Wer trifft den Nerv der Schweiz?

Nun ist klar, mit welchen Slogans die vier grössten Parteien in den Wahlkampf steigen – die CVP versucht es mit einem Appell. Die Beurteilung eines Politberaters.

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Mit der CVP hat heute die letzte der vier grössten Schweizer Parteien bekannt gegeben, mit welchem Slogan sie den Wahlkampf 2015 bestreitet. «Mach Dich stark für Deine Familie», fordert die Mittepartei auf den Plakaten, die sie an ihrer Delegiertenversammlung in Bern erstmals zeigte.

Mit einem guten Wahlslogan alleine gewinnt man selbstverständlich keine Wahlen, doch würde sich wohl jede Partei ein «Yes We Can» wünschen, jenen unvergesslichen Slogan, mit dem US-Präsident Barack Obama 2008 Präsident wurde. Einen Slogan, der in nur zwei, drei Worten ausdrückt, wofür ein Kandidat steht; damit bei einem grossen Teil der Bevölkerung einen Nerv trifft – und sich schliesslich in den Köpfen festsetzt.

Mit einem schlechten Slogan kann sich eine Partei aber auch schaden: Im schlimmsten Fall lacht das ganze Land, was in Deutschland etwa der SPD mit «Das Wir entscheidet» geschah, worauf zuerst fröhlich «Das Bier entscheidet» kalauert wurde und später auskam, dass ein Personalverleiher den Slogan schon verwendet hatte.

Erwartetes Thema, ungewöhnliche Form

Wie also schneidet der Slogan der CVP ab? Das Thema kann nicht überraschen: Die Familie ist jener Wert, auf den sich die Mitglieder der politisch breit aufgestellten Partei mit dem «christlich» im Namen einigen können. Die CVP hat zudem von langer Hand ihre Volksinitiativen gegen die «Heiratsstrafe» bei den Steuern und für «steuerfreie Kinder- und Ausbildungszulagen» vorbereitet, die nun beide im Wahljahr zur Abstimmung kommen und der Partei eine Plattform bieten. Alles andere als ein Familienslogan hätte da erstaunt.

Ungewöhnlich ist hingegen die Form des Slogans: Der Hauptslogan ist ein Appell – er fordert die Wählerinnen und Wähler auf, sich zu engagieren, statt ein Engagement der Partei zu versprechen. Politikberater Mark Balsiger sagt, er könne sich nicht erinnern, dass jemals eine Schweizer Partei die Form des Appells gewählt habe. Aber: «Es ist ein Versuch wert. Das Clevere am Slogan ist aber ganz sicher die Verknüpfung mit den Themen der beiden Initiativen und der Positionierung als Familienpartei.»

Klassisches Familienbild

Zu reden geben wird im Wahlkampf der CVP und beim Abstimmungskampf zu den Initiativen ganz sicher das Familienbild, das die CVP vertritt. Auf den Buttons, die die Partei als Werbemittel einsetzt, sind klassisch Männlein, Weiblein und zwei Kinder zu sehen. In der Initiative zur «Heiratsstrafe» versucht die CVP zudem den Passus «Die Ehe ist eine Verbindung zwischen Mann und Frau» zu schmuggeln. Beides wird der heutigen Realität, die zwar aus vielen klassischen Familien, aber eben auch aus sehr vielen Patchworkfamilien und auch homosexuellen Paaren besteht, nicht gerecht.

Der Slogan der CVP kommt im Übrigen nicht alleine daher. Neben dem Hauptslogan existieren Variationen wie:

  • «Wir machen uns stark für Familien»
  • «Mach dich stark für Deinen Arbeitsplatz»
  • «Wir machen uns stark für Arbeitsplätze»
  • «Ich mache mich stark für meine Kinder»

Die Variationen bieten den Vorteil, dass der Slogan auf verschiedenste Themen adaptierbar ist – und das sich «stark machen» immer als Kern bleibt. Allerdings bleibt viele Slogans schlechter hängen als ein einziger; und vor allem sind Themen wie etwa Arbeitsplätze nicht so nah bei der Positionierung der CVP als Familienpartei. Politikberater Balsiger sagt es so: «Dazu können 100 Prozent Ja sagen. Welche Partei kann nicht von sich behaupten, für Arbeitsplätze zu sein?»

Bewähren muss sich der Slogan der CVP im Wahlkampf gegen jene der anderen Parteien (siehe Bildstrecke). (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 22.11.2014, 20:03 Uhr

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