Hintergrund

Widmer-Schlumpfs kuriose Personalpolitik

Vor vier Jahren trennte sich Bundesrätin Eveline Widmer-Schlumpf von ihrem persönlichen Mitarbeiter Sébastien Leprat. Jetzt holt sie ihn als Fachreferenten für die Westschweiz zurück.

Gingen vorübergehend getrennte Wege: Sébastien Leprat und Eveline Widmer-Schlumpf.

Gingen vorübergehend getrennte Wege: Sébastien Leprat und Eveline Widmer-Schlumpf. Bild: Keystone

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Die Pressemitteilung, welche das Generalsekretariat der Waadtländer Staatsrätin Jacqueline de Quattro (FDP) am 16. Januar 2013 veröffentlichte, warf keine grosse Wellen: Generalsekretär Sébastien Leprat werde das kantonale Sicherheits- und Umweltdepartement verlassen und eine neue Aufgabe im Eidgenössischen Finanzdepartement von Eveline Widmer-Schlumpf übernehmen. Leprat soll im EFD Fachreferent für Westschweizer Fragen werden – eine Stelle, die es bis jetzt nicht gab.

Die Personalie ist brisanter, als es den Anschein macht. Denn bei Leprat handelt es sich um den angeheirateten Neffen von Alt-Bundesrat Adolf Ogi. Widmer-Schlumpf hatte den französisch-schweizerischen Doppelbürger nach ihrer Wahl in den Bundesrat 2008 zu ihrem persönlichen Berater ernannt.

So überraschend die Wahl des früheren wissenschaftlichen Mitarbeiters der FDP Schweiz war, so überraschend wurde er bloss ein Jahr später vor die Tür gesetzt. Die «Weltwoche» schrieb damals, Widmer-Schlumpf habe Leprat «im bösen Streit nach elf Monaten bereits geschasst». Andere Medien berichteten, Leprat habe sich vor allem mit Informationschefin Brigitte Hauser-Süess nicht verstanden, was das EFD heute so nicht mehr gelten lässt.

Leprat hat das richtige Profil für den Job

Warum stellt Widmer-Schlumpf einen Mitarbeiter erneut an, den sie 2009 feuerte? «Er bringt für den Bereich, für den er verantwortlich ist, die notwendigen Kompetenzen mit», sagt EFD-Sprecher Roland Meier. Was es mit dem Bereich auf sich hat, erfährt man auch von Leprat selber nicht genau. Gegenüber Tagesanzeiger.ch/Newsnet sagt er nur, die Dossiers hätten «einen Bezug zur Romandie». Und: Er habe sich mit der EFD-Chefin gut verstanden.

Für seinen erneuten Stellenwechsel – immerhin gibt er die Nummer zwei im Departement de Quattro auf, um als Referent im EFD zu arbeiten – nennt Leprat auch private Gründe. Er wohnt mit seiner Familie in Fraubrunnen BE, lebt aber unter der Woche in Lausanne. Mit Arbeitsort Bern kann er die Familie wieder mehr sehen.

Gab es eine Abgangsentschädigung?

Als persönlicher Berater Widmer-Schlumpfs hatte Leprat laut Gesetz Anspruch auf eine Abgangsentschädigung in der Höhe von bis zu einem Jahresgehalt. Nach der Trennung «in gegenseitigem Einvernehmen» sprach die «Weltwoche» Anfang 2009 von einem Fallschirm. Leprat verweist dazu auf eine Stillschweigevereinbarung. Gemäss gut informierten Kreisen soll sein Austritt innerhalb der nach Obligationenrecht üblichen dreimonatigen Kündigungsfrist abgewickelt worden sein, und Leprat sei bei der Suche nach einem neuen Job unterstützt worden.

Fragt man im EFD nach, ob Leprat damals eine Abgangsentschädigung erhalten habe und diese nun zurückzahlen müsse, verweist Sprecher Roland Meier auf Artikel 78, Absatz 4 in der Bundespersonalverordnung: «Personen, die innerhalb von 2 Jahren nach der Auflösung des Arbeitsverhältnisses bei einem Arbeitgeber nach Artikel 3 der BPG (in der Bundesverwaltung, Anm. d. Red.) angestellt werden, müssen die Entschädigung ganz oder teilweise zurückerstatten.» Diese Antwort könnte man so interpretieren, dass Leprat fein raus ist, weil er erst nach Ablauf der genannten Frist zum Bund zurückkehrt.

Ob mit oder ohne Abgangsentschädigung – der frühere BDP-Präsident Hans Grunder schluckt leer, als er von der Wiedereinstellung Leprats erfährt: «Das höre ich zum ersten Mal», sagt er. Er sei überrascht, dass Bundesrätin Widmer-Schlumpf ihren früheren persönlichen Mitarbeiter in anderer Funktion wieder einstelle.

Erstellt: 01.03.2013, 17:48 Uhr

Artikel zum Thema

«In ihrer Personalpolitik ist sie eiskalt»

Interview Der Steuerverwaltungs-Chef ist suspendiert. SVP-Nationalrat Christoph Mörgeli erinnert daran, dass Bundesrätin Eveline Widmer-Schlumpf schon früher Spitzenbeamte entliess – aus politischen Gründen. Mehr...

Rot-weisse Fallschirme

Hintergrund Weil Bundesräte ihre eigenen Chefbeamten wollen, werden bisherige Kader wegbefördert. Dabei muss der Steuerzahler oft tief in die Tasche greifen. Mehr...

Wer hat hier das Sagen?

Johann Schneider-Ammann werde von seinen Chefbeamten regiert, schreibt der ehemalige SP-Nationalrat Rudolf Strahm. Stimmt nicht ganz, sagen Parlamentarier. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Blog

Kommentare

Paid Post

Verstehen Sie Ihre Arztrechnungen?

Sie wollen wissen, was genau auf Ihrer Arztrechnung steht? Kein Problem – lassen Sie es sich einfach im Kundenportal des Gesundheitsversicherers Atupri übersetzen.

Die Welt in Bildern

Die Kunst des Überlebens: In der Royal Academy of Arts in London schwimmen 50 Ohrenquallen als Teil einer Kunstinstallation in ihrem Aquarium. Die Meerestiere sind einige der wenigen, die vom Klimawandel profitieren. (20. November 2019)
(Bild: Hollie Adams/Getty Images) Mehr...