Verschiebung: Beznau-Stillstand kostet Axpo 300 Millionen Franken

Das Wiederanfahren von AKW Beznau I ist erneut verschoben worden. Die Verzögerung bis Oktober kommt den Energiekonzern teuer zu stehen.

Weitere Prüfungen für den Sicherheitsnachweis stehen an: Der stillstehende Block 1 des AKW Beznau im Kanton Aargau. (29. Oktober 2016)

Weitere Prüfungen für den Sicherheitsnachweis stehen an: Der stillstehende Block 1 des AKW Beznau im Kanton Aargau. (29. Oktober 2016) Bild: Christian Beutler/Keystone

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Das Kernkraftwerk Beznau (KKB) muss den Wiederanfahrtermin für seinen seit 2015 stillstehenden Block 1 erneut verschieben. Das Eidg. Nuklearsicherheitsinspektorat ENSI verlangt zusätzliche Materialprüfungen für den Sicherheitsnachweis.

Neuer Planungs- und Zieltermin für das Wiederanfahren von Block 1 sei, «weiterhin im Sinne einer bestmöglichen Annahme», der 31. Oktober 2017, teilte der Energiekonzern Axpo am Freitagabend mit. Grund für die Verschiebung seien die «Prüfkommentare der Aufsichtsbehörde» ENSI zum eingereichten Sicherheitsnachweis für den Reaktordruckbehälter von Beznau I.

«Zerstörende Prüfungen»

Konkret verlangt die Aufsichtsbehörde, die gegenwärtig den vom KKB im November 2016 eingereichten Sicherheitsnachweis beurteilt, zusätzliche Materialprüfungen und ergänzte Berichte, wie Axpo-Sprecher Tobias Kistner auf Anfrage sagte.

Für den Sicherheitsnachweis hatte das KKB eine Replika des Reaktordruckbehälters herstellen lassen. Zahlreiche Resultate aus den umfangreichen Prüfungen, zu denen auch «zerstörende Prüfungen» gehörten, seien in den Nachweis eingeflossen, sagte Kistner. Nun würden an den Restbeständen weitere Prüfungen durchgeführt.

Die für diese Arbeiten nötigen Experten und spezialisierten Unternehmen seien im Sommer aber nur schwer so kurzfristig zu bekommen, schrieb die Axpo. Deshalb verschiebt der Konzern den voraussichtlichen Wiederanfahrtermin vom 30. Juni auf den 31. Oktober 2017. Die Wiederinbetriebnahme musste bereits mehrmals verschoben werden.

Seit über zwei Jahren vom Netz

Block 1, mit knapp 48 Betriebsjahren einer der ältesten kommerziellen Reaktoren der Welt, steht seit der im März 2015 begonnenen damaligen Jahresrevision und dem Einbau eines neuen Deckels für den Reaktordruckbehälter still. Im damaligen Sommer waren dabei dank einer neuen Messtechnologie Unregelmässigkeiten im Material des Reaktordruckbehälters entdeckt worden.

In der Mitteilung vom Freitag zeigte sich die Axpo «weiterhin überzeugt, dass keine sicherheitstechnischen Vorbehalte bezüglich des Weiterbetriebs der Anlage vorliegen». Die Axpo gehe von der Annahme aus, dass das ENSI «diese Einschätzung bestätigen wird».

Der lange Stillstand kostet die Axpo bis Oktober insgesamt rund 300 Millionen Franken, wie Kistner sagte. Darin eingerechnet seien die Kosten für den Sicherheitsnachweis wie auch die Kosten für die Beschaffung des nicht produzierten Stromes. (foa/sda)

Erstellt: 17.06.2017, 08:03 Uhr

Artikel zum Thema

Beznau I bleibt weiter vom Netz – bis mindestens Frühling 2017

Die Axpo kann den Meiler nicht – wie von ihr erhofft – Ende Jahr wieder in Betrieb nehmen. Die Sicherheitsprüfung der Atomaufsicht des Bundes dauert länger als angenommen. Mehr...

So fliesst der Strom ohne AKW

Infografik Der letzte Winter zeigt, wie sich das Schweizer Versorgungsnetz in heiklen Situationen stabilisieren lässt – selbst wenn die Atomreaktoren Beznau I und II ausser Betrieb sind. Mehr...

Die Hypothek des Kraftwerks Beznau I

Aluminium im Stahl des Reaktordruckbehälters wirft Fragen auf. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Blog

Kommentare

Die Welt in Bildern

Einfach mal blau: Zwei Kormorane schwimmen im Morgennebel auf einem See in Kathmandu. (11. Dezember 2017)
(Bild: Navesh Chitrakar) Mehr...