Video zeigt prügelnden Luzerner Polizisten

Ein in der «Rundschau» veröffentlichtes Video zeigt einen Luzerner Elitepolizisten, der einen wehrlosen Einbrecher mit Fusstritten traktiert.

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Der Luzerner Polizeiskandal hat eine neue Eskalationsstufe erreicht. Während die Luzerner Justizdirektorin Yvonne Schärli (SP) noch gestern an einer Pressekonferenz den Eindruck zu vermitteln versuchte, die Affäre im Griff zu haben, legte die aktuelle Ausgabe der SRF-Sendung «Rundschau» heute Abend nach.

Auf einem Überwachungskameravideo traktiert ein Luzerner Elitepolizist einen festgenommenen, wehrlos am Boden liegenden rumänischen Einbrecher mehrfach mit Fusstritten gegen den Kopf. Der Vorfall ereignete sich am 3. Juni um 4 Uhr morgens in einem Uhrengeschäft in Luzern. Beim Beamten handelt es sich um ein 29-jähriges Mitglied der Interventionseinheit SPID (ständiger Präsenz- und Interventionsdienst). Das Opfer erlitt Prellungen, Blutergüsse und Schürfungen am Kopf.

Nicht sofort suspendiert

«Trotz der erdrückenden Beweislage hat der Luzerner Polizeikommandant Beat Hensler offenbar davon abgesehen, per sofort personalrechtliche Sofortmassnahmen gegen den fehlbaren SPID-Polizisten zu ergreifen», berichtet die «Rundschau». Stattdessen zeigt der Kommandant die Überwachungsaufnahmen am 24. Juni Mitgliedern seiner Sondereinheit. Diese Videovorführung verstosse, so die «Rundschau», einerseits gegen die Geheimhaltungspflicht im internen Dienstbefehl 4.01.07 «Ermittlungen gegen Angehörige der Luzerner Polizei». Zudem erfolgte diese Aktion während des laufenden Strafverfahrens und ohne Zustimmung der Staatsanwaltschaft.

Ausschnitt aus dem SRF-Video: Der Polizist tritt mehrmals gegen den Kopf des Einbrechers, obwohl dieser ohne Gegenwehr am Boden liegt.

Hensler suspendierte den prügelnden Polizisten erst am 15. Juli vom Dienst. Dies also zu einem Zeitpunkt, als der Luzerner Polizeiskandal bereits seit Wochen schweizweit für Schlagzeilen sorgte. Im Juni wurde publik, dass ein Kadermann befördert worden sei, obwohl er seine Freundin verprügelt habe. Schon länger war bekannt, dass ein weiterer Kaderpolizist eine ihm unterstellte Mitarbeiterin sexuell genötigt haben soll. Anfang Juli deckte der TA auf, dass ein Luzerner Elitepolizist Ende 2008 bei einer Verhaftungsaktion massiv Gewalt angewendet hatte – und anschliessend mehrfach befördert wurde.

22 Vorfälle dokumentiert

Gestern informierte der von der Luzerner Justizdirektorin als externer Gutachter eingesetzte frühere Berner Oberrichter Jürg Sollberger eine erste Einschätzung zu den 22 von ihm untersuchten Vorfälle im Polizeikorps. «Gewalt gegen Wehrlose und Angehörige fügt der Glaubwürdigkeit der Polizei schweren Schaden zu, deshalb muss Nulltoleranz herrschen», sagte er an der Pressekonferenz. Statt die Medien über den neuen Vorfall zu informieren, deutete er nur an, dass in den Sommerferien neue Vorkommnisse aufgetaucht wären.

Damit musste die Öffentlichkeit davon ausgehen, dass er sich nur auf die Verhaftung von Ende 2008 bezog. Damals wurde ein junger Deutscher festgenommen, als er von einer Baustelle Diesel stehlen wollte. Obwohl er bereits in Handschellen gelegt war, wurde er vom Polizeibeamten gewürgt und schwer verletzt. Dafür wurde der Polizist wegen mehrfachen Amtsmissbrauchs und Tätlichkeiten verurteilt.

Kein Rücktritt

Gegenüber der «Rundschau» erklärte Sollberger: «Sobald sich jemand ergeben hat, ist jede Gewalt, die gegen den Betreffenden ausgeübt wird, nicht mehr im Rahmen des Zulässigen.» Auch Polizeikommandant Beat Hensler kam im Fernseh-Beitrag zu Wort: «Das gibt mir zu denken, ich möchte mit aller Deutlichkeit festhalten, dass dies überhaupt nicht dem Standard der Luzerner Polizei entspricht.» Er habe den fehlbaren Beamten nicht sofort suspendiert, weil er den Fall seriös untersuchen wollte. Hensler betonte, dass die Regierung ihm auch im Anbetracht dieses Vorfalles das Vertrauen ausgesprochen hätte. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 21.08.2013, 21:34 Uhr

Artikel zum Thema

Luzerner Polizei fasst gewalttätige Beamte zu mild an

Im Fall um zwei gewalttätige Kaderleute der Luzerner Polizei hat alt Oberrichter Jürg Sollberger seinen Zwischenbericht vorgestellt. Darin spricht er von teils gravierenden Vorfällen. Mehr...

Luzerns Polizeichef gesteht falsche Personalentscheide ein

Die Luzerner Polizei stand in den letzten Monaten wegen fehlbarer Kaderleute in der Kritik. Der Luzerner Polizeikommandant Beat Hensler hat nun eine neue Beförderungspraxis angekündigt. Mehr...

Schwere Vorwürfe gegen Luzerner Polizisten

Ein Kadermitglied der Luzerner Polizei soll seine Freundin verprügelt, ein anderes eine Mitarbeiterin sexuell genötigt haben. Der Fall rückt den Kommandanten in ein schlechtes Licht und ruft die Politik auf den Plan. Mehr...

Blogs

Mamablog Die Jugendbewegung wird zur Elternbewegung

Sweet Home Tapeten zum Selbermalen

Die Welt in Bildern

Es sammelt sich nur der Staub in ihnen: Frauen zerschmettern in Indien Töpfe aus Ton, um gegen den Mangel an Trinkwasser zu protestieren. (16. Mai 2019)
(Bild: Amit Dave) Mehr...