Interview

«Wer etwas gegen Multikulti sagt, ist ein Faschist»

Mit seinem Auftritt bei Islamkritikern in Paris erntet Oskar Freysinger zahlreiche böse Kommentare. Der SVP-Nationalrat sagt im Interview, warum er seine Europa-Tournee für wichtig hält.

«Manchmal geht es nur über Provokationen»: Oskar Freysinger (SVP/VS) am Wochenende an einem Anti-Islam-Treffen in Paris.

«Manchmal geht es nur über Provokationen»: Oskar Freysinger (SVP/VS) am Wochenende an einem Anti-Islam-Treffen in Paris. Bild: Keystone

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Herr Freysinger, jede Religion zeigt extremistische Auswüchse. Weshalb bekämpfen Sie ausschliesslich den Islam?
Der Islam ist die einzige Religion, die eine juristisch-politische Komponente hat. Andere Religionen sind in der Haupttendenz mystisch. Ich spreche vom islamischen Dogma, der Nomokratie. Die staatsbildende Bedeutung, und man spricht ja weltweit von der Nation of Islam, ist ein Aspekt, der andern Religionen fehlt. Deshalb müssen wir hier besonders vorsichtig sein. Die Dogmen jeder Religion müssen mit den andern auf gleichem Fuss gestellt sein und es braucht den Staat als Schiedsrichter.

Den Staat als Schiedsrichter haben wir ja.
Zu wenig. Es gibt Zwangsheiraten und andere illegale Praktiken. Im Islam herrscht der religiöse Kult des Kollektiven. Der einzelne Mensch ist in den Clan-Gesellschaften ausgeliefert. Diese sind oft zahlungskräftig und finanzieren sich gegenseitig weltweit. In der Schweiz gibt es zum Glück noch keine Gettobildung, aber wir müssen vorsichtig sein. In Frankreich, Belgien, Grossbritannien und Holland gibt es eine starke Gettobildung, teilweise leben 200'000 Personen in einer Monokultur. Da gibt es einen Kollektivdruck, der den Rechtsstaat aushebelt.

Die ständige Islam-Kritik erinnert auch an den Antisemitismus der 30er-Jahre. Das Minarettverbot ist ein erster Schritt in diese Richtung.
Das ist lächerlich. Niemand hindert Moslems daran, in der Schweiz ihre Religion auszuüben. Sie sollen damit einfach nicht den öffentlichen Raum besetzen, sondern dies im Privaten tun. Norwegen hat kürzlich den Bau einer aus Saudiarabien finanzierten Moschee verboten mit dem Argument, dass in Saudiarabien selber keine Religionsfreiheit herrsche. Hier hat niemand etwas gesagt. Den Nazi-Vorwurf höre ich immer wieder. Die Zeitung «Vigousse» hat mich als SS-Offizier dargestellt, der Kinder in die Gaskammern schickt. Aber das lasse ich mir nicht bieten, gegen die Zeitung werde ich klagen.

Es heisst, Sie wären am Samstag in Paris beinahe einem Mordanschlag zum Opfer gefallen. Stimmt das?
Jemand hat ein scharfes Messer mit einem Korken drauf in den Saal schmuggeln wollen, aber der Sicherheitsdienst hat es bemerkt. Sie haben jeden, der hineinwollte, durchleuchtet. Es gab auch Bombendrohungen im Vorfeld der Veranstaltung.

Riposte laïque, die Organisation, von der Sie eingeladen wurden, und der rechtsbürgerliche Bloc identitaire haben kürzlich Schweinefleisch-Gelage in muslimisch geprägten Quartieren veranstaltet. Begrüssen Sie solche Provokationen?
Sie protestieren gegen die Inbesitznahme der Halal-Gesellschaft! An manchen Schulen wird nicht mal mehr Schweinefleisch serviert aus Rücksichtnahme. Es ist doch Selbstverleugnung, wenn man immer nur darauf schaut, niemanden zu verärgern. Sich selber behaupten geht manchmal nur über Provokation, ansonsten werden Missstände totgeschwiegen. Wer etwas gegen Multikulti sagt, ist ein Faschist.

Mit Ihrer Ausland-Tournee durchbrechen Sie die Tradition der SVP, die sich auf die Schweiz zu konzentrieren pflegt. Weshalb?
Ich bin mit der Strategie meiner Parteikollegen in diesem Punkt nicht einverstanden. Man kann nicht nur im Bunker bleiben und das Alpenreduit verteidigen. Gerade jetzt, wo der Druck auf die Schweiz vonseiten der EU zunimmt, müssen wir das Schweizer Modell proaktiv verteidigen. Denn die EU ist nicht demokratisch. Und es gibt in der EU eine grosse Unzufriedenheit. Die SVP hat jedenfalls gelernt, mit meiner Art zu leben. Ich bin nun mal ein bunter Vogel, das bringt der Partei aber sehr viel. Vor allem bei den Jungen, Frauen und Linken hole ich viele Wählerstimmen ab. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 22.12.2010, 17:18 Uhr

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