Warum es mit der Türkei zum Eklat kommen könnte

Der Bundesrat will die Türkei nicht brüskieren. Dennoch sei eine diplomatische Krise nicht ausgeschlossen, warnt ein Experte.

Vorsichtiger EDA-Chef: Didier Burkhalter im Gespräch mit Mevlüt Cavusoglu bei dessen Arbeitsbesuch in Kehrsatz bei Bern. (3. November 2016)

Vorsichtiger EDA-Chef: Didier Burkhalter im Gespräch mit Mevlüt Cavusoglu bei dessen Arbeitsbesuch in Kehrsatz bei Bern. (3. November 2016) Bild: Ruben Sprich/Reuters

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Grösser könnte der Kontrast kaum sein. Nüchtern und sachlich erklärte das Aussenministerium (EDA), dass es derzeit keinen Grund gebe, den Auftritt des türkischen Aussenministers zu untersagen. Der Schweiz-Besuch von Mevlüt Cavusoglu stelle keine besonders erhöhte Gefährdung der inneren Sicherheit dar. Eine Einschränkung der Redefreiheit wäre daher nicht gerechtfertigt.

Zuvor allerdings waren die Drähte heissgelaufen in Bern. Zwischen Mittwochnachmittag und Donnerstagmorgen erstellten der Nachrichtendienst des Bundes und das Bundesamt für Polizei (Fedpol) eine Zusatzanalyse der Sicherheitslage.

Am Nachmittag tauschten sich die Bundesräte Didier Burkhalter, Simonetta Sommaruga und Guy Parmelin, die den Sicherheitsausschuss der Landesregierung bilden, mündlich über die Befunde aus. Ebenfalls gestern traf sich eine EDA-Vertreterin mit dem türkischen Botschafter, um die Modalitäten des Cavusoglu-Besuchs zu besprechen.

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EDA-Kenner warnt vor Krise

Die Betriebsamkeit in Bern geht vorab auf Aussenminister Didier Burkhalter zurück. Zum einen wollte der FDP-Magistrat die Einwände des Zürcher Sicherheitsdirektors Mario Fehr vertieft prüfen. Zum anderen erzählen EDA-Kenner, dass Burkhalter im Umgang mit der Türkei stets sehr vorsichtig vorgehe. Dies dürfte in diesen Tagen erst recht der Fall sein, zumal das Potenzial für diplomatische Verwerfungen mit den Asylgesuchen von türkischen Diplomaten in der Schweiz aktuell besonders gross ist.

Ist die Gefahr eines Eklats mit dem gestrigen Entscheid, den Besuch von Aussenminister Cavusoglu zu genehmigen, gebannt? Türkei-Kenner sind skeptisch. Ein kleines Problem könne sich sehr rasch zur umfassenden Krise auswachsen, sagt ein EDA-Kenner.

Bildstrecke: Der türkische Aussenminister Mevlüt Cavusoglu hatte bei Auftritten in Deutschland das Gastgeberland scharf angegriffen.

Diese Erfahrung hat auch Max Schweizer gemacht. Er war während 32 Jahren Angehöriger des diplomatischen Corps der Schweiz und von 2003 bis 2007 in Ankara stationiert. «Wie diese Affäre ausgeht, das liegt zu einem grossen Teil nicht in den Händen der Schweiz», sagt er. «Der türkische Apparat sucht mitunter gezielt einen Eklat, um das Publikum in der Heimat zu mobilisieren.»

Die türkische Diplomatie schrecke dabei nicht davor zurück, eine Situation zu erzeugen, in der das Gegenüber nur noch in einer Brüskierung Zuflucht nehmen könne, so Schweizer. «Türkische Diplomaten verbinden die sowjetische Schule, die westlichen Methoden und die osmanisch-byzantinische Tradition. Das macht sie unberechenbar. Aber davon darf man sich nicht irre machen lassen.»

Video: Warum ist Erdogan so nervös und was passiert, wenn er seine Abstimmung verliert? Antworten von Ausland-Redaktor Enver Robelli.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 10.03.2017, 08:44 Uhr

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