Uri gegen eine zweite Gotthard-Strassenröhre

Das Urner Stimmvolk lehnt eine zweite Tunnelröhre durch den Gotthard ab. Sowohl die Initiative der Jungen SVP wie auch der Gegenvorschlag der Regierung wurden verworfen.

Es bleibt eng: Der Gotthard-Strassentunnel.

Es bleibt eng: Der Gotthard-Strassentunnel. Bild: Keystone

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Das Urner Stimmvolk ist gegen eine zweite Röhre für den Gotthardtunnel. Es hat eine Initiative der Jungen SVP und den Gegenvorschlag von Regierung und Parlament abgelehnt, die damit eine jahrelange Schliessung während der Tunnelsanierung verhindern wollten.

Die Initiative der JSVP wurde mit 7528 zu 5699 Stimmen, der Gegenvorschlag mit 8971 zu 4102 Stimmen abgelehnt. Die Stimmbeteiligung betrug 52,39 Prozent. Fast sah es nach einem Paradigmenwechsel im Gotthardkanton aus. Nachdem eine zweite Tunnelröhre bis vor Kurzem tabu war, um die Verlagerung des Schwerverkehrs auf die Schiene zu verhindern, bröckelte in letzter Zeit die Front der Gegner.

Wirtschaftliche Nachteile befürchtet

Anlass dazu gab die für die 2020-er Jahre vorgesehene Totalsanierung des Gotthardtunnels. Der bliebe dann für mindestens zweieinhalb Jahre, bei Etappierung noch länger gesperrt. Der Bund favorisiert den Auto- und Lastwagenverlad. In Uri und im Tessin befürchtet man allerdings schwere wirtschaftliche Nachteile.

Zuerst lancierte die Junge SVP des Kantons Uri eine Initiative für eine Standesinitiative zugunsten einer zweiten Röhre. Dann plädierte - überraschend - die Urner Regierung in einem Gegenvorschlag ebenfalls für eine zweite Röhre. Und die bürgerlichen Parteien gaben umgehend ihren Widerstand auf.

Die Befürworter eines zweiten Tunnels betonten, dass es nicht um eine Kapazitätserweiterung gehe - also nicht um den Ausbau von heute zwei auf vier Spuren. Ein solcher ist verfassungswidrig, weil dadurch das Ziel der Verlagerung des Schwerverkehrs auf die Schiene gefährdet ist.

Zweite Röhre würde Kapazität erhöhen

Die JSVP wollte den Verkehr nach der Sanierung richtungsgetrennt auf die beiden Tunnels verteilen; je einspurig, dafür mit Pannenstreifen. Der Gegenvorschlag sah nach der Inbetriebnahme des zweiten Tunnels den Verzicht auf die Sanierung und die vorläufige Stilllegung des alten vor.

Doch das Volk erteilte diesen Plänen eine Absage und stellte sich damit auf die Seite der Grünen und Linken und der Alpen-Initiative. Nach deren Meinung ist es eine Illusion, zu glauben, dass beim Bau einer zweite Röhre die erhöhte Kapazität nicht genutzt würde.

(jak/sda)

Erstellt: 15.05.2011, 13:41 Uhr

Bildstrecke

Der Streit um eine zweite Gotthard-Röhre

Der Streit um eine zweite Gotthard-Röhre In Uri wird am 15. Mai darüber abgestimmt, ob die Regierung sich in Bern für einen zweiten Gotthard-Strassentunnel einsetzt.

Artikel zum Thema

«Ich glaube, dass die Stimmung kippt»

Vor der Abstimmung in Uri über eine zweite Gotthard-Strassenröhre schlägt sich Graubünden auf die Seite der Ja-Fraktion – und spricht bereits von einer Lkw-«Kontingentierung». Die Befürworter wittern Morgenluft. Mehr...

Bündner fordern zweiten Gotthard-Strassentunnel

Graubündens Regierung ist gegen eine blosse Sanierung der bestehenden Röhre. Sie fürchtet, dass bei den Arbeiten der Umweg über den San Bernardino stark zunimmt. Mehr...

«Die Stimmung ist aufgeheizt!»

In Uri wird am 15. Mai darüber abgestimmt, ob die Regierung sich in Bern für einen zweiten Gotthard-Strassentunnel einsetzt. Der Kampf um die Mehrheit wird mit harten Bandagen geführt – an der Grenze des Anstands. Mehr...

Blog

Blogs

Beruf + Berufung Durchgestartet als alleinerziehende Mutter

Geldblog Sind Genossenschafts-Investitionen sicher?

Paid Post

Wie zahlen sich Investitionen in Analytics und KI aus?

Analytics und künstliche Intelligenz (KI) stehen bei vielen Unternehmen oben auf der Agenda. Das bedeutet aber nicht, dass die Investitionen auch zu einem geschäftlichen Mehrwert führen.

Die Welt in Bildern

Feuerschweif: Eine Spezialeinheit demonstriert am Indian Navy Day in Mumbai ihr Können. (4. Dezember 2019)
(Bild: Francis Mascarenhas) Mehr...