Uri versucht die zweite Gotthardröhre zu verhindern

Die Urner Regierung fordert vom Nationalrat, auf einen neuen Autotunnel am ­Gotthard zu verzichten. Doch der Kanton ist gespalten.

Sanierung des Gotthardtunnels: Im Kanton Uri traut man den Beteuerungen des Bundes nicht.

Sanierung des Gotthardtunnels: Im Kanton Uri traut man den Beteuerungen des Bundes nicht. Bild: Keystone

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Am Mittwoch entscheidet der Nationalrat, auf welche Weise der alte Gotthard-Strassentunnel saniert werden soll. Falls sich die grosse Kammer dem Ständerat anschliesst, könnten bei Göschenen UR und Airolo TI in einiger Zeit die Bohr­maschinen auffahren. Auch die vorberatende Verkehrskommission des Nationalrats empfiehlt dem Plenum mit 16 zu 9 Stimmen, eine zweite Strassenröhre bauen zu lassen. Diese würde dann während der schwierigen Sanierungsphase (wohl von 2028 bis 2030) den Verkehrsfluss auf der Gotthardachse gewähr­leisten. Für die Zeit danach soll das Gesetz eine künstliche Kapazitätsbremse installieren: Die Tunnels dürften nur noch einspurig befahren werden, damit der Alpenschutz gewährleistet bliebe.

Die Regierung des Kantons Uri indes traut den Beteuerungen nicht. «Ein neuer Gesetzesartikel bietet keine langfristige Gewähr, die Kapazitäten zu ­limitieren», heisst es in einem von ­Baudirektor Markus Züst (SP) unterzeichneten Schreiben, das gestern an alle Nationalräte versandt wurde. Die Urner Exekutive unternimmt damit einen letzten Effort, das Parlament von einer Sanierung ohne neue Röhre zu überzeugen. In dem Schreiben, das dem Tagesanzeiger.ch/Newsnet vorliegt, erinnert die Regierung an die «typischen Staus» ­während der Feiertage und der Sommerzeit. Es sei illusorisch, zu glauben, dass in solchen Situationen an der Ein­spurig­keit festgehalten werde. Die Regierung empfiehlt den Nationalräten stattdessen ein Sanierungskonzept mit einer «Rollenden Landstrasse» für den Güterverkehr (Kurz- und Langstreckenverlad auf das Schienennetz). Man sei dafür auch bereit, eine Verladestation im Urner Talboden bei Erstfeld zu akzeptieren.

Urner in Bern ticken umgekehrt

Für ihre Lobbyaktion können sich Baudirektor Züst und seine Kollegen grundsätzlich auf ihr Stimmvolk berufen: ­Zuletzt lehnten die Urner im Jahr 2011 eine zweite Gotthardröhre mit 57 Prozent Nein-Stimmen-Anteil ab. Doch das politische Establishment des Kantons ist in der Gotthardfrage durchaus ge­spalten. Von den drei Urner Bundes­parlamentariern vertreten zwei eine ­andere Meinung als ihre Kantons­regierung. Lediglich der grünliberale Ständerat Markus Stadler lehnt einen zusätzlichen Durchstich klar ab. Sein CVP-Kollege Isidor Baumann hingegen hat im Frühjahr Ja gestimmt. FDP-Nationalrätin Gabi Huber, die am Mittwoch zum Zug kommt, war für den TA gestern nicht erreichbar. In früheren Interviews hat sie sich indes als Befürworterin geoutet. Das zentrale Argument sei für sie die Verkehrssicherheit, erklärte ­Huber im April der «Neuen Luzerner Zeitung».

Von den Kollegen im Süden kann sich die Urner Regierung ebenfalls keinen Support erhoffen. Kaum ein anderes Gremium weibelt so sehr für die zweite Röhre wie der Tessiner Staatsrat.

Erstellt: 20.09.2014, 06:29 Uhr

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