«Was Zuppiger vorgeworfen wird, traue ich ihm nicht zu»

GLP-Präsident Martin Bäumle kritisiert in einem «Weltwoche»-Interview den Bericht über Bruno Zuppigers Erbschaftsaffäre. Die Provokation, er verteidige ukrainische Verhältnisse, bezeichnet Bäumle als dumm.

«Ziemlich überrascht» über die Publikation der Zuppiger-Geschichte in der «Weltwoche»: Martin Bäumle.

«Ziemlich überrascht» über die Publikation der Zuppiger-Geschichte in der «Weltwoche»: Martin Bäumle. Bild: Keystone

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Als die SVP vor zwei Wochen ihren Bundesratskandidaten Bruno Zuppiger auswechselte, meldete sich auch Martin Bäumle zu Wort. Der Präsident und Nationalrat der Grünliberalen kritisierte die SVP, weil diese Zuppiger wie «eine heisse Kartoffel» habe fallen lassen. Im Zusammenhang mit der Verteidigung von Zuppiger durch Bäumle sprach die «Weltwoche» von «ukrainischen Verhältnissen». Diese Provokation kontert nun der mit einer Ukrainerin verheiratete GLP-Politiker.

«Wenn Sie mir unterstellen wollen, ich würde Korruption und einen Unrechtsstaat legitimieren, dann ist das unanständig und einfach nur ein unzulässiger und dummer Vergleich», sagt Bäumle in einem Interview mit der «Weltwoche» (Artikel online nicht verfügbar). Gleichzeitig macht Bäumle klar, dass er die Enthüllungsgeschichte über SVP-Nationalrat Zuppiger nicht in Ordnung findet. Die Interpretation der Tatsachen in der Erbschaftsaffäre durch Zuppiger unterscheidet sich von jener seiner Partei und der «Weltwoche». «Der Vorwurf der Erbschleicherei ist eine Ungeheuerlichkeit.» Er hüte sich vor einer Vorverurteilung. Zudem gebe es viele Ungereimtheiten im Fall Zuppiger.

Bäumle kennt Zuppiger seit längerer Zeit

«Ich glaube, seinen Charakter zu kennen, und traue Zuppiger das ihm Vorgeworfene nicht zu», sagt Bäumle, der gemäss eigener Aussage ein kollegiales Verhältnis zu Zuppiger unterhält, aber nicht privat verbandelt ist. Bäumle und Zuppiger kennen sich seit längerer Zeit. Vor 20 Jahren sassen sie zusammen im Zürcher Kantonsrat.

Bäumle zeigt sich «ziemlich überrascht», dass die «Weltwoche» die Zuppiger-Geschichte gebracht hat. Und er stellt Fragen: «Warum kommt die ‹Weltwoche› an Informationen, die durch eine Stillschweigevereinbarung beider Parteien geschützt sind? Und wie kommt sie an die Zahlungsanweisung von Zuppiger an seine Bank?» Bäumle würde es begrüssen, «wenn ein strafrechtliches Verfahren eröffnet würde, damit die Fakten geklärt werden».

«Ich habe es nicht gerne gemacht»

Im «Weltwoche»-Interview äussert sich Bäumle auch zur «SonntagsBlick»-Geschichte über seine Liebe zu einer deutlich jüngeren Ukrainerin, die als Tänzerin in einem Nachtclub gearbeitet hatte. Dabei gibt Bäumle zu verstehen, dass er nur widerwillig bei der «SonntagsBlick»-Publikation mitgemacht habe. «Ich habe zwei Prinzipien. Erstens: Mein ­Privatleben ist tabu. Zweitens: Ich bin transparent. In dem Fall musste ich das eine verletzen, um das andere zu schützen. Aber ich habe es nicht gerne gemacht.»

Insgesamt blickt Bäumle auf ein sehr gutes Jahr zurück. Als Politiker stuft er den Entscheid zum Atomausstieg noch höher ein als die Wahlerfolge seiner Grünliberalen. «Der Atomausstieg ist die zentrale Grösse», sagt Bäumle. «Es ist ein Erfolg, dass der schrittweise Ausstieg beschlossen wurde, wie ihn die GLP immer wollte – mit Augenmass.» (vin)

Erstellt: 22.12.2011, 11:27 Uhr

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