Umfrage: Was von Trumps Besuch zu erwarten ist

Stimmen von links bis rechts zur Aufwartung des US-Präsidenten am WEF.

Die Ankündigung von Trumps Besuch in Davos weckt in der Schweiz grosse Erwartungen: Donald Trump steigt aus der Air Force One aus.

Die Ankündigung von Trumps Besuch in Davos weckt in der Schweiz grosse Erwartungen: Donald Trump steigt aus der Air Force One aus. Bild: Carolyn Kaster/Keystone

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Die überraschende Nachricht traf gestern Abend aus Amerika ein. Zuerst war es die «New York Times», die über den geplanten Besuch von US-Präsident Donald Trump in der Schweiz berichtete. Später bekräftigten Sprecher des Weissen Hauses, dass Trump an das World Economic Forum (WEF) reisen wolle, das vom 23. bis 26. Januar in Davos GR stattfindet. Der Präsident werde dort über seine «America First»-Doktrin («Amerika zuerst») sprechen, wird Trumps Sprecherin Sarah Huckabee Sanders in den US-Medien zitiert. Die US-Botschaft in Bern bestätigte gegenüber dieser Zeitung am späten Abend, dass man mit Trumps Erscheinen rechne. «Wir klären nun die nötigen Details mit Washington ab», erklärte eine Mitarbeiterin der Botschaft auf Anfrage.

Umfrage

Was halten Sie vom Besuch des US-Präsidenten in Davos?






Dass nach Bill Clinton im Jahr 2000 nun erstmals wieder ein amerikanischer Präsident ans WEF reisen wird, sorgt in der Schweiz für grosses Interesse und grosse Erwartungen. Im Bundesrat will man sich die Chance für ein Treffen jedenfalls nicht entgehen lassen. «Wenn US-Präsident Donald Trump ans WEF nach Davos kommt, so trifft ihn Bundespräsident Alain Berset gerne für einen Austausch», erklärt Bersets Sprecher ­Peter Lauener. Die Schweiz und die USA pflegten «langjährige, intensive Beziehungen auf unterschiedlichsten Ebenen». Es gebe viele Themen zu besprechen, bilateral und international.

Selbst Linke freuen sich

Trumps Besuch am WEF sei eine einmalige Gelegenheit, sagt auch Elisabeth Schneider-Schneiter (CVP, BL), Präsidentin der Aussenpolitischen Kommission (APK) des Nationalrats. Die zuständigen Bundesräte müssten dies nutzen. Wichtige Themen seien insbesondere die Auswirkungen der US-Steuerreform auf die Schweiz und Trumps Rolle in der Welthandelsorganisation (WTO).

Bilder: Trump in Davos

Filippo Lombardi (CVP, TI), APK-Präsident des Ständerats, dämpfte die Erwartungen aus Schweizer Sicht hingegen. Das WEF sei erfahrungsgemäss nicht die Bühne, auf der die Schweiz ihre partikulären Interessen mit den Staatschefs vertreten könne. Jedoch sei Trumps Besuch ein Beweis für die grosse Bedeutung des WEF. Es sei zu hoffen, dass Trump in Davos friedensstiftende Äusserungen mache und auf Provokationen verzichte.

«Es bringt uns auch nicht viel, zu diesem Anlass seine Politik wieder einmal zu kritisieren.»Tim Guldimann, SP-Nationalrat

Selbst in linken Kreisen wertet man den Besuch positiv. «Sein Besuch ist nur gut für die Schweiz», sagt der Zürcher SP-Nationalrat Tim Guldimann. «Wenn er in die Schweiz kommt, werden nur schon mal keine bösen Worte an unsere Adresse fallen. Es bringt uns auch nicht viel, zu diesem Anlass seine Politik wieder einmal zu kritisieren.» Der Schweiz und dem WEF bringe der Besuch Trumps in Davos international eine riesige Aufmerksamkeit.

Sicherheitskräfte gefordert

Für die Sicherheitskräfte freilich dürfte der Besuch vor allem eine riesige Herausforderung werden – umso mehr, als allem Anschein nach selbst bestinformierte Kreise bislang kaum mehr als Gerüchte über Trumps Pläne vernommen hatten. Während des WEF wird Davos jeweils weitgehend von der Aussenwelt abgeriegelt; die Sicherheitsmassnahmen wurden insbesondere seit den heftigen Anti-WEF-Kundgebungen der frühen Nullerjahre massiv verschärft. Als Folgen wichen militante WEF-Gegner teilweise nach Zürich und Bern aus, wo es zu Krawallen kam. 2001 etwa entstand in Zürich ein Sachschaden von rund 700'000 Franken, zwei Jahre später traf es die Stadt Bern mit einem Schaden von rund einer halben Million Franken.

In den vergangenen zehn Jahren schien sich die Lage zu beruhigen, doch verursacht das WEF noch immer Sicherheitskosten von 8 bis 9 Millionen Franken. Die Armee darf mit maximal 5000 Mann Unterstützung leisten; im letzten Jahr standen zudem rund 1000 Polizeikräfte aus der ganzen Schweiz im Einsatz. Noch ist nicht absehbar, wie sich Trumps Besuch auf das Sicherheitsdispositiv auswirken wird. Es sei sicher nicht mit einer Verzehnfachung des Aufwands zu rechnen, sagt André Kraske, der den WEF-Ausschuss der Bündner Regierung leitet. «Unser Dispositiv ist ja auf den Schutz von bedeutenden Persönlichkeiten wie Trump ausgerichtet. Ich gehe davon aus, dass der Sicherheitsaufwand etwa im Rahmen der Vorjahre bleiben wird.» Genaue Aussagen seien im Moment allerdings nicht möglich, schränkt Kraske ein.

«Ich bin zuversichtlich, dass die Sicherheitskräfte die Lage gut meistern werden.»Tarzisius Caviezel, Landammann Davos

In Davos sieht man den Dingen derweil gelassen entgegen. «Ich bin zuversichtlich, dass die Sicherheitskräfte die Lage gut meistern werden. So wie sie das schon letztes Jahr beim Besuch von Chinas Staatschef Xi Jinping, dem zweitmächtigsten Mann der Welt, geschafft haben», sagt der Davoser Landammann Tarzisius Caviezel. Auch ihn hat Trumps Ankündigung gestern überrascht – in positivem Sinn: «Ich freue mich natürlich, so wie ich mich auch auf den Besuch von Bill Clinton gefreut habe.» (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 10.01.2018, 09:50 Uhr

Artikel zum Thema

Interview: «Trumps Besuch wird dramatisch»

Ernst Wyrsch machte das Hotel Belvédère zur bekanntesten Adresse am WEF. Er sagt, ob Davos dem geplanten Besuch des US-Präsidenten gewachsen ist. Mehr...

Kommt Trump ab Kloten mit dem Heli?

Das detaillierte WEF-Sicherheitsdispositiv ist geheim – welche Fakten trotzdem bekannt sind. Mehr...

Trump am WEF, der Anti-Davos-Mann kommt

Kommentar Am World Economic Forum wird die internationale Zusammenarbeit beschworen. Der US-Präsident steht für das Gegenteil. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Blog

Kommentare

Die Welt in Bildern

Urmusik: Luftaufnahme eine Konzertes am 17. Alphorn-Festival in Nendaz. (22. Juli 2018)
(Bild: Laurent Gillieron) Mehr...