Weihbischof Elegantis Mentor war ein Unzuchts-Priester

Der Zürcher Weihbischof Marian Eleganti lebte fast 15 Jahre in einer verbotenen Gemeinschaft, die von einem wiederholt wegen Unzucht mit jungen Männern verurteilten Priester geleitet wurde.

Lebte mit einem Priester zusammen, der wegen Unzucht an Minderjährigen mehrfach im Gefängnis sass: Marian Eleganti.

Lebte mit einem Priester zusammen, der wegen Unzucht an Minderjährigen mehrfach im Gefängnis sass: Marian Eleganti.

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Nach Meinung von Weihbischof Marian Eleganti kann die Kirche einen propagandistischen Anlass wie das Zürich Pride Festival nicht unterstützen. Im Namen des Churer Bischofsrats hat er den Verantwortlichen mitgeteilt, dass er die ökumenischen Gottesdienste für Schwule und Lesben für unerwünscht halte und der ins Organisationskomitee delegierte Priester zurücktreten müsse (TA vom Freitag). Eleganti selber allerdings hat fast 15 Jahre lang mit einem Priester unter einem Dach gelebt, der wegen Unzucht mit minderjährigen Burschen mehrfach im Gefängnis sass.

Schwerer Kerker

Der TA berichtete am 19. Februar darüber, wie der 21-jährige Novize Marian Eleganti 1976 das Kloster Einsiedeln Hals über Kopf verliess – im Zustand der Verunsicherung und der psychischen Krise, die ihm Schlaf und Appetit raubte, wie er selber sagte. Er schloss sich einer kleinen Gemeinschaft von Visionären an, mit der er zuerst in Castelgandolfo, dann in Innsbruck zusammenlebte. Gründer und Leiter der Gemeinschaft war Joseph Seidnitzer, ein 1920 geborener österreichischer Priester mit bewegtem Leben, der es stets verstand, Jugendliche und junge Männer um sich zu scharen. Wie aus Akten im Ordinariat von Seidnitzers Heimat-Diözese Graz-Seckau hervorgeht, hatte er sich wiederholt an jungen Burschen ab 18 Jahren vergangen (volljährig war man damals mit 21). Der Priester lud die Jugendlichen in seine Wohnung ein, machte sie mit Likören gefügig und nötigte sie zu sexuellen Handlungen.

Seidnitzer hat die klassische Biografie eines Missbrauchs-Priesters jener Zeit. Obwohl er immer wieder rückfällig wurde, suchte die Kirche die Übergriffe zu vertuschen, gewährte ihm neue Chancen und versetzte ihn einfach an andere Orte. Dabei wurde er mehrfach verurteilt, ein erstes Mal 1954 in der Steiermark zu acht Monaten schweren Kerkers. 1958 verurteilte ihn das Landesgericht Innsbruck wegen Unzucht zu einem Jahr schweren Kerkers, «verschärft durch ein hartes Lager». Als Seelsorger nach Interlaken versetzt, verführte er dort 1960 zwei Jugendliche, ergriff die Flucht, wurde in Innsbruck dingfest gemacht und abermals vom Landesgericht zu 14 Monaten verurteilt.

Ein psychiatrisches Gutachten von 1954 der Sigmund-Freud-Klinik Graz sieht in Seidnitzer eine Persönlichkeit «von psychopathischer Abartigkeit mit schizoiden Zügen». Er sei jedoch nicht geisteskrank. Die Fahrigkeit und Zwiespältigkeit seines Charakters zeige sich in einer gesteigerten gleichgeschlechtlich ausgerichteten Triebhaftigkeit sowie in hypochondrischen Vorstellungen und in einem Hang zum Mystizismus in Erscheinungen. Ein anderes Gutachten von 1960 spricht von einem «abnormen Psychopathen» mit einem «starken Hang zur Mystik, immer wieder ins grob Sexuelle absinkend».

Eleganti im innersten Zirkel

Nach der dritten Haftstrafe in Österreich führte Seidnitzer ein unstetes Wanderleben in verschiedenen Ländern, bis er 1973 besagtes Priesterwerk gründete. Zu seiner rechten Hand machte der 53-Jährige den damals 23-jährigen Gebhard Sigl, der heute das Werk von Rom aus leitet. 1977 stiess der 22-jährige Eleganti zur kleinen Gruppe, die sich in Castelgandolfo bei Rom niedergelassen hatte. An seiner Pressekonferenz als frisch ernannter Zürcher Weihbischof im letzten Dezember gab Eleganti dem Werk einen legalen Anstrich und erzählte etwa, Kardinal Gabriel-Marie Garonne habe es 1976 probehalber anerkannt. Er verschwieg, dass der Kardinal die vorläufige Anerkennung schon ein halbes Jahr später zurückzog, dass die Gruppe das italienische Bistum verlassen musste und ab 1979 in Innsbruck ein illegales Priesterseminar in der Villa Salvatoris betrieb. Eleganti gehörte dort zum innersten Zirkel der ultrakonservativen Separatisten.

In der Gemeinschaft festigte Seidnitzer seine Autorität über Offenbarungen, über Heiland- und Marienerscheinungen. Er verstand sich als «Papst der neuen Zeit» und weihte geistig Männer und Frauen zu Priestern und Bischöfen. Kritikern entgegnete die Seidnitzer-Sekte, sie spreche nur mit dem Papst und der Gottesmutter. Sie setzte sich über alle kirchlichen Regeln hinweg. Auch über die Suspension Seidnitzers, die Johann Weber, Bischof von Graz-Seckau, 1979 aussprach. Der Innsbrucker Bischof Reinhold Stecher verbot das Priesterseminar mehrmals und warnte in einem Hirtenwort: «Weil diese Einrichtung in der Innsbrucker Glasmalereistrasse an den Idealismus und das religiöse Interesse junger Menschen aus ganz Europa appelliert und sich dabei als zutiefst kirchlich darstellt, muss ich mit allem Nachdruck feststellen, dass sich J. Seidnitzer eindeutig ausserhalb der Gemeinschaft der Kirche gestellt hat.» In der Villa Salvatoris werde «viel guter Wille irregeführt». Zum hermetisch abgeriegelten Theologenzirkel sollen in den Achtzigerjahren jeweils 60 Studenten aus zehn Ländern gehört haben.

Durch die kirchenamtlichen Verbote immer stärker unter Druck geraten, teilte sich das Werk 1990. Einige gingen nach Rom und unterstellten sich dem berühmt-berüchtigten Bischof Pavel Hnilica. Auf sein Betreiben hin wurde die Gruppe kirchlich anerkannt und Seidnitzer 1991 begnadigt. Zwei Jahre später starb er in Innsbruck.

Und jetzt noch Jugendbischof

Weihbischof geworden, sprach Marian Eleganti an seiner ersten Pressekonferenz rückblickend von Schwierigkeiten mit der Gründerpersönlichkeit der Gruppe, die in einer offenen Konfrontation geendet hätten. Nach fast 15 Jahren an der Seite Seidnitzers hatte er 1990 bei den Missionsbenediktinern in Uznach Unterschlupf gefunden. 1999 wurde er dort Abt, und 2009, dank dem Churer Bischof Vitus Huonder, Weihbischof in Zürich. Gerade hat die Bischofskonferenz Eleganti zum katholischen Jugendbischof der Schweiz ernannt.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 18.07.2010, 23:22 Uhr

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