Wie hältst Du's mit der Religion?

Ein ehemaliger Sonntagsschullehrer als neuer Bundesrat? Protestant Ueli Maurer verficht eine konservativ-christliche Linie, die selbst dem Papst helle Freude bereiten würde. Aber wie oft geht der Kandidat eigentlich in die Kirche?

Ueli Maurer zur Gretchenfrage: «Zur Kirche habe ich ein ungetrübtes Verhältnis».

Ueli Maurer zur Gretchenfrage: «Zur Kirche habe ich ein ungetrübtes Verhältnis». Bild: Keystone

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Einen Tag vor der Bundesratswahl ist es an der Zeit, Kandidat Ueli Maurer die Gretchenfrage zu stellen. «Zur Kirche habe ich ein ungetrübtes Verhältnis», sagte er dem «Kirchenboten» im Frühling. Konkret heisst das: Maurer – Schäfchen der reformierten Kirche – geht an seinem Wohnort Hinwil im Zürcher Oberland nicht öfter in den Gottesdienst als andere Schweizer.

Das bestätigt Pfarrer Matthias Walder auf Anfrage von Tagesanzeiger.ch/Newsnet: «Maurer ist kein eifriger Kirchgänger.» Der Seelsorger vermutet jedoch, dass der SVP-Politiker wegen seiner politischen Ämter schlicht keine Zeit habe, häufiger im Gotteshaus zu erscheinen. Weitere Fakten: Maurer war sechs Jahre lang Sonntagsschullehrer und liess seine Kinder konfirmieren.

Maurer und Opus Dei

Dass sein Verhältnis zu Gott trotz seltener Kirchbesuche inniger sein könnte, lässt seine Mitgliedschaft im Patronatskomitee der wohltätigen Limmat-Stiftung erahnen: Die Stiftung steht dem rechtskatholischen Orden Opus Dei nahe. In einem Interview erklärte er unlängst, dass er keine Berührungsängste habe, nur weil der Orden im Spiel ist. Dennoch scheint es, als falle ihm die Nähe zum reaktionären Geheimbund langsam zur Last. Maurer kündigte kürzlich an, aus dem Patronatskomitee auszutreten. «Ich war dort nie gross engagiert, unterstütze aber die Hilfsprojekte.» Gegenüber Tagesanzeiger.ch/Newsnet wollte er keine Stellung dazu nehmen.

Deutlicher wird Maurers religiöses Weltbild, wenn man seine Voten in gesellschaftspolitischen Fragen anschaut. So spricht er oft von christlichen Grundwerten wie Menschenwürde, Verantwortungsbewusstsein und Moral. Gerade diese konservativ-christliche Moral ist Maurer ein Anliegen: So trat er 2002 mit der SVP gegen die Fristenlösung an: Die Abtreibung ungeborenen Lebens in den ersten zwölf Schwangerschaftswochen sollte nicht straflos werden.

Ehe: Ein wichtiger Grundwert

Für Maurer, der verheiratet ist und sechs Kinder hat, stellt die Ehe einen entscheidenden Grundwert dar – berufstätige Mütter sind ihm ein Graus. Zudem wehrt sich Maurer dagegen, dass gleichgeschlechtliche Paare Kinder adoptieren dürfen. Für Politgeograf Michael Hermann ist das nicht überraschend: «Die SVP teilt im gesellschaftspolitischen Bereich viele Überzeugungen mit der Katholischen Kirche.»

Sollte Maurer morgen in den Bundesrat gewählt werden, wird er weiterhin an seinen Überzeugungen festhalten: Angesprochen auf die Anti-Minarett-Initiative, in deren Unterstützungskomitee er sitzt, sagt er: «Es geht hier um Meinungsäusserungsfreiheit und um die Souveränität eines Staates.» Michael Hermann betont jedoch, dass Ueli Maurer weniger mit religiösen Metaphern spiele, als Christoph Blocher. «Dieser ist viel mehr in der Religion verankert.» (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 09.12.2008, 12:24 Uhr

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