Interview

«Weil die Kampfjetgegner so laut schreien, werden sie gut gehört»

Für den Walliser Staatsrat Oskar Freysinger ist klar: Das VBS schliesse den Sittener Militärflughafen, weil die Stadt Sitten keine Kampfjets dulden wolle. Er sieht aber noch eine kleine Chance.

Oskar Freysinger, Walliser Staatsrat und Vorsteher des Sicherheitsdepartements, versucht bis Ende Januar den Sittener Militärflugplatz zu retten.

Oskar Freysinger, Walliser Staatsrat und Vorsteher des Sicherheitsdepartements, versucht bis Ende Januar den Sittener Militärflugplatz zu retten. Bild: Keystone

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Herr Freysinger, die Walliser Regierung konnte nicht verhindern, dass Verteidigungsminister Ueli Maurer den Militärflugplatz Sitten voraussichtlich schliessen wird. Haben Sie schlecht lobbyiert?
Nein, im Gegenteil. Der Staatsrat hat gekämpft bis zum Schluss. Wir haben Ueli Maurer einen Brief geschrieben und betont, wie wichtig der Militärflugplatz für unseren Kanton ist. In dem Schreiben erklärten wir uns auch einverstanden mit der Präsenz einer Kampfjetstaffel in Sitten. Um den Lärmgegnern entgegenzukommen, schlugen wir vor, den Kampfjetlärm auf das Niveau von 2001 zu begrenzen.

Warum hat der Brief nichts genützt?
Weil sich die Gemeinde Sitten nicht dazu durchringen konnte, uns zu unterstützen. Die Stadtregierung wollte den Brief nicht mitunterzeichnen, weil sie Sitten vor den Lärmemissionen der Militärflugzeuge schützen will. Ihr Motto lautet «Militärflughafen Ja, Militärflugzeuge Nein». Unter diesen Umständen muss ich leider sagen: Ich kann den Entscheid des Verteidigungsdepartements (VBS) verstehen.

Warum?
Warum sollte man für einen Flugplatz 30 Millionen Franken im Jahr ausgeben, wenn man diesen gar nicht benutzen kann? Erst recht, wenn man wie das VBS unter hohem Spardruck steht, überlegt man sich so etwas zweimal. Das Geld wird uns im Wallis allerdings fehlen.

Gibt es keine Alternative für den Flugplatz Sitten, zum Beispiel private Investoren?
Nein, bis heute sind zumindest keine in Sicht. Sitten wird wohl deshalb beim Kanton anklopfen. Aber auch die Kantonsfinanzen sind nicht so gut, dass wir uns einen solchen Flughafen ohne Militär leisten könnten.

Wieso ist der Widerstand gegen den Kampfjetlärm im Wallis grösser als anderswo?
Diese Behauptung stimmt überhaupt nicht. Die Kampfjetgegner sind eine kleine Gruppe von 200 bis 300 Personen. Weil sie so laut schreien, werden sie gut gehört. Ich bin sicher, die Bevölkerung steht nicht hinter dem, was nun passiert ist.

Wird die Schliessung des Flugplatzes politische Konsequenzen für Sie haben?
Hinter dem Verhalten der Sittener Regierung steht schon eine grosse Verantwortung. Diese möchte ich persönlich nicht tragen müssen. Die Stadt will keine Kampfjets, aber sie will auch keine Rechnungen für den Flughafen bezahlen. Das geht leider nicht auf. Es gibt aber noch eine kleine Chance, den Militärflughafen zu behalten.

Und die wäre?
Wir haben eine Art Galgenfrist bis Ende Januar 2014. Wenn wir Sitten bis dann dazu bringen, sich mit der Präsenz von Kampfjets einverstanden zu erklären, haben wir noch eine Chance. Das hat mir der Chef der Armee André Blattmann signalisiert.

Wie werden Sie argumentieren?
Es steht enorm viel auf dem Spiel für die Walliser Wirtschaft. Wir würden auch wertvolle Ausbildungsplätze, 47 Polymechanikerstellen und 175 Vollzeitstellen am Flughafen verlieren. Dies würde durch die neue Präsenz der Militärpolizei in Sitten nur teilweise aufgefangen. Und auf den Tourismus käme nach der Zweitwohnungsinitiative und dem Raumplanungsgesetz eine weitere Bedrohung zu.

Erstellt: 26.11.2013, 14:24 Uhr

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