Hintergrund

Wer in der Schweiz Ferien macht, soll weniger Steuern zahlen

Der Tourismusbranche brechen die Einnahmen weg. Jetzt lanciert Nationalrat Oskar Freysinger (SVP) eine ungewöhnliche Fördermassnahme.

Will Heimurlauber entlasten: SVP-Nationalrat Oskar Freysinger. (Archivbild)

Will Heimurlauber entlasten: SVP-Nationalrat Oskar Freysinger. (Archivbild) Bild: Keystone

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Das normale Krisenvokabular reicht offenbar nicht mehr, um die Misere im Schweizer Fremdenverkehrsgeschäft zu beschreiben. Die Engadiner Tourismusdirektorin Ariane Ehrat spricht in der Zeitung «Sonntag» nun schon von einer «Zeitenwende». Tatsächlich gehen die Logiernächte seit vier Jahren scheinbar unaufhaltsam zurück – hohe Preise, die Frankenstärke, die europäische Wirtschaftskrise und zum Teil Mängel beim Angebot werden meist als wichtigste Gründe angeführt.

Aus dem Tourismuskanton Wallis kommt jetzt ein ungewöhnlicher Vorschlag zur Bekämpfung des Gästeschwunds. In einer unlängst eingereichten Motion fordert SVP-Nationalrat Oskar Freysinger ein fiskalisches Zückerchen für Heimurlauber: Schweizer, die in Schweizer Hotels gastieren, sollen die Kosten hierfür künftig von den Steuern abziehen dürfen. Es sei «sinnvoll», einen «Anreiz» für Ferien im Inland zu schaffen, argumentiert Freysinger in dem von 14 Parteifreunden mitunterzeichneten Vorstoss. Die Gesetze über die direkte Bundessteuer sowie die Steuerharmonisierung sollen entsprechend angepasst werden; so könnte auch in den Kantonen ein «Ferienrabatt» eingeführt werden.

Verhaltene Reaktionen

Die Touristiker selber reagieren allerdings verhalten auf den Vorschlag. Man habe die Motion «mit Interesse zur Kenntnis genommen», teilt Alexander Rechsteiner vom Branchendachverband Hotelleriesuisse auf Anfrage mit. Der Vorstoss sei aber «ordnungspolitisch nicht unproblematisch». Für Hotelleriesuisse stehe der Ausbau bestehender tourismuspolitischer Instrumente im Vordergrund. Diese hätten sich als wirksam und griffig erwiesen.

Mario Lütolf, Direktor des Schweizer Tourismus-Verbands, macht gar deutlich, dass er sich durch den SVP-Vorstoss in seinem Berufsstolz verletzt fühlt. Lütolf will den Tourismus als wertschöpfungsstarke Branche keiner Vorzugsbehandlung nach dem Freysinger’schen Modell unterstellen. Überdies würde er es als problematisch erachten, Schweizer Gäste auf diese Weise gegenüber Ausländern zu bevorzugen.

Politik denkt an den Tourismus

Neuere Zahlen zeigen ohnehin, dass ausbleibende Schweizer nicht das Hauptproblem des hiesigen Tourismus sind. So verzeichnete die Hotellerie im August sogar 11'000 Schweizer Gäste mehr als im Vergleichsmonat des Vorjahres. Schwer zu schaffen macht den Wirten aber die zunehmende Absenz von Touristen aus dem Euroraum. Im August wurde die Schweiz beispielsweise von 74'000 deutschen Urlaubern weniger als noch vor ein Jahr zuvor besucht; ein Minus von 12,3 Prozent.

Die Politik freilich hat den Tourismus nicht vergessen. Letzte Woche sprach sich die nationalrätliche Wirtschaftskommission dafür aus, den Hotellerie-Sondersatz bei der Mehrwertsteuer bis 2017 zu verlängern. Auch die Marketing-Organisation Schweiz Tourismus kann möglicherweise mit mehr Mitteln rechnen. Dies im Übrigen entgegen der Doktrin von Freysingers Mentor Christoph Blocher: Als Bundesrat forderte Blocher einst, die Hilfe für Schweiz Tourismus auf 1 Franken zu kürzen. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 29.10.2012, 06:46 Uhr

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