Interview

«Wer genügend Ärzte will, muss genügend Ärzte ausbilden»

FMH-Präsident Jürg Schlup über die Fragen, ob sich nach dem Ja zur Einwanderungsinitiative der Ärztemangel verschärft und ob nun der Numerus clausus fällt.

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In den letzten Jahren kamen immer mehr ausländische Ärzte in die Schweiz. Die Einwanderungsinitiative schiebt dem nun möglicherweise einen Riegel, verstärkt sich jetzt der Ärztemangel?
Es ist eine Tatsache, dass 30 Prozent unserer Ärzte ein ausländisches Diplom haben. Auch dank ihnen können wir die Versorgung hier auf einem hohen Niveau sicherstellen. Auf unsere ausländischen Kolleginnen und Kollegen verzichten können wir nicht. Es sind nun allerdings erst zehn Tage vergangen seit der Abstimmung, deshalb liegen die Auswirkungen der Initiative im Bereich der Spekulationen. Ob sich der Ärztemangel, den es bereits gibt, verstärken wird, das hängt davon ab, welche Massnahmen getroffen werden.

Werden Schweizer Unis nun mehr Ausbildungsplätze für Mediziner bereitstellen?
Das tun die Medizinischen Fakultäten unserer Universitäten bereits. Die Universitäts-Kantone haben in den letzten fünf Jahren die Kapazität der Ausbildungsplätze um ein Viertel erhöht. Nun wäre auch der Bund gefordert, die Universitäten dabei finanziell zu unterstützen, mehr Ausbildungsplätze bereitzustellen.

Hat der Bund das Problem verschlafen?
Nun, Sie müssen auch die lange Dauer der Ausbildung von Ärzten berücksichtigen. Das führt dazu, dass die Knappheit erst verzögert sichtbar wird. Deshalb hat man erst in den letzten Jahren damit begonnen, die Zahl der Ausbildungsplätze zu erhöhen. Bislang beteiligt sich der Bund noch nicht daran.

Mehr Ausbildungsplätze für Mediziner, fällt jetzt der Numerus clausus?
Auch wenn wir mehr Studienplätze haben, werden sich immer noch mehr Studenten interessieren, als dass Plätze vorhanden sind. Schliesslich sind nämlich nicht nur die Studien-, sondern auch die Praktikumsplätze in den Instituten, Labors und Spitälern begrenzt. Irgendwie muss man deshalb selektionieren, ob mittels Prüfungen oder mit Numerus clausus. Die Diskussion, ob der Numerus clausus das richtige Selektionskriterium ist, ist eine wichtige, doch die Lösung des Ärztemangels liegt nicht dort: Wenn man genügend Ärzte will, muss man genügend Ärzte ausbilden.

Könnte der Zulassungsstopp aufgehoben werden?
Die FMH bekämpft den Zulassungsstopp seit es ihn gibt. Geplant ist der Zulassungsstopp bis 2016, eine Folgelösung hat das BAG angekündigt. Es ist möglich, dass sich hier etwas ändert, aber es ist noch zu früh, das abzuschätzen.

Zu wenig Schweizer Ärzte, möglicherweise nun auch zu wenig ausländische Ärzte. Muss man sich Sorgen machen?
Fragen Sie mich in ein, zwei Jahren wieder. Die Initianten geben uns drei Jahre, um Lösungen zu suchen. Die werden wir dringend brauchen.

Erstellt: 18.02.2014, 15:33 Uhr

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