Druck soll Schweizer Bauern in den Suizid treiben

Landwirte würden immer mehr unter Bürokratie und finanziellen Problemen leiden, heisst es.

Stehen gelassen: Ein landwirtschaftlicher Anhänger in Wil, SG. (Symbolbild)

Stehen gelassen: Ein landwirtschaftlicher Anhänger in Wil, SG. (Symbolbild) Bild: Alexandra Wey/Keystone

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Für Schweizer Bauern sind die bürokratischen Hürden zunehmend höher geworden. Neben Vorgaben der Grossverteiler und Labels müssen sie sich an bis zu 1300 Regeln des Bundes halten. Obwohl von dort 2,8 Milliarden Franken fliessen, verdient ein Bauer im Mittel nur 44’000 Franken pro Jahr – weniger als der Schweizer Durchschnitt.

Markus Ritter, Präsident des Schweizer Bauernverbandes, spricht im «Blick» von einem «Teufelskreis, aus dem man nur noch schwer ausbrechen kann.» Wegen der finanziellen Probleme würden viele Bauern einen Nebenerwerb annehmen und sich damit noch mehr Stress aussetzen.

Suizidrate steigt

Viele Bauern halten dem Druck nicht stand. In den letzten 20 Jahren starben pro Jahr über 1300 Betriebe weg. 2016 haben sich allein im Kanton Waadt acht Bauern das Leben genommen – doppelt so viel wie im Jahr davor. Der Kanton setzte nun einen Seelsorger ein, der zu helfen versucht.

Für den Rest der Schweiz liegen keine Zahlen zu Suiziden im bäuerlichen Milieu vor. Doch ist die Not mit Sicherheit nicht nur in der Westschweiz gestiegen. «Vielen Landwirten geht die Luft aus», sagt Bauernpräsident Ritter im «Blick». «Wir stellen eine Häufung von Suiziden fest.» Die Verzweiflung spiegelt sich auch in der Statistik des Bäuerlichen Sorgentelefons wider: Im Jahr 2015 gingen 153 Anrufe ein, 2009 waren es noch 90.

Neue Hilfsangebote

Wegen der steigenden Nachfrage entstehen zahlreiche neue Hilfsangebote. So schult der Bäuerinnen- und Landfrauenverband seine Mitarbeiterinnen, besser mit verzweifelten Anruferinnen umzugehen undn diese an Experten zu vermitteln. Der Bündner Bauernverband lanciert im Januar die Telefon-Hotline Offene Türe.

Allerdings benötigt es noch weitere Arbeit, um Landwirte dazu zu bewegen, diese Angebote auch zu nutzen. «Bauern sind es gewohnt, sich selbst zu helfen oder in der Familie um Rat zu fragen», sagt Sonja Imoberdorf von der Berner Fachhochschule im «Blick». «Externe Hilfe wird meist erst geholt, wenn es schon fast zu spät ist. Deshalb ist die Früherkennung wichtig.»

Treuhänder können Hilfe leisten

Imoberdorf untersucht, ob landwirtschaftliche Treuhänder das Schlimmste verhindern könnten. Sie haben Einblick in die Finanzen und könnten rechtzeitig Alarm schlagen. Ein Grossteil der Bauern nimmt die Hilfe von Treuhändern in Anspruch und zahlt sie aus der eigenen Tasche. Ein weiterer Hinweis darauf, wie komplex der Bürokratie-Dschungel für Landwirte geworden ist. (chi)

Erstellt: 13.12.2016, 03:02 Uhr

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