Ueli Maurer verliert in der «Rundschau» die Beherrschung

Im Schweizer Fernsehen nahm Bundesrat Ueli Maurer Stellung zur Gripen-Abstimmung. Das Interview endete mit Misstönen.

«Machen Sie es beim nächsten Mal besser»: Ueli Maurer empört sich über das Schweizer Fernsehen. (Video: SRF)

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Ein gewöhnliches Bundesratsinterview schien seinen Lauf zu nehmen. Wieso die Schweiz den Gripen brauche, wurde Ueli Maurer zu Beginn des Gesprächs von «Rundschau»-Moderator Sandro Brotz gefragt. Der Verteidigungsminister antwortete ruhig und mit den bekannten Argumenten.

Von Frage zu Frage baute sich allerdings eine Spannung zwischen den Gesprächspartnern auf. Plötzlich, als ein Vergleich zwischen den Luftwaffen der Schweiz und Österreich zum Thema wurde, platzte Maurer der Kragen. Österreich sei ein schlechtes Beispiel. Das passe zur «tendenziösen Berichterstattung» des Schweizer Fernsehens. Das gehöre sich nicht für einen aus staatlichen Geldern finanzierten Betrieb. Und sowieso sei der vorher gesendete Beitrag «eine journalistisch schwache Leistung». «Machen Sie es beim nächsten Mal besser.»

Das ist «bireweich»

Vor dem Gespräch mit Maurer hatte die «Rundschau» einen Beitrag über den Gripen gesendet. Darin sagte unter anderem der Kommandant der österreichischen Luftstreitkräfte, die nur über 15 Eurofighter verfügen, dass diese wenigen Flugzeuge «in beschränktem Masse» für den luftpolizeilichen Dienst ausreichten. Weil Österreich nicht unmittelbar militärisch bedroht sei, beschränke man sich darauf. Zum Vergleich: Die Schweiz würde nach dem Gripen-Kauf über 54 Kampfjets verfügen. Auch ein deutscher Rüstungsexperte kam im Beitrag zu Wort. Er sagte, die Schweiz habe mit den 32 F/A-18 mehr als genug Flugzeuge für den Luftpolizeidienst. Da könne man eigentlich «noch ein paar einmotten».

Nach diesem ersten Aufbrausen beruhigte sich Maurer wieder. Zum Schluss kam der Moderator noch auf die Notvorratsdiskussion zu sprechen. Armeechef André Blattmann hatte in den letzten Tagen mit einer Aussage zu seinen persönlichen Notvorräten für Schlagzeilen gesorgt. Er hortet unter anderem 300 Liter Wasser. Maurer nimmt seinen Armeechef in Schutz: Er verdiene eine Medaille dafür, dass er an die Sicherheit denke. Dass dies in den Medien so aufgebauscht werde, sei einfach «bireweich».

In guter Gesellschaft

Verteidigungsminister Maurer ist bei weitem nicht der Erste, der vor laufenden Kameras die Nerven verliert. Unvergessen bleibt etwa ein TV-Auftritt des ehemaligen Bundesrats Moritz Leuenberger, als er 2001 mit verschiedenen Medien über die Luftverkehrsverhandlungen mit Deutschland spricht. Zwischen den einzelnen Interviews lässt Leuenberger seinem Frust über die Fragen der Journalisten freien Lauf – TV3 schneidet mit. «Das ist doch ein Scheiss, oder? Jetzt soll ich da noch eine halbe Stunde diesen Scheiss ablassen mit unvorbereiteten Journalisten? Peinlich», ärgert sich der damalige Bundesrat.

Zeigt sich über die Fragen der Journalisten wenig erfreut: Moritz Leuenberger. (Quelle: Youtube/BeatHochheuser)

In der «Rundschau» selber sorgte die Wortwahl von Christoph Mörgeli früher für Gesprächsstoff. Damals sollte der damalige Leiter des Medizinhistorischen Instituts der Uni Zürich zu den Vorwürfen gegen ihn Stellung nehmen. Auf die Frage von Moderator Sandro Brotz, ob er als SVP-Nationalrat zurücktreten werde, fragte Mörgeli zurück: «Sind Sii eigentlich vom Aff bisse?»

«Sind Sii eigentlich vom Aff bisse?»: Christoph Mörgeli in der «Rundschau». (Quelle: Youtube/schloerg

Ebenso verlor Frankreichs ehemaliger Präsident Nicolas Sarkozy einmal die Nerven und beleidigte einen Besucher der Landwirtschaftsmesse in Paris – auch das vor laufender Kamera. «Hau doch ab, du Idiot», rief Sarkozy dem Mann sichtlich erbost zu, als dieser nicht die Hand des Präsidenten schütteln wollte. Die Szene wurde mitgeschnitten – und anschliessend zum Zielobjekt für den Spott der Onlinegemeinde. Und auch der deutsche Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel geriet schon mit einer Journalistin aneinander. Nach einigen Fragen, die Gabriel offenbar nicht passten, sagt er genervt in einer Liveschaltung des ZDF: «Lassen Sie uns doch diesen Quatsch beenden.»

Die Fragen der Journalistin passten ihm wohl nicht: Sigmar Gabriel live im Fernsehen. (Quelle: Youtube/fuerstenplatz) (ajk/ldc)

Erstellt: 17.04.2014, 08:34 Uhr

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