Wieso nur die SVP «bi de Lüt» ist

Mit einem grossen Politfest macht die SVP Wahlkampf im Zürcher Hauptbahnhof. Weshalb überlassen ihr die anderen Parteien die publikumswirksame Bühne im HB?

Vor vier Jahren nutzten alle Parteien gemeinsam ihre Gelegenheit für Wahlkampf am Hauptbahnhof in Zürich: Ein SVP-Stand wird aufgebaut. (22. September 2011)

Vor vier Jahren nutzten alle Parteien gemeinsam ihre Gelegenheit für Wahlkampf am Hauptbahnhof in Zürich: Ein SVP-Stand wird aufgebaut. (22. September 2011) Bild: Alessandro Della Bella/Keystone

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Der Bahnhof ist jetzt auch ein Wahlkampfpodium. Am 30. Juli, zwei Tage vor dem Nationalfeiertag, lädt die SVP des Kantons Zürich zu einer grossen Veranstaltung im Zürcher Hauptbahnhof. Wie die «NZZ am Sonntag» schreibt, werden sich Aushängeschilder wie SVP-Präsident Toni Brunner, Nationalrätin Natalie Rickli oder Nationalratskandidat Roger Köppel den Passanten und Pendlern volksnah zeigen. «SVP bi de Lüt» heisst das Evenement; mit dieser Veranstaltungsserie tourt die Partei seit einigen Monaten durch das Land. Eine Art Volksfest mit Musik, Weisswein und Nationalhymne, nur dass nebenbei Unterschriftenbögen für die SVP-Initiative «Schweizer Recht statt fremde Richter» aufliegen und das Parteisünneli strahlt.

Beim letzten Wahlkampf vor vier Jahren wäre eine solche Veranstaltung undenkbar gewesen: Damals erlaubten die SBB aus Imagegründen keine politischen Veranstaltungen in ihren Bahnhöfen. Seit einem Bundesgerichtsurteil von 2012, wonach Bahnhöfe zum öffentlichen Raum zählen, kann das Unternehmen Politevents nicht mehr verbieten. Im Januar 2013 passten die SBB ihre Praxis an. Und wieder einmal ist die SVP die erste Partei, die die Chance nutzt und sich den Bahnhof zur Werbeplattform macht.

«Zu teuer»

Wieso zieht bisher keine der anderen Parteien mit? Schliesslich sind Bahnhöfe Personenmagnete, durch den Zürcher HB strömen täglich bis zu einer halben Million Menschen, und das Wählersegment der Pendler aus den Agglomerationen ist für die Parteien äusserst wichtig. Regula Götsch, Generalsekretärin der SP Kanton Zürich, winkt ab: «Für so grosse öffentliche Veranstaltungen fehlt uns das Geld.» Man habe einen Auftritt im Hauptbahnhof deshalb nie vertieft diskutiert. Allerdings wäre ein solcher nicht einmal besonders teuer: Weil es sich bei Politveranstaltungen um nicht kommerzielle Anlässe handelt, verrechnen die SBB lediglich den Aufwand für Reinigung, Strom, Personal etc. Laut Sprecher Daniele Pallecchi belaufen sich die Kosten «maximal auf eine mittlere vierstellige Summe». Dennoch findet Götsch: «Für einen Auftritt, der auffällt, braucht es mehr Geld, als uns zur Verfügung steht.» Grundsätzlich sei der Hauptbahnhof für eine Wahlkampfaktion aber sehr attraktiv, da man viele Menschen auf kleinem Raum ansprechen könne. «Offen bleibt, ob sich die Passanten durch die Veranstaltung nicht belästigt fühlen.»

In das gleiche Horn bläst die Generalsekretärin der Grünliberalen, Sandra Gurtner-Oesch: «Kosten und Nutzen stünden für eine Partei wie uns in keinem Verhältnis.» Natürlich sei die Präsenz am HB hervorragend. «Aber Sie wissen ja selber, wie gehetzt Pendler abends am Bahnhof unterwegs sind.» Bei der FDP Zürich heisst es, die meisten Wahlkampfveranstaltungen würden nicht kantonal, sondern durch die Bezirksparteien organisiert, deshalb sei ein FDP-Event im Bahnhof «momentan nicht geplant». Zudem, sagt der stellvertretende Geschäftsführer Beni Meier, suche man eher den Kontakt zu Bevölkerung und Unternehmen aus der Region denn mit der breiten Öffentlichkeit im Zürcher HB. Wäre ein Auftritt im Zürcher Hauptbahnhof dennoch denkbar, sollte die SVP-Veranstaltung zum Erfolg werden? «Nur weil die SVP im Bahnhof Wahlkampf betreibt, heisst das nicht, dass wir mitziehen müssen», sagt Meier.

Gar nicht erst diskutiert wurde eine Bahnhofsaktion bei den Zürcher Grünen, ebenso wenig bei der Zürcher CVP. Eine Wahlkampfarena mit allen grossen Parteien im Zürcher Hauptbahnhof wie vor den letzten nationalen Wahlen 2011 kam dieses Jahr nicht zustande. Allem Anschein nach bleibt die SVP also die einzige Partei, die in diesem Jahr in der Zürcher Bahnhofshalle um Wähler buhlt: Gesuche für Politanlässe müssen bei den SBB vier Monate im Voraus eingereicht werden. Die eidgenössischen Wahlen aber finden am 18. Oktober statt. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 13.07.2015, 15:06 Uhr

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