Campingplätze mit Quecksilber verschmutzt

Der Fall um die Altlasten der Chemiefabrik Lonza bei Visp VS zieht immer grössere Kreise: Auch zwei Campingplätze sind kontaminiert. Bis auf weiteres dürfen keine Zelte mehr aufgestellt werden.

Giftiger Aushub: Bauarbeiten für die <nobr>A 9</nobr> in Visp.

Giftiger Aushub: Bauarbeiten für die A 9 in Visp. Bild: Maxime Schmid/Keystone

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Die durch Quecksilber kontaminierte Zone rund um die Chemiefabrik Lonza bei Visp im Kanton Wallis weitet sich aus. Zwei Campingplätze sind ebenfalls betroffen. Ausserdem wurde eine Verschmutzung des Grundwasser durch ein Lösungsmittel entdeckt.

Nachdem der Kanton Wallis diesen Frühling auf Spielplätzen und beim Aushub der Autobahn A9 Quecksilber im Boden gefunden hatte, laufen gegenwärtig weitere Schadstoffuntersuchungen zwischen Visp und Niedergesteln. Dabei stiessen die Behörden auf eine neue Quecksilberbelastung bei den beiden Campingplätzen in Turtig.

Keine Zelte mehr erlaubt

Die Betreiber der Campingplätze wurden vorsorglich gebeten, darauf zu achten, dass an den Stellen mit einer Quecksilberbelastung von mehr als 2 mg/kg keine Zelte mehr aufgestellt werden und diese auch nicht als Spielplätze genutzt werden.

Bei den laufenden Untersuchungen hat sich auch die Belastung der Wiesen unmittelbar westlich der Lonza, welche im Eigentum der Lonza sind, bestätigt. Die Lonza hat ihren Pächter angewiesen, die Böden in Kanalnähe mit einer Quecksilber-Konzentration über dem Sanierungswert (20 mg/kg für landwirtschaftliche Nutzung) nicht zu bewirtschaften.

Massiv höhere Quecksilberbelastung

Vor wenigen Tagen war bekannt geworden, dass der Umweltverband Ärztinnen und Ärzte für Umweltschutz (Aefu) bei der Baustelle auf der A 9 bei Visp massiv höhere Quecksilberbelastungen gemessen hatte, als der Kanton Wallis Ende April veröffentlicht hatte. Die Aefu fordert vom Kanton zusätzliche Untersuchungen.

In zwei Proben von Bodenmaterial, das für den Bau der neuen Baltschiederbrücke ausgehoben worden war, fand die Aefu Quecksilberbelastungen von 3200 und 3500 Milligramm pro Kilogramm, wie der Umweltverband mitteilt.

Arbeiter ungeschützt

Der Kanton Wallis hatte Ende April eine Höchstkonzentration von 1500 mg/kg angegeben und in der Medienmitteilung bereits von einer «extrem hohen Quecksilberbelastung» gesprochen. Nach Angaben der Aefu wurde das gefährliche Material ohne Schutz der Arbeiter ausgehoben.

Danach sei es monatelang ungeschützt unter freiem Himmel neben Wohnhäusern herumgelegen und dabei Wind und Wetter ausgesetzt gewesen. Erst vor kurzem sei das Bodenmaterial abgedeckt und zur Entsorgung nach Deutschland abtransportiert worden.

Auch Beton ist belastet

Zudem wies die Aefu gemäss eigenen Analysen auch im Beton, der für den Neubau der Baltschiederbrücke abgespitzt wurde, 1,7 mg/kg Quecksilber nach. Dies bedeute, dass belastete Sedimente aus dem Grossgrundkanal auch als Rohstoff für Beton verarbeitet worden seien.

Der Fall Lonza erhalte damit eine neue Dimension. Der Umweltverband stellt die Frage, wo überall mit Quecksilber belasteter Beton verbaut wurde, und fordert vom Kanton eine systematische Untersuchung von Betonbauten.

Ausmass umstritten

Die Umweltorganisation Aefu engagiert sich seit längerem im Fall der Quecksilberbelastung in Visp. Sie schätzt die Quecksilberemissionen der Lonza zwischen 1930 bis 1976 auf rund 200 Tonnen.

Die Lonza sprach zunächst von 28 Tonnen Quecksilber, die in den Grossgrundkanal abgeleitet worden seien. Ende Februar korrigierte das Chemieunternehmen die Zahl nach oben auf 50 Tonnen.

Anfang Mai gab der Kanton bekannt, dass mindestens 13 Wohnparzellen beim Grossgrundkanal saniert werden müssen, weil die Quecksilberbelastung im Boden über dem Grenzwert von 5 mg/kg liegt. Was mit weniger stark verschmutzten Parzellen passiert, ist noch unklar. (mw/thu/sda)

Erstellt: 20.05.2014, 18:03 Uhr

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