Hintergrund

Wie viel vom Millionengewinn übrig bleibt

Die Zuschauer der grossen TV-Show «Swiss Awards» hoffen heute Abend aufs Millionenlos. Eine Million Franken wird der Gewinner jedoch nie auf seinem Kontoauszug sehen.

Je nach Kanton unterschiedlich: So viel bleibt dem Gewinner von der gewonnen Million.

Je nach Kanton unterschiedlich: So viel bleibt dem Gewinner von der gewonnen Million.

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Heute Abend ist in der Fernsehschweiz wieder Patriotismus angesagt. Im Hallenstadion wird Sandra Studer bereits zum neunten Mal einen neuen Schweizer oder eine neue Schweizerin des Jahres auf die Bühne bitten. Vielleicht wird es Schriftsteller Martin Suter sein oder Turnerin Ariella Käslin oder erstmals ein Duo: die Neat-Bundesräte Adolf Ogi und Moritz Leuenberger.

An den Bildschirmen wird aber noch etwas anderes interessieren: die fünf Millionen-Ziehungen. Gewinnchancen haben alle Millionenlosbesitzer, die in der Adventszeit jeden Tag ein Feldchen aufgerubbelt haben. Wenn ihre Zahlen mit jenen der Ziehung übereinstimmen, gewinnen sie angeblich eine Million.

Pauschalsteuer im Kanton Bern

Doch eine Million wird nach Abzug der Steuern bei weitem nicht übrig bleiben. Die Gewinner werden ihre Million auch nie auf ihrem Kontoauszug sehen. Denn die Landeslotterie Swisslos wird nur 650'000 Franken auszahlen. Den Rest, 350'000 Franken, schickt sie direkt an die Steuerverwaltung nach Bern. In der Steuererklärung, muss dann freilich der ganze Gewinn von einer Million als Einkommen versteuert werden – zusammen mit dem regulären Einkommen.

Vom Steuerbetrag können die 350'000 Franken als Verrechnungssteuer abgezogen werden. In der Stadt Zürich zum Beispiel beläuft sich die Steuerrechnung einer alleinstehenden Person mit mittelständischem Einkommen gemäss Homegate-Steuerrechner auf 435'400 Franken (inklusive Bundessteuer). Nach Abzug der Verrechnungssteuer bleiben noch 85'400 Franken zu zahlen. Um den wahren Losgewinn zu kennen, müssen sie von den 650'000 Franken subtrahiert werden. So bleiben für den alleinstehenden Zürcher netto gerade mal 564'600 Franken übrig. Das ist zwar ein ansehnlicher Betrag, aber zum Millionär macht er einen nicht – auch weil man das Geld im Folgejahr als Vermögen versteuern muss.

Ein Kanton sticht heraus

Einen positiven Spezialfall gibt es bei der Besteuerung von Lotteriegewinnen: den Kanton Bern. Allgemein ist er als Hochsteuerkanton bekannt. Aber für Lottogewinner kennt er eine Pauschallösung. Wer eine Million gewinnt, zahlt darauf im ganzen Kanton Bern nur 95'000 Franken Kantons- und Gemeindesteuern. Dazu kommen die Bundessteuern und die Steuern aus dem regulären Einkommen. So rangiert die Stadt Bern hinter dem Steuerparadies Wollerau an der Spitze der TA-Rangliste.

Der Sprecher der Interkantonalen Landeslotterie Swisslos, Willy Mesmer, bezeichnet den Verkauf der Millionenlose trotz der hohen Abgaben als Erfolg. 2009 sind von 800?000 Exemplaren 90,7 Prozent verkauft worden. Wie es dieses Jahr aussieht, ist noch offen, da die unverkauften Lose noch nicht in die Zentrale zurückgesandt worden sind. Mesmer geht von einem leicht schwächeren Absatz aus als im letzten Jahr.

Nieten steigerten den Absatz

Unter den Millionenlosen gibt es rund 400'000 Nieten – im Unterschied zu früher, wo jedes Los mindestens 20 Franken wert war. Diese Verschlechterung der Gewinnchancen sieht Mesmer nicht als Grund für den mutmasslichen Rückgang der Verkaufszahlen, im Gegenteil. Auf Wunsch der Loskäufer sei dafür die Zahl der Grossgewinne erhöht worden. So sind dieses Jahr nicht nur 11 sondern 13 Millionengewinne möglich. Das habe sich positiv auf die Verkaufszahlen ausgewirkt. 2008, als noch der alte Gewinnplan galt, wurden laut Mesmer nur 73 Prozent der Lose abgesetzt.

Auch 2010 sind wieder 800'000 Lose gedruckt worden, davon gingen 620'000 in der Deutschschweiz und im Tessin in den Verkauf, der Rest in der Romandie. Von den Einnahmen, die bei einem Lospreis von 100 Franken maximal 80 Millionen Franken betragen, werden knapp 53 Prozent wieder an die Losbesitzer verteilt. Der Rest bleibt bei Swisslos in Basel oder wird an die Sponsoring- und Kooperationspartner (Ringier, SF und diverse Autofirmen) verteilt. Wie viel das ist, sagt Mesmer nicht. Bekannt ist lediglich, dass Swisslos jährlich total 9,5 Millionen Franken für Sponsoring und Kooperationen ausgibt. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 08.01.2011, 12:33 Uhr

Show mit viel Anziehung: Der Herzchirurg René Pretre wurde 2010 zum Schweizer des Jahres gewählt. (Bild: Keystone )

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