Unberechenbare Bundesräte

Urteilsbildung ist oft Vorurteilsbildung. Ein Blick in die Geschichtsbücher zeigt: Nicht alle Bundesräte halten, was man sich von ihnen versprochen hat – im Positiven wie im Negativen.

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Es ist wie vor jeder Bundesratswahl: Leserbriefschreiber und Kommentatoren fordern die Bundesversammlung auf, die Besten zu wählen. Also einzig auf die Fähigkeiten der Kandidatinnen und Kandidaten zu achten. Dahinter steckt die Sorge, dass am 22. September wie oft bei Bundesratswahlen Kalkül und Ränkespiele den Ausschlag geben.

Die Sorge ist berechtigt. Die SVP etwa wird auf einen Bundesrat mit fünf Frauen hintaktieren – wenn das Gremium so frauenlastig ist, lässt sich nach den Wahlen 2011 Eveline WidmerSchlumpf leichter aus dem Amt vertreiben. Auch bei CVP und FDP gibt es Hintergedanken: Manche wollen Jacqueline Fehr wählen – aus Angst vor Simonetta Sommaruga, die eine allzu erfolgreiche und populäre SP-Bundesrätin werden könnte.

Irrtümer und Fehleinschätzungen

Die Geschichte der Bundesratswahlen ist voll von Irrtümern und Fehleinschätzungen. Selbst wenn Hintergedanken keine Rolle spielen würden: Wer die Besten und «Wägsten» sind, wird immer erst im Nachhinein klar. Denn je nach Konstellation und Dynamik enttäuschen im Amt die Hoffnungsträger und leuchten die vermeintlich Unfähigen.

Auch jene Obertaktierer, die jetzt um drei Ecken herumdenken, um dem politischen Gegner eines auszuwischen, müssen also wissen: Schon bald könnte sich herausstellen, dass sie auf die falsche Person gesetzt haben.

Die vielen bösen und guten Überraschungen in der Vergangenheit zeigen hübsch: Wer bei Bundesratswahlen den anderen eine Grube gräbt, fällt häufig selbst hinein.

Erstellt: 15.09.2010, 09:56 Uhr

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