Überforderte Gemeinde will Eritreer ausschaffen

Die Gemeinde Rothrist fühlt sich ohnmächtig. Drei Jahre lang betreute sie einen renitenten 17-jährigen Flüchtling. Nun sieht sie nur noch eine Lösung.

Der Gemeinderat beantragt dem Kanton, dem Eritreer die Aufenthaltsbewilligung zu entziehen: Asylunterkunft in Rothrist. (Screenshot: Google Streetview)

Der Gemeinderat beantragt dem Kanton, dem Eritreer die Aufenthaltsbewilligung zu entziehen: Asylunterkunft in Rothrist. (Screenshot: Google Streetview)

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Die Gemeinde Rothrist will einen renitenten Eritreer ausschaffen – dies fordert sie in einem Brief an das kantonale Migrationsamt, welcher der «Aargauer Zeitung» vorliegt.

«Er ist in unserem Land schlichtweg nicht tragbar», so das Fazit des Gemeinderats. Deshalb soll dem 17-Jährigen, der seit drei Jahren in der Gemeinde lebt, die Aufenthaltsbewilligung entzogen werden. Würde eine Ausschaffung nicht möglich sein, soll der Asylbewerber wieder in die Obhut des Kantons gelangen, heisst es weiter. Flüchtlinge, die nicht einmal annähernd gewillt seien, sich zu integrieren und die geltenden Vorschriften einzuhalten, würden keinen Schutz verdienen.

Mutter verstorben, Vater lebt in Eritrea

Der besagte Eritreer sei ein ganz schwieriger Fall. «Wir fühlen uns ohnmächtig, sind ratlos und sehen keine andere Lösung, als die Ausschaffung zu beantragen», sagt Gemeindeschreiber Stefan Jung der «Aargauer Zeitung».

Über die Eltern des Teenagers ist nicht viel bekannt. Im Brief des Gemeinderats an das Migrationsamt heisst es, die Mutter sei angeblich verstorben, der Vater lebe wahrscheinlich noch in Eritrea.

«Aggressiv» und «straffällig»

Der junge Flüchtling wurde in der Schweiz mehrmals umplatziert. Im August 2014 zog er zu seiner Schwester, machte dort aber so viele Probleme, dass er im Juli 2016 in der Flüchtlingsunterkunft in Seon betreut werden musste. Dort verhielt er sich aggressiv, wie es im Bericht weiter heisst, weshalb er das Heim bereits im November 2016 wieder verlassen musste.

Weil er viele Absenzen hatte, sei er im März 2017 von der Schule verwiesen worden. Er sei auch straffällig geworden, weshalb sich auch die Jugendanwaltschaft mit ihm befasste. Seinen Vormund hätte der 17-Jährige immer wieder grundlos «beschimpft und bedroht».

Die Zukunft des Flüchtlings bleibt vorerst ungewiss. Der Kanton prüft den Antrag aus Rothrist, zur laufenden Abklärung werden keine Angaben gemacht. Grundsätzlich sei aber das Staatssekretariat für Migration in Bern für Aufenthaltsbewilligungen und den Flüchtlingsstatus zuständig.

(kaf)

Erstellt: 22.06.2017, 10:22 Uhr

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