Interview

«Unsere Primarschüler absolvieren Klassenlager in der Schweiz»

Michaela Seeger von der Zurich International School über die Integration von Expat-Kindern und die Unterschiede ihrer Schule gegenüber öffentlichen Bildungsstätten.

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Frau Seeger, wieso schicken Expats ihre Kinder kaum an öffentliche Schulen?
Weil ein typischer Expat ungefähr drei Jahre im Land ist. Ausserdem unterrichten die internationalen Schulen weltweit auf Englisch und unsere Lehrpläne sind unter den Schulen abgestimmt. So ermöglichen wir den Schülern nahtlose Übergänge von einer internationalen Schule in die andere.

Nun bleiben Expats immer länger im Land, viele von ihnen werden hier sesshaft. Schicken solche Eltern ihre Kinder in öffentliche Schulen?
Das hängt davon ab, wo die Kinder in der Ausbildungsskala sind. Bei Primarschülern kommen öffentliche Schulen eher infrage. Bei Teenagern hingegen weniger, weil die kurz vor dem Abschluss stehen und der Lehrplan der öffentlichen Schulen ein anderer ist.

Integration von Ausländern läuft auch stark über Kinder. Was tut Ihre Schule für die Integration?
An unserem Standort in Kilchberg arbeiten wir an einem Austauschprogramm mit der lokalen Sekundarschule, bei dem es in erster Linie um Englisch als Fremdsprache geht. Die sozialen Schnittstellen zu Einheimischen sind aber begrenzt, weil unsere Schüler am Morgen zum Unterricht kommen und erst am Nachmittag wieder nach Hause gehen.

Hätten Ihre Schüler gerne mehr Kontakt zu Schweizer Schülern?
Expat-Familien müssen oft sehr kurzfristig das Land wechseln. Wenn man das ein paar Mal erlebt hat, fällt es schwer, sich auf lokale Freundschaften einzulassen. Das moderne Nomadenleben ist nicht einfach. In der Schule sind die Kinder unter Leuten, die das verstehen.

Wissen Sie, wie Expat-Kinder bei Schweizer Altersgenossen ankommen?
Nein, das müssten Sie die Schüler fragen.

Gibt es auch Schweizer, die ständig hier wohnen – aber ihre Kinder an die Zurich International School schicken?
Das ist nicht unser Zielpublikum. Wir haben 1500 Schüler, bloss ein paar davon sind keine Expats. Die internationalen Schulen sind in erster Linie ein wichtiger Bestandteil der Standortförderung. Wenn es keine internationalen Schulen in einer Gegend gibt, kommen die internationalen Unternehmen nicht. Im Zuge der Globalisierung hat sich die Anzahl der internationalen Schulen in den letzten Jahren denn auch verdoppelt. Wir sind quasi eine öffentliche Schule für Expats.

Ihre Plätze sind begrenzt. Wie ergattert man einen?
Wir führen Wartelisten und bevorzugen Kinder, die aus dem Ausland kommen und keinen Schulplatz haben. Wobei Mitarbeiter von Firmen, die uns finanziell unterstützen, Priorität haben. Das gilt auch für Eltern, die bereits ein anderes Kind an der Schule haben.

Welches sind die Unterschiede im Lehrplan: Setzten Sie andere Schwerpunkte als öffentliche Schulen?
Wir bieten das International Baccalaureate an. Die Lernziele im Vergleich zur eidgenössischen Matur sind ähnlich. Die Art und Weise, wie sie erreicht werden, sind anders. Es wird sehr projektorientiert gearbeitet.

Steht auch Schweizer Geschichte auf dem Lehrplan?
Unser Lehrplan ist ein internationaler. Wenn immer möglich fügen wir Schweizer Geschichte in den Unterrichtsstoff ein. Alle unsere Primarschüler absolvieren verschiedene Klassenlager in der Schweiz, mit dem Ziel, die Schweiz, ihre Bräuche und ihre Geschichte besser kennenzulernen.

Sind Deutschstunden obligatorisch?
Ja. Die Stundenzahl richtet sich nach Schulstufe. In der Primarschule sind es vier Stunden pro Woche.

Wie gut sprechen die Schüler Deutsch?
Unsere Unterrichtssprache ist Englisch – wobei viele Schüler Englisch nicht als Muttersprache haben. Deshalb legen wir mehr Wert auf das Englischlernen. Wer Deutsch als Muttersprache hat, besucht ein eigenes Programm: «Deutsch für Muttersprachler».

Werden begabte Schüler bei Ihnen mehr gefördert als in öffentlichen Schulen?
Die Lehrer sind angehalten, die Schüler individuell zu fördern. Innerhalb einer Klasse gibt es deshalb mehrere Gruppen mit verschiedenen Niveaus. Denn grundsätzlich nehmen wir alle Kinder ohne Eintrittsprüfung auf, die Niveau-Unterschiede sind entsprechend hoch.

Was passiert eigentlich mit schlechten Schülern – droht denen der Rauswurf?
Nein. Bei solchen Schülern sorgen wir mit Sprachkursen oder Nachhilfestunden dafür, dass sie mitkommen. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 11.09.2013, 07:25 Uhr

Michaela Seeger ist als «Director Community Relations» im Führungsteam der Zurich International School.

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