Und noch ein Problem für Viola Amherd

Überstürzt muss ein neuer Armeechef gesucht werden. Das Anforderungsprofil ist komplex, die Auswahl begrenzt.

Armeechef Philippe Rebord an der Medienkonferenz. Video: SDA

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Auf einen Schlag treten zwei von drei Korpskommandanten der Schweizer Armee ab: Armeechef Philippe Rebord gibt sein Amt aus gesundheitlichen Gründen auf, Ausbildungschef Daniel Baumgartner zieht die Konsequenzen aus seinem Verhalten in der Militärspesenaffäre.

Der Doppelrücktritt trifft die Armee in einem kritischen Moment. Wie die zahlreichen Abgänge in den Zivildienst zeigen, hinterfragen junge Männer zunehmend Sinn und Zweck des Wehrdienstes. Die Politik reagiert hilflos und erhöht die Zulassungshürden für den Zivildienst. Gleichzeitig hat die Armee Mühe, Milizoffiziere für höhere Chargen zu finden. Und bei der anstehenden Beschaffung neuer Kampfjets steht nicht weniger als die Existenz der Luftwaffe auf dem Spiel.

Wie die vielen Abgänge in den Zivildienst zeigen, hinterfragen junge Männer vermehrt Sinn und Zweck des Wehrdienstes.

Das alles sind grosse Aufgaben für die neue Verteidigungsministerin Viola Amherd. Derzeit profitiert sie als erste Frau im Amt von einem Sympathiebonus. Doch schon bald wird sie sich wie ihre Vorgänger mit dem politischen Streit um Rüstungskäufe und Reformschritte sowie mit bisweilen byzantinisch anmutenden Verflechtungen und Ränkespielen in ihrem Departement auseinandersetzen müssen. Dass ihr dabei bis Ende Jahr ein angeschlagener Armeechef zur Seite steht, ist eine zusätzliche Hypothek.

Selbstverständlich ist es nicht dessen Aufgabe, Politik zu betreiben. Aber der Chef der Armee gibt der Institution ein Gesicht und prägt die öffentliche Wahrnehmung durch sein Auftreten. Rebord war ein zurückhaltender Armeechef, ein Mann des Übergangs. Sein Nachfolger sollte den umsichtigen Führungsstil des Romands weiterführen – und gleichzeitig aktiver darlegen, wie die Armee auf die Bedrohungen der Zukunft reagieren will. Er muss die Weiterentwicklung der Armee auch gegen interne Widerstände umsetzen, den Leerlauf im Dienstbetrieb weiter reduzieren und den Wert der im Militär erworbenen Fähigkeiten für das Zivilleben stärker ins Bewusstsein rücken. Gelingt ihm das nicht, wird die Armee noch mehr an Akzeptanz verlieren. Und zwar in erster Linie da, wo es ihr besonders zu denken geben muss: bei den diensttuenden Soldaten.

(Redaktion Tamedia)

Erstellt: 04.04.2019, 21:12 Uhr

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