Uni-Anmeldung ist komplizierter als Einreise

An der Universität Bern gibt es viele ausländische Lehrkräfte, Studenten und Mitarbeiter. Ihnen könnte die Ventilklausel in die Quere kommen. Zu den Betroffenen zählt Irmtraud Huber aus München.

Machte in der Schweiz den Doktor: Die Deutsche Irmtraud Huber lebt seit 2008 in Bern.

Machte in der Schweiz den Doktor: Die Deutsche Irmtraud Huber lebt seit 2008 in Bern. Bild: Beat Mathys

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Irmtraud Huber stammt aus München, wo sie unter anderem Anglistik und Theaterwissenschaften studierte. Im Februar 2008 folgte sie ihrer Professorin in die Schweiz an das English Department der Universität Bern. Der Umzug in das südlich gelegene Nachbarland war mit null administrativen Hürden verbunden. «Die Anmeldung an der Uni verursachte grösseren Aufwand als die Einreise», erzählt sie.

Zu Beginn ihres Aufenthalts in der Schweiz hatte sie noch ein wenig Mühe, sich einzuleben. Sensibilisiert für das gesprochene Wort, fühlte sie die Sprachbarriere zwischen Deutsch und Schweizerdeutsch: «Gespräche werden oft steif, wenn Schweizerinnen und Schweizer Deutsch sprechen müssen.» Inzwischen versteht sie problemlos Berndeutsch und hat sich ein soziales Netzwerk aufbauen können.

Viele ohne Schweizer Pass

An der Universität Bern nahm die heute 30-Jährige mit 50-Prozent-Pensum eine Stelle als Assistentin an, um die Promotion vorzubereiten. Als Assistentin unterrichtet und betreut sie auch Studierende. Soeben hat Irmtraud Huber den Doktortitel erlangt. Vorerst bleibt sie sicher noch eine Weile in Bern. Vielleicht wird sie eine akademische Karriere anstreben und bald an eine andere Uni – vermutlich im englischen Sprachraum – gehen.

An der Berner Uni unterrichten viele Professoren ohne Schweizer Pass – ihr Anteil liegt bei rund 50 Prozent. Trotzdem hat die Personenfreizügigkeit hier nicht die gleiche Bedeutung wie zum Beispiel in einem Spital. Denn in der Lehre gibt es unabhängig von der Personenfreizügigkeit weltweit erleichterte Einreisebestimmungen. An der Uni sind allerdings vier verschiedene Kategorien zu unterscheiden. Studenten erhalten ohnehin problemlos eine Aufenthaltsbewilligung.

Das Gleiche gilt für Leute wie Irmtraud Huber, die hier doktorieren und nebenher arbeiten. Professoren erhalten in der Regel sofort eine Niederlassungsbewilligung. Alle anderen Mitarbeiter der Uni – dazu zählen zum Beispiel Oberassistenten oder Sekretariatsangestellte – durchlaufen das übliche Verfahren mit L- oder B-Bewilligungen. Vor allem für Letztere könnte die Ventilklausel Konsequenzen haben.

Erstellt: 09.04.2013, 18:49 Uhr

Porträts von Betroffenen

Dank Personenfreizügigkeit leben und arbeiten derzeit viele EU-Bürgerinnen und Bürger in der Schweiz. Spätestens bis Ende April entscheidet der Bundesrat, ob er mit der Ventilklausel ein Zeichen gegen die Zuwanderung setzen will.

Tagesanzeiger.ch/Newsnet stellt in einer Miniserie drei Betroffene vor: das Berner Inselspital, den Gemüseproduzenten Thomas Wyssa und die Akademikerin Irmtraud Huber.

Aufenthaltsbewilligungen

EU-8
(Periode 1. Mai bis 30. April)
EU-17
(Periode 1. Juni bis 31. Mai)

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