Veteranen der illegalen P-26 gewürdigt

Der Baselbieter Sicherheitsdirektor Isaac Reber hat Mitglieder der geheimen Widerstandsorganisation P-26 auf Schloss Ebenrain verdankt. Altlinke sind entsetzt.

Schloss Ebenrain: Hier wurden die Miglieder der P-26 geehrt.

Schloss Ebenrain: Hier wurden die Miglieder der P-26 geehrt. Bild: Dirk Wetzel

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Für die rund 25 Veteranen aus der Widerstandsorganisation P-26 muss der gestrige Empfang auf Schloss Ebenrain in Sissach (BL) und die Verdankung ihrer stillen Bereitschaft, die Schweiz auch nach einem militärischen Untergang zu verteidigen, eine Genugtuung gewesen sein. zu viel Häme und Unrecht habe sich über jene rund 400 Schweizer ergossen, die bis 1990 im Geheimen den Widerstand gegen den Feind organisiert hätten, selbst wenn die Schweizer Armee bei einer Invasion kapituliert hätte. Regierungspräsident Isaac Reber (Grüne) würdigte das damalige Engagement mit den Worten: «Die beste Versicherung ist die, welche man letztlich gar nicht braucht! Sie waren Teil einer solchen Versicherung.»

«Das stilvolle Schloss, das schöne Wetter und die dreifache Aufwartung, die die Baselbieter Regierung mit Präsident Isaac Reber und den beiden Obersten im Generalstab Thomas Weber und Anton Lauber machte, hat die Feier zum schönsten Anlass gemacht, den wir in der Deutschschweiz hatten», sagt der Militärhistoriker Felix Nöthiger. Er setzt sich für die Rehabilitation der als «putschbereiten Geheimarmee P-26» verschrieenen Truppe ein.

Der Akt vom Montag in Sissach reiht sich in identische Anlässe in anderen Kantonen ein. Damit wird ein Bundesratsbeschluss aus dem Jahr 2009 umgesetzt, die P-26-Mitglieder zu würdigen.Entsetzt ist die politische Linke, die bis zur Enttarnung und Liquidierung der substaatlichen Militärorganisation durch die parlamentarische Untersuchungskommission (PUK) gelitten hat. «Da gibt es nichts zu ehren. P-26 war illegal, alimentiert mit Staatsgeldern an allen offiziellen Gremien vorbei», sagt alt SP-Nationalrat Helmut Hubacher. Auch alt SP-Grossrat Roland Stark ist fassungslos: «Dass ausgerechnet ein grüner Regierungsrat diese illegale Organisation würdigt, ist ein dicker Hund.» Von der «Unmöglichkeit, etwas, das ausserhalb jeder demokratischen Kontrolle steht, rechtsstaatlich zu rechtfertigen», spricht SP-Ständerat Claude Janiak: «Die Bestrebungen, die P-26 zu rehabilitieren, sind nicht neu.»

Nach Fichenskandal enttarnt

Die Ressentiments der Linken gegenüber P-26 müssen vor dem Hintergrund der Fichenaffäre gesehen werden. Bis 1989 wurden rund 900'000 Schweizer fichiert, darunter vorwiegend Personen linker Couleur. Aufgeflogen ist die P-26 indirekt im Zuge des Rücktritts von Bundesrätin Elisabeth Kopp: Nach deren Demission sah die PUK eine Möglichkeit, das Treiben der Bundespolizei zu untersuchen. Die Fichen tauchten auf und mit ihnen eine Liste internierungswürdiger, gefährlicher Zeitgenossen im Kriegsfall. Sie wurde vom eidgenössischen Militärdepartement geführt und löste gleich eine zweite PUK aus. Dabei und mit der Recherche des Journalisten Urs Paul Engeler flogen die beiden Geheimorganisationen P-26 und P-27 auf. Dabei war die P-26 bloss die Fortsetzung der im 2. Weltkrieg (7. September 1940) gegründeten Aktion nationaler Widerstand (ANW) unter neuem Namen. Im ANW waren 101 Basler und 20 Baselbieter Mitglied. Auf Ebenrain nahm nur noch ein Basler an der Ehrung teil.

Während sich im Zuge der Enthüllungen Militäroberste in P-26-Depots mit Gewehren ablichten liessen, bestreiten die Veteranen bis heute, munitioniert gewesen zu sein. «Es gab Chiffriergeräte, Karten, Kurzwellenfunk, aber keine Pistolen, keinen Sprengstoff», sagt Nöthiger. Insofern sei der Begriff «Geheimarmee» für die P-26 so verfehlt wie propagandistisch.

Hubacher bleibt dabei: «Die P-26 war eine illegale Aktion; es sind politische Schwarzfahrer, die sich unter Umgehung aller demokratischer Strukturen als Widerstandsorganisation legitimiert haben.» Dass dies Isaac Reber als Grüner verdanke, mache es «nicht schöner», so Hubacher.

Kein Verständnis hat auch der Historiker und SP-Landrat Ruedi Brassel, der sich mit Widerstandsbewegungen auseinandergesetzt hat. «Man kennt sie aus der Zeit des Faschismus. Eine ganz andere Funktion aber hatte die P-26 aus den 1970er- und 1980er-Jahren: Sie war eine staatsschutzartige Geheimorganisation, die in der Spätphase des Kalten Krieges aufgezogen wurde.» Heute verkläre man sie als Widerstandsorganisation, was für ihn eine fragwürdige Geschichtsklitterung darstelle. (Basler Zeitung)

Erstellt: 13.05.2015, 12:31 Uhr

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