Vertrauliches Dokument nennt Tiefenlager-Standorte

Das Bundesamt für Energie verlangt von der Nagra Antworten: Hat die Entsorgungsgenossenschaft die Standorte zur Lagerung radioaktiver Abfälle insgeheim schon bestimmt?

Einer von sechs vom Bundesrat bestimmten möglichen Standorten: Der Bözberg im Kanton Aargau. (Archivbild Keystone)

Einer von sechs vom Bundesrat bestimmten möglichen Standorten: Der Bözberg im Kanton Aargau. (Archivbild Keystone)

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Die «SonntagsZeitung» hat Auszüge aus vertraulichen Dokumenten der Nagra veröffentlicht. Das Papier der Nationalen Genossenschaft für die Lagerung radioaktiver Abfälle führt demnach nur noch vier der jetzigen sechs zur Auswahl stehenden Standorte für die Lagerung radioaktiver Abfälle auf. Diese hatte der Bundesrat vor einem Jahr bestimmt. Nach weiteren Abklärungen will er 2014 zwei Standorte von der Liste streichen. In dem Dokument kommen laut «SonntagsZeitung» der Wellenberg (Ob-, Nidwalden) und der Jurasüdfuss (Solothurn, Aargau) nun aber gar nicht mehr vor.

Hat die Nagra damit nun den Entscheid des Bundesrats vorweggenommen? Sie verneint: Es handle sich bei dem Dokument lediglich um einen modellhaften Ablauf mit hypothetischen Resultaten. «Selbstverständlich» seien «auch ganz andere Szenarien möglich», schreibt die Nagra in einer Stellungnahme, welche die «SonntagsZeitung» veröffentlicht hat.

Bözberg und Weinland gesetzt?

Ebenfalls einsehbar ist die Aktennotiz selber. Diese legt nahe, dass die Nagra bereits konkrete Standorte ins Auge fasst: Das Zürcher Weinland als Standort für das Tiefenlager, das dereinst hochradioaktive Abfälle beherbergen soll, und der Bözberg im Aargau als Standort für das zweite Tiefenlager, in welchem die schwach- und mittelradioaktiven Abfälle gelagert werden sollen.

Das Dokument der Nagra wirft nun zumindest Fragen auf. Die Schaffhauser Regierungspräsidentin Ursula Hafner sagt, die Nagra müsse nun viel erklären: «Sie hat bisher immer gesagt, dass alle Gebiete mit der gleichen Ernsthaftigkeit untersucht werden. Das Papier spricht nun eine andere Sprache», gab sie der «SonntagsZeitung» zu Protokoll. Nun wolle sie wissen, ob das Nuklearinspektorat und das Bundesamt für Energie (BFE) eingeweiht waren.

Nach eigenen Angaben hat das BFE seit dem 19. September Kenntnis von der Aktennotiz der Nagra. Dies sagte BFE-Sprecherin Marianne Zünd auf Anfrage der Nachrichtenagentur SDA. An einer Sitzung der Arbeitsgruppe des Bundes für die nukleare Entsorgung (Agneb) habe Geologe Walter Wildi das Dokument thematisiert.

Atomkritiker Wildi, der als Professor an der Universität Genf lehrt, war im August aus dem Beirat Entsorgung zurückgetreten. Er begründete diesen Schritt mit der «unverantwortlichen Sicherheitskultur» bei der Suche nach einem Tiefenlager.

Das BFE hat sich laut Zünd nach der Agneb-Sitzung umgehend an die Nagra gewandt, die dem Bundesamt die geforderten Unterlagen Ende September zugestellt hat. Nun seien Abklärungen im Gang, sagte Zünd: «Die Nagra wird uns einiges erklären müssen.» Unter anderem will das BFE wissen, welchem Zweck die fragliche Planung genau dient, in welchem Zusammenhang sie steht und weshalb die Nagra die Standorte mit Namen nennt, wenn es sich um ein Modell handeln soll.

Zudem sei nicht klar, ob das BFE dieselben Unterlagen erhalten habe, die Wildi an der Sitzung erwähnt hatte. Laut Marianne Zünd sei es durchaus legitim, dass die Nagra verschiedene Strategien plane. Seltsam mute aber die Art und Weise des Vorgehens an. (mw/sda)

Erstellt: 07.10.2012, 07:43 Uhr

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