Warum Zürich nationaler Trendsetter ist

Die Zürcher Kantonsratswahlen gelten als «kleine Nationalratswahlen». In der Tat zeigen sie Trends der Parteien im darauf folgenden eidgenössischen Wahlherbst auf. Es gibt aber auch Zürcher Eigenheiten.

Der nationale SP-Präsident strahlt: Das Glanzrestultat vom neu gewählten Regierungsrat Mario Fehr (rechts) ist ganz nach dem Geschmack von Christian Levrat.

Der nationale SP-Präsident strahlt: Das Glanzrestultat vom neu gewählten Regierungsrat Mario Fehr (rechts) ist ganz nach dem Geschmack von Christian Levrat. Bild: Keystone

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Die zeitliche Nähe zu den Nationalratswahlen, die Tatsache, dass im Kanton Zürich ein Sechstel der Schweizer Bevölkerung lebt, sowie die in Zürich konzentrierte Medienmacht gebe den Zürcher Wahlen besonderes Gewicht, erklärte der Politologe Werner Seitz gegenüber der Nachrichtenagentur SDA. So zeichnete sich etwa der Aufstieg der Grünen in den 80er Jahren, ihre Stagnation in den Neunzigern und ihre Genesung ab 2000 jeweils bei den Zürcher Wahlen ab, und bestätigte sich bei den Nationalratswahlen im darauf folgenden Herbst.

Dabei waren die Ausschläge in der Grünen-Hochburg Zürich jeweils grösser als bei den gesamtschweizerischen Urnengängen. So kamen die Grünen schon 1987 in Zürich auf über 10 Prozent. Gesamtschweizerisch kratzten sie an der 10-Prozent-Marke erst 2007. Auch der SP-Absturz bei den Nationalratswahlen 1983 und 1987, dann die Genesung 1991 bis 2003 sowie der neue Einbruch 2007 deuteten sich zuerst in Zürich an. Bei den jüngsten kantonalen Wahlen konnte die SP ihre Verluste aber zumindest eindämmen.

SVP: Zürich als Vorreiterin

Wie die Grünen begann auch die SVP ihren Höhenflug in Zürich; von hier aus baute Christoph Blocher «seine» SVP» auf. Nach Jahren der Stagnation verdoppelte sie im Kanton Zürich 1987 bis 2003 ihre Wählerstärke von 16 auf über 30 Prozent, seither stagniert sie dort - allerdings auf hohem Niveau.

Der gesamtschweizerische Trend folgte allerdings mit einem Zeitabstand nach: 1987 und 1991 verharrte die SVP Schweiz noch bei ihren traditionellen 11 bis 12 Prozent, erst 1995 hob sie auf 15 Prozent ab, und 2007 erreichte sie 29 Prozent. Während in Zürich seit einigen Jahren ein gewisser Plafond erreicht scheint, konnte die Partei vor allem in der Inner- und in der Westschweiz neue Wähler abholen, erklärte Seitz.

FDP und CVP konnten sich in Zürich länger halten

Etwas anders ist das Bild bei FDP und CVP: Während sich beide Parteien bei den Zürcher Wahlen 1983 noch halten konnten (bei 25 respektive 11 Prozent, begann in diesem Jahr schweizweit schon ihr Abstieg. Die FDP sank schweizweit 1979 bis 2007 von 24 auf 15,8 Prozent, die CVP von 21,3 auf 14,5, wobei sie sich 2003 und 2007 festigen konnte. Die kantonalen Wahlen seither zeigen aber bei beiden Parteien Abwärtstrends.

Allerdings weisen in der Regel nicht nur die Zürcher Wahlen, sondern auch die anderen kantonalen Wahlen in den 12 Monaten vor dem eidgenössischen Urnengang auf den gesamtschweizerischen Trend hin. So gaben die Kantonswahlen 2007 in Basel Land, Waadt, Tessin und Luzern für die SP und die FDP eher zu Pessimismus Anlass, während die Ergebnisse für SVP und CVP «durchzogen» waren. (pbe/sda)

Erstellt: 04.04.2011, 23:37 Uhr

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