Verhütungspille: Schwerbehinderte soll Pharmakonzern entschädigen

Sie nahm die Pille, dann erlitt sie eine Lungenembolie. Eine junge Frau, die seither behindert ist, blitzte vor dem Zürcher Bezirksgericht ab. Stattdessen soll sie dem Unternehmen Bayer 120'000 Franken zahlen.

In den USA hat Bayer in Vergleichen über eine Milliarde Dollar bezahlt: Verhütungspille Yasmin in einer Verpackungsanlage in Berlin. (Archiv)

In den USA hat Bayer in Vergleichen über eine Milliarde Dollar bezahlt: Verhütungspille Yasmin in einer Verpackungsanlage in Berlin. (Archiv) Bild: Keystone

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Die 22-Jährige, die seit einer Lungenembolie vor fünf Jahren schwer behindert ist, erhält keinen Schadenersatz vom Pharmakonzern Bayer. Das Bezirksgericht Zürich hat eine Klage der Familie abgewiesen. Stattdessen soll die Familie 120'000 Franken Prozessentschädigung an Bayer zahlen.

Die junge Frau hatte die Antibabypille Yasmin wenige Wochen eingenommen und eine Lungenembolie erlitten. Ihre Familie forderte 5,3 Millionen Franken Schadenersatz und 400'000 Franken Genugtuung vom Hersteller Bayer. Andrea Schmidheiny, Mediensprecherin des Zürcher Obergerichts, bestätigte einen Bericht der «Rundschau» des Schweizer Fernsehens vom Mittwochabend.

«Kein reiner Schweizer Fall mehr»

Das Urteil vom August ist jedoch noch nicht rechtskräftig, denn die Familie hat es ans Obergericht weitergezogen. Laut der «Rundschau» habe die Klägerin nicht darlegen können, dass die von ihr eingenommenen Packungen fehlerhaft waren. Deshalb könne die Produkthaftpflicht nicht angewendet werden.

Die als Nebenklägerin aufgetretene Krankenkasse CSS, bei der die junge Frau versichert war, hat sich ebenfalls ans Obergericht gewandt. Sie fordert von Bayer mehrere Hunderttausend Franken zurück, die sie für Behandlungskosten aufgewendet hat.

Eine Sprecherin von Bayer wollte gegenüber Tagesanzeiger.ch/Newsnet keine Stellung nehmen. Auch die Frage, ob Bayer auf die 120'000 Franken Prozessentschädigung nicht verzichten könne, wollte der Pharmakonzern mit Verweis auf das laufende Verfahren nicht beantworten. In den USA hat Bayer ohne Anerkennung einer Haftung Vergleiche mit mehreren Tausend Anspruchstellerinnen geschlossen und über eine Milliarde Dollar bezahlt. (ami/sda)

Erstellt: 06.11.2013, 16:26 Uhr

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