Vermieter haben schöne Probleme

Man mag sich fragen, was die Vermieterlobby derart unverblümt eigennützig vorpreschen lässt.

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Es ist kalorienreiche Kost, die da die Haus­eigentümer im Parlament für sich bestellen. Erstens wollen sie Mietzinserhöhungen leichter durchsetzen können, die sich auf die Orts- und Quartierüblichkeit stützen – also auf das Argument, dass auch die Nachbarwohnungen teuer seien. Zweitens soll ­ihnen der Gesetzgeber keine «künstliche» Obergrenze für die Rendite aus ihren Mietobjekten mehr vorschreiben. Maximal 0,5 Prozentpunkte darf der Ertrag heute über dem Referenzzinssatz liegen, den der Bund festlegt: Diese Bindung soll weg und dafür die sogenannte Marktmiete her.

«Markt» tönt in bürgerlichen Ohren immer gut. Nur gibt es eben einen entscheidenden Unterschied zwischen der Wohnungssuche und, zum Beispiel, ­einem Autokauf. Wer sich gar kein Auto leisten kann, verzichtet aufs Autofahren. Wohnen aber muss man. Mit gutem Grund lässt der Bund nicht einfach das Schlaraffenland für die Anbieter auf diesem Markt zu.

Und wird jemand ernsthaft behaupten, in der Schweiz sei die Wohnungsmiete quasi widernatürlich billig? In den Städten gibt es faktisch heute schon Marktmieten. Von der aktuellen Tiefzinsphase profitieren die Vermieter überdurchschnittlich, da sie längst nicht alle Mieten wie vorgeschrieben senken. Die Hauseigentümer halten demgegenüber fest, die gesetzliche Obergrenze für die Rendite entspreche «nicht der sozioökonomischen Realität». Wer so technisch argumentieren muss, hat im wirklichen Leben offenbar kein Leid zu klagen.

Man mag sich fragen, was die Vermieterlobby derart unverblümt eigennützig vorpreschen lässt. Die Antwort dürfte die gleiche sein, die auch das Verhalten von Zuckerjunkies im Süss­warenladen erklärt: Die Versuchung ist einfach zu gross. Im Parlament finden Hauseigentümeranliegen stets sehr viel Resonanz. Auch die neuen Vorstösse zur Marktmiete und zur Orts- und Quartierüblichkeit werden von eindrücklichen überparteilichen Koalitionen getragen. Das Parlament sollte sich aber vergegenwärtigen, dass es ein Volk von mehrheitlich Mietern vertritt. Ein Gedanke an die letzten Abstimmungen über Initiativen des Hauseigentümerverbands mag dabei hilfreich sein.

Erstellt: 06.07.2014, 23:03 Uhr

Artikel zum Thema

Vermieter fordern mehr Profit

Die zulässige Rendite soll sich nicht mehr am Referenzzinssatz orientieren, sondern am orts- und quartierüblichen Mietzins. Der Mieterverband befürchtet eine massive Steigerung der Mieten. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Blog

Kommentare

Blogs

Mamablog Wem nützen Hausaufgaben eigentlich?
Geldblog Warum Sie Ihr 3.-Säule-Geld anlegen sollten

Die Welt in Bildern

Feuerschweif: Eine Spezialeinheit demonstriert am Indian Navy Day in Mumbai ihr Können. (4. Dezember 2019)
(Bild: Francis Mascarenhas) Mehr...