Lesbenpaares im letzten Herbst. Diese ist für Huonder Anlass, Bucheli zur Demission zu bewegen. Huonder hat sich mit dem Freiburger Bischof Charles Morerod abgesprochen, dass dieser Bucheli in sein Heimatbistum zurückruft.

70 Segnungen in Zürich

Der Churer Bischof wolle offenbar ein Exempel statuieren, sagt Buchelis engster Mitarbeiter René Deiss. Es sei unverhältnismässig und nicht nachvollziehbar, dass der Pfarrer gehen müsse. Zumal er erst dabei sei, sich von seinem Ende Oktober erlittenen Hirnschlag zu erholen. Deiss ist dennoch zuversichtlich, dass sich der Bischof im Gespräch umstimmen lasse. Er glaubt auch nicht, dass es so weit kommen wird wie in Röschenz, wo die Kirchgemeinde jahrelang gegen den Entscheid von Bischof Kurt Koch kämpfte, den Priester Franz Sabo zu entlassen.

Dass sich Bucheli im Gespräch mit Bischof Huonder einsichtig gezeigt habe, sei eine Fehlinformation des Bistums, so Deiss. Verwundert über die Disziplinierung des Priesters ist man auch, weil die Segnung gleichgeschlechtlicher Paare vielerorts in der Kirche Schweiz üblich ist, selbst im Bistum Chur. Bürglen sei halt ein sehr katholisches Dorf im Urnerland, mutmasst Deiss. Im Februar letzten Jahres jedenfalls machte Pfarrer Hannes Kappeler in einem Porträt von Tagesanzeiger.ch/Newsnet öffentlich, dass er in der Stadtzürcher Pfarrei St. Josef innerhalb von sechs Jahren rund 70 homosexuelle Paare gesegnet hat: «Es geht dabei um ein öffentliches Versprechen, dass sie den Weg miteinander gehen wollen, bis sie alt und runzlig sind.»

«Segensfeier für mancherlei Liebende»

Huonder wusste von diesen Segnungen, auch wegen einer Auseinandersetzung mit der Gemeindeleiterin von Effretikon, Monika Schmid. Die bekannte Kirchenfrau hatte im Mai 2013 in einer Glosse zur gleichgeschlechtlichen Liebe im «Landboten» geschrieben: «Solange unsere Kirche Autos, Waffen und anderes segnet, ist es doch sicher angebracht, zwei liebenden Menschen, so oder so, den Segen auf ihren gemeinsamen Lebensweg mitzugeben». Alsbald wurde Schmid von Bischof Huonder aufgefordert, ihre Haltung schriftlich zu widerrufen. Erst viel später schrieb sie dem Bischof mit Verweis auf die Aussagen Pfarrer Kappelers im «Tages-Anzeiger», diesen lasse er gewähren, während sie diszipliniert werde. Huonder messe offenbar mit zwei Ellen. Sie werde ihre Aussage nicht widerrufen. Seither hat Schmid vom Bischof nichts mehr gehört. Kappeler sagt lediglich, er sei mit dem Bischof im Gespräch. Laut Bischofssprecher Giuseppe Gracia weilt Huonder in Exerzitien und kann diese Woche nicht mehr Stellung beziehen.

Auch ausserhalb des Bistums Chur werden schwule und lesbische Paare gesegnet. Am morgigen Valentinstag organisiert die Katholische Kirche Region Bern wie schon in den Vorjahren eine «Segensfeier für mancherlei Liebende» in der Kirche Bruder Klaus. Gleichgeschlechtliche Paare sind selbstverständlich miteingeladen. Die Pastoralkonferenz Baselland hatte schon 2004 das Dokument «Die Liebe feiern, die Liebe segnen» verabschiedet, in dem sie explizit Segensfeiern für gleichgeschlechtliche Paare anbietet. Da solche Beziehungen gesellschaftlich immer noch angefeindet würden, brauchten sie umso mehr «Zeichen verbindlicher und stärkender Zusage». Auch der Schweizerische Katholische Frauenbund plädierte vor bereits 14 Jahren in einem Papier dafür, homosexuelle Menschen durch eine Segnung auf ihrem Weg zu unterstützen.

Erstellt: 13.02.2015, 13:49 Uhr

Lausanner Bischof will Bürgler Pfarrer treffen

Im Streit um die Segnung eines lesbischen Paares in der Urner Gemeinde Bürglen sucht der Bischof von Lausanne das Gespräch mit Pfarrer Wendelin Bucheli. Er hält jedoch zusammen mit dem Bischof von Chur an der Demission und Versetzung des Bürgler Pfarrers fest. Dieser aber will in Uri weiterarbeiten.

Der Bischof von Lausanne, Genf und Freiburg, Charles Morerod, will den Bürgler Pfarrer möglichst rasch sehen. Geplant sei ein direktes Treffen der beiden, ein Datum stehe noch nicht fest, sagte Laure-Christine Grandjean, Sprecherin des Bistums Lausanne, Genf und Freiburg.

Wie es danach weitergehe, sei noch nicht klar, sagte Grandjean. Auch zu Sanktionsmöglichkeiten, wenn der Pfarrer an seiner Position in Uri festhält, wollte sie sich nicht äussern. Grund für die Einmischung des Lausanner Bischofs ist, dass Bucheli im Westschweizer Bistum geweiht worden war.

Streitpunkt ist die Segnung eines homosexuellen Paares. Dies verstösst gegen die offizielle katho lische Lehre. Was der Pfarrer von Bürglen getan habe, sei nicht das, was man normalerweise in der katholischen Kirche tue, sagte Bischof Morerod, in der SRF-Sendung «Schweiz Aktuell». Der Pfarrer hätte dies wissen müssen.

Weiter sagte der Lausanner Bischof, er könne verstehen, dass der Bürgler Pfarrer versuche, allen Menschen zu helfen, das sei normal. Die Frage laute aber, wie er dies tue.

Der Bischof von Chur, Vitus Huonder, hatte nach Bekanntwerden der Segnung den Bürgler Pfarrer aufgefordert, seine Demission einzureichen. Dies nachdem Huonder sich mit dem Lausanner Bischof darauf geeinigt hatte, Bucheli ins Westschweizer Bistum zu versetzen, wo der Pfarrer geweiht worden war.

Bucheli will in Uri bleiben

Pfarrer Bucheli hatte am Mittwoch in einem Zeitungsinterview erklärt, er habe so gehandelt, wie er das Evangelium verstehe. Er liess mitteilen, dass er die geforderte Demission nich t einreichen werde.

Der Pfarrer wird im Rahmen eines Sabbaticals ab Mitte Juli vier Monate in Jerusalem verbringen. Nach der Meinung des Kirchenrats von Bürglen und der politischen Gemeinde soll Bucheli nach der Auszeit im Ausland nach Bürglen zurückkehren. Sie wollen «ihren Pfarrer» behalten.

Unterstützung erhält der Pfarrer auch von einer Online-Bürgerpetition, die gemäss Angaben der Organisatoren bis von über 25'000 Personen unterschrieben worden war.

Die Verantwortlichen der Kirchgemeinde Bürglen suchen auch mit Bischof Vitus Huonder das Gespräch. Am 26. Februar wollen sie an einer ausserordentlichen Kirchgemeindeversammlung die Bevölkerung über das weitere Vorgehen informieren. (sda)

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