Wiederauferstehung einer Schweizer Pleitegemeinde

Leukerbad im Wallis war Ende der 1990er-Jahre bankrott und wurde als erste Schweizer Gemeinde unter Zwangsverwaltung gestellt. Nach einer harten Sanierungskur herrscht nun wieder Zuversicht.

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Im Walliser Ferienort Leukerbad kommt nach dem Finanzdebakel wieder Zuversicht auf. Nach Jahren der Sanierung will die Gemeinde auch wieder wichtige Investitionen in die öffentlichen Bauten tätigen, bevor diese noch teurer werden.

Das Finanzdebakel in den 1990er-Jahren und der rasante Abstieg der Gemeinde wirkt sich dennoch bis heute aus. Weil die Gemeinde verpflichtet war, einen Sanierungsplan einzuhalten, musste sie zahlreiche Investitionen aufschieben, wie Gemeindepräsident Christian Grichting der Nachrichtenagentur SDA sagte.

Die öffentlichen Bauten, Strassen, Kanalisationen sowie die Trinkwasserversorgung wurden vernachlässigt, und nur die nötigsten Arbeiten wurden vorgenommen. Die meisten dieser Anlagen sind nun veraltet. Die Kosten für die Erneuerungen belaufen sich auf ungefähr 50 Millionen Franken.

Um diesen dringenden Bedürfnissen nachzukommen, verlangt Leukerbad vom Kanton Wallis, dass der Sanierungsvertrag aus dem Jahr 2003 ein wenig gelockert wird. Die Diskussionen seien in Gang. Gemeindepräsident Christian Grichting zeigt sich zuversichtlich.

11 Millionen Franken zurückgezahlt

Leukerbad sei in den vergangenen zehn Jahren ein Musterschüler gewesen. Die Gemeinde musste mindestens 900'000 Franken pro Jahr zurückzahlen, sie überwies während des Jahrzehnts jedoch 11 Millionen Franken. «Der Sanierungsplan kann als Erfolg bezeichnet werden», sagt Christian Melly, Dienstchef des Finanzinspektorats des Kantons Wallis. Seiner Ansicht nach entspricht die Verschuldung von Leukerbad heute etwa dem Durchschnitt der Walliser Gemeinden.

Gemeindepräsident Grichting macht deshalb Druck. Man wolle nicht vom Regen in die Traufe kommen. Was heute mit einer halben Million Franken zu sanieren sei, könne in einigen Jahren bereits doppelt so viel kosten. Wie seine Einwohner gibt sich Grichting optimistisch. Der Blick in der Gemeinde richte sich heute in die Zukunft. Das Finanzdebakel gehöre der Vergangenheit an.

Finanzdebakel zur Jahrtausendwende

Der Walliser Ferienort mit seinen bekannten Bädern geriet zwischen 1998 und 2003 in einen Strudel grosser Finanzprobleme. Nachdem der Kanton 1998 eine Verschuldung von 346,5 Millionen Franken entdeckte, wurde Leukerbad als erste Schweizer Gemeinde unter Zwangsverwaltung gestellt.

Der damalige Gemeindepräsident und Nationalrat Otto G. Loretan erhielt wegen Betrugs, Steuerhinterziehung und weiteren Delikten eine Freiheitsstrafe von viereinhalb Jahren. Nach langjährigen Gerichtsverfahren kam es 2007 zur Verurteilung durch das Bundesgericht.

Die Richter in Lausanne wiesen zugleich die gegen den Kanton Wallis eingereichten Klagen ab, wonach die Gläubiger den Kanton zur Zahlung der offenen Rechnungen verpflichten wollten. Dies ebnete den Weg für einen Sanierungsplan.

An der kurzen Leine

Die Gläubiger erklärten sich schliesslich bereit, fast 80 Prozent ihrer Forderungen von insgesamt rund 180 Millionen Franken abzuschreiben. Dank einer Bürgschaft des Kantons Wallis von 30 Millionen Franken konnte die Einwohnergemeinde ihre Schulden abtragen.

Der Kanton nahm Leukerbad aber an die kurze Leine. Neben der Rückzahlung pro Jahr von 900'000 Franken durften auch die jährlichen Investitionen diesen Betrag nicht überschreiten.

Die Gemeinde habe diesen Plan stets eingehalten, wie Christian Melly vom Finanzinspektorat festhielt. Per Ende 2013 belief sich die von der Gemeinde im Rahmen des Finanzierungsplans noch ausstehende Verschuldung noch auf 13 Millionen Franken. (rub/sda)

Erstellt: 19.01.2014, 16:39 Uhr

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