Unternehmer Stoffel irritiert Vals und Graubünden

Ein Ja zum Turm verlangt Investor Remo Stoffel von der Valser Bevölkerung – sonst will er nicht investieren. Die Forderung kommt in der Gemeinde schlecht an.

Remo Stoffel plant im Bündner Bergdorf Vals eine Hotelanlage, deren Kern ein 381 Meter hoher Turm ist. Foto: Urs Jaudas

Remo Stoffel plant im Bündner Bergdorf Vals eine Hotelanlage, deren Kern ein 381 Meter hoher Turm ist. Foto: Urs Jaudas

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Es war eine deutliche Antwort, und es war eine Antwort, die noch Konsequenzen haben könnte. Auf die Frage an Remo Stoffel, was ein Nein der Valser zu seiner «Femme de Vals», seinem 300 Millionen teuren und 381 Meter hohen Hotelturm, bedeuten würde, sagte der Investor diese Woche im Interview mit Tagesanzeiger.ch/Newsnet: «Dann entzieht man mir als Investor das Vertrauen. Dann werde ich nicht weiterinvestieren.»

Vals, friss oder stirb. Entweder die Gemeinde sagt Ja zur nötigen Zonenplanänderung, oder sie kann die Millionen von Stoffel vergessen. «Sollte die Aussage von Herrn Stoffel den Zweck gehabt haben, Druck auf die Gemeinde und die Bevölkerung auszuüben, so war das kontraproduktiv für sein Projekt», sagt der Valser Gemeindepräsident Stefan Schmid dazu. Gerade Stoffel, selber ein Valser, müsste eigentlich wissen, dass das im Dorf nichts bringe, sagt Schmid.

Der Gemeindepräsident mahnt zur Ruhe. Grundsätzlich sei man froh, wenn jemand in Vals investieren wolle. Aber ein Projekt von dieser Grösse müsse von der Bevölkerung sorgfältig diskutiert werden. Darum würden die Gemeindeversammlung über eine nötige Zonenplanänderung und die nötige Urnenabstimmung kaum mehr in diesem Jahr stattfinden.

Erst seit einem Monat habe die Gemeinde die nötigen Projektdaten, sagt Schmid, und diese seien auch noch nicht vollständig. So fehle beispielsweise ein geologisches Gutachten über die mögliche Gefährdung der Quellschutzzone durch den Turm. «Das ist ein Killerkriterium», sagt Schmid, «und darum muss es sauber abgeklärt werden.»

Hersteller von Valser Wasser will null Risiko

Ein besonderes Interesse an diesem Gutachten hat auch der Coca-Cola-Konzern, der in dieser Quellschutzzone Wasser für seine Marke «Valser» schöpft. «Hier gehen wir null Risiko ein», sagt Coca-Cola-Sprecher Patrick Bossart. Der Getränkehersteller wird mit eigenen Geologen ein Gutachten über die mögliche Gefährdung des Wassers erstellen lassen. Sollte sich herausstellen, dass die «Femme de Vals» den Quellschutz gefährde, werde man sich entsprechend gegen den Bau des Hotels wehren, kündigt Bossart an.

Auch an anderer Stelle im Bündnerland haben die Aussagen von Remo Stoffel für leichte Irritationen gesorgt. Der Unternehmer berief sich im Interview mit dem «Tages-Anzeiger» auf den Kanton und die vier Millionen Franken, die dieser einem künftigen Investor in Aussicht gestellt habe. Eugen Arpagaus, Leiter des Amts für Wirtschaft und Tourismus in Graubünden, widersprach im Regionaljournal von SRF. Entschieden sei noch gar nichts. «Bevor wir etwas unterstützen können, müssen wir wissen, was da überhaupt kommt», sagt Arpagaus.

Ursprünglich sei man von einem 50-Millionen-Franken-Projekt ausgegangen, heute rede man von ganz anderen Dimensionen. Ob und in welcher Höhe sich der Kanton an den Investitionen in Vals beteiligt, wird durch den Regierungsrat beschlossen. Dafür braucht es aber einen Antrag an die Regierung. Und für diesen ein grundsätzliches Ja der Bevölkerung von Vals zum Projekt. «Ob der Turm gebaut wird», sagt Eugen Arpagaus, «liegt in den Händen der Valser Bevölkerung.» (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 29.04.2015, 09:51 Uhr

«Ein Dorn im Auge des Dorfs»: Das sagen die Valser zu den Hotelturm-Plänen. Video: Lea Blum

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