«Unter jeder Kanone»

Streit unter Politologen: Regula Stämpfli kritisiert Michael Hermann, weil er der SVP einen Wahlsieg prognostiziere. Stämpfli habe den Artikel gar nicht richtig gelesen, kontert Hermann.

Äusserte sich wütend auf Radio 1: Politologin Regula Stämpfli

Äusserte sich wütend auf Radio 1: Politologin Regula Stämpfli

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Eigentlich hatte die Berner Politologin Regula Stämpfli in ihrer wöchentlichen Kolumne auf Radio 1 über Korruptionsvorwürfe in der Fifa reden wollen. Doch die Berichterstattung auf Tagesanzeiger.ch/Newsnet, wo der SVP mit dem Titel «Wie die SVP die Wahlen gewinnen wird» ein Sieg vorausgesagt wurde, liess sie kurzerhand das Thema wechseln.

«So geht das wirklich nicht mehr, ich verplatze fast vor Wut», begann Stämpfli und echauffierte sich darüber, dass sich die Medien zu Steigbügelhaltern der SVP machen würden, indem sie «Lügen zu Glaubenslehren verkehren».

Strittiger Titel

Hauptziel des verbalen Angriffs war neben Tagesanzeiger.ch/Newsnet der Politologe Michael Hermann, der laut Stämpfli den «politischen Reflexionsgrad eines Planktons» besitze. Hermann «huste alle 48 Stunden via Tamedia-Onlineportal», wie stark die SVP sei, wie wichtig die Ausländerthematik et cetera. Im Besonderen regt sich Stämpfli darüber auf, dass Hermann der SVP den Sieg voraussage.

«Ich habe der SVP keinen Sieg vorausgesagt», wehrt sich Michael Hermann. Lediglich der Titel «Wie die SVP den Wahlkampf gewinnen wird» suggeriere dies. «Ich habe diesen Artikel nicht geschrieben, sondern bin darin nur zitiert worden. Wenn Regula Stämpfli den Artikel genau gelesen hätte, wäre ihr das klar geworden.»

«Unter jeder Kanone»

«Ich kenne Regula Stämpfli gar nicht, habe noch nie mit ihr gesprochen», sagt Michael Hermann. Der Plankton-Vergleich sei «unter jeder Kanone», eigentlich wolle er sich gar nicht auf dieses Niveau herablassen. Doch vielleicht sei der Hintergrund jener, dass Stämpfli auf Tagesanzeiger.ch/Newsnet nicht so oft zitiert werde.

Auf das Thema Korruption kam Regula Stämpfli in ihrer Radiokolumne auch ohne Fifa zu sprechen. «Hat eigentlich schon mal jemand recherchiert, von wem Michael Hermann bezahlt ist und wen er berät?», fragte sie rhetorisch. Hermann verteidigt sich. Als Politologe verdiene er sein Geld an der Universität Zürich und von der SVP habe er nur einmal Geld für einen Vortrag erhalten. «Für andere Parteien habe ich mehr gemacht als für die SVP.»

Regula Stämpfli relativiert ihren Angriff: «Ich habe Hermann nicht vorgeworfen, er sei käuflich, sondern lediglich gesagt, man sollte bei allen sogenannten Experten hinschauen, wie sie ihr Geld verdienen.» Sie selber habe noch nie von einer Partei Geld bekommen, ausser Spesen und Vortragsgeld, das letzte Mal 2008 von der SVP.

Erstellt: 19.10.2010, 11:46 Uhr

Verteidigt sich: Politologe Michael Hermann (Bild: Keystone )

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