Wenn Eltern ihre Kinder anzeigen

Im Kanton Zürich haben sich letztes Jahr mehr Familien über häusliche Gewalt beklagt.

Zu häuslicher Gewalt kommt es nicht nur zwischen Eheleuten, sondern auch zwischen Eltern und Kindern: eine gestellte Szene von häuslicher Gewalt.

Zu häuslicher Gewalt kommt es nicht nur zwischen Eheleuten, sondern auch zwischen Eltern und Kindern: eine gestellte Szene von häuslicher Gewalt. Bild: Luis Berg/Keystone

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22 Jugendliche im Kanton Zürich wurden im vergangenen Jahr wegen häuslicher Gewalt angezeigt, wie die «NZZ am Sonntag» berichtet. Ihnen wurden gesamthaft 23 Tätlichkeiten, elf Drohungen und drei Delikte zur Last gelegt. 18 der Täter seien männlich gewesen, 4 weiblich.

Sarah Reimann, Sprecherin der Oberjugendanwaltschaft des Kantons Zürich, betont, dass die Hemmschwelle hoch sein müsse, bis Eltern den juristischen Weg einschlagen und ihre Kinder anzeigen würden.

Zunahme beim Elternnotruf

Ein Sozialarbeiter bei einer Zürcher Jugendanwaltschaft ergänzt, dass meist erst die Polizei eingeschaltet würde, «wenn bereits etwas passiert ist», so Ueli Schenk. «Das Bekenntnis, die Lage in der Familie nicht unter Kontrolle zu haben, ist meist mit grosser Scham verbunden.»

Häusliche Gewalt in Familien sei ein unterschätztes Problem, erklärt Peter Sumpf, Geschäftsleiter des Elternnotrufs in Zürich. Bei der Fachstelle hätten sich 2017 314 Familien gemeldet, weil Kinder ihre Eltern, Geschwister oder andere Angehörige angegriffen oder bedroht hätten. «Das entspricht einer Zunahme dieser Fälle um 35 Prozent», so Sumpf in der Zeitung. Die Dunkelziffer wird als deutlich höher vermutet.

(roy)

Erstellt: 20.05.2018, 10:24 Uhr

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