Video

Wind im Haar, Sonne im Gesicht

Eine Kabine mit offenem Oberdeck: Die Stanserhorn-Bahn hat die erste Cabrio-Luftseilbahn der Welt eingeweiht. Ab Freitag ist sie für das Publikum geöffnet. Ein Augenschein vor Ort.

Eine Weltneuheit: Die Cabrio-Luftseilbahn am Stanserhorn. (Video: Jan Derrer, Chantal Hebeisen)

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Still steht sie in einer Ecke der Talstation und wartet auf ihre erste «offizielle» Fahrt auf das Stanserhorn: die erste Cabrio-Luftseilbahn der Welt. Rundherum sind Alphornklänge, Schwyzerörgeli-Musik und Jodelgesang zu hören. Eine urschweizerische Atmosphäre, in die nun ein deutscher Pfarrer tritt. Er segnet das «Cabrio» vor seiner «Jungfernfahrt» – abschliessendes Vaterunser mit sämtlichen Anwesenden inklusive.

Nun setzt sich das Cabrio in Bewegung, saust mit acht Metern pro Sekunde hoch über dem Vierwaldstättersee in Richtung Stanserhorn-Gipfel. Der Wind weht durchs Haar, die Sommersonne scheint ins Gesicht. Nichts behindert die Rundumsicht, die weiter als der Hallwiler- und Zugersee reicht. Angekommen an der Bergstation auf 1850 m ü. M. steigen die Passagiere auf ähnliche Weise wie bei einem Airbus A380 aus: über einen oberen und einen unteren Ausgang.

Schweizer Weltneuheit

Die Luftseilbahn mit offenem Oberdeck ist eine Weltneuheit des Herstellers Garaventa aus Goldau SZ, der schon zahlreiche Bergbahnen auf der ganzen Welt gebaut hat. Das Cabrio löst die Luftseilbahn aus dem Jahre 1975 ab, die pro Fahrt höchstens 37 Passagiere zur Bergstation transportieren konnte. Zuvor fuhren die Besucher mit einer Standseilbahn von 1893 auf das Stanserhorn.

In den neuen, sechs Tonnen schweren Cabrio-Kabinen haben nun bis zu 60 Personen Platz, davon maximal 30 auf dem Oberdeck. «Im Gegensatz zu den Kabinen bisheriger Luftseilbahnen ist das Cabrio nicht an einem einzigen Drahtseil befestigt, sondern seitlich an zweien», erklärt Beat Musfeld, Projektleiter des Herstellers Garaventa. Weil sich das Oberdeck über den Drahtseilen befindet, haben die Passagiere auf der 2320 Meter langen Strecke eine uneingeschränkte Rundumsicht.

Diverse Stolpersteine

Der Weg zur Cabrio-Luftseilbahn gestaltete sich teilweise steinig, wie Gesamtprojektleiter Martin Gut erklärt: «Während der Bauarbeiten stiessen wir auf Baugrund, der nicht unseren Erwartungen entsprach. Zudem konnte die Materialseilbahn das Baumaterial nicht so schnell wie erhofft nach oben transportieren.» Aus diesen Gründen wurden mehr Beton und eine zweite Seilbahn für das Material benötigt. So beliefen sich die Kosten auf 28,1 Millionen Franken – 3,2 Millionen mehr als ursprünglich budgetiert.

Laut den Betreibern der Stanserhorn-Bahn werden 90 Prozent der Wertschöpfung des Cabrios in der Schweiz erbracht – der grösste Teil davon von Firmen der Zentralschweiz. Ab Freitag wird die neue Luftseilbahn für das Publikum offen sein. Statt wie bisher rund 120'000 Passagiere erwarten die Betreiber künftig 135'000 bis 150'000 pro Jahr. Martin Gut ist zuversichtlich: «Mit der Cabrio-Luftseilbahn und unserem vor zehn Jahren eröffneten Drehrestaurant ist das Stanserhorn sicher attraktiver für Touristen geworden. Damit kann es sich besser von den nahegelegenen Konkurrenten Pilatus und Titlis abheben.» (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 28.06.2012, 20:31 Uhr

Bildstrecke

Innovation am Stanserhorn

Innovation am Stanserhorn Die Stanserhorn-Bahn weiht die weltweit erste Luftseilbahn mit offenem Oberdeck ein. Ab Freitag ist das «Cabrio» für das Publikum geöffnet.

Was macht das Cabrio bei Störungen?

Früher war bei einem Stillstand der Bahn eine separate Bergungsbahn nötig, in die man als Passagier umsteigen musste. Das neue Cabrio kann sich bei Zwischenfällen weiterbewegen, weil es mehrere Antriebe gibt. Der konventionelle Antrieb und das Getriebe werden ausgekoppelt. Mit zwei Dieselmotoren und über einen Ölmotor mit Zahnkranz kann die Kabine in die Station gefahren werden, und die Passagiere müssen nicht umsteigen. Diese Form der Bergung birgt weniger Risiken.

Blog

Kommentare

Service

Ihre Kulturkarte

Abonnieren Sie den Carte Blanche-Newsletter und verpassen Sie kein Angebot.

Die Welt in Bildern

Ihr Kopf ist so gross wie das Junge: Das Nashhorn Baby Kiano steht im Zoo von Erfurt neben seiner Mutter. (15. Januar 2019)
(Bild: Martin Schutt) Mehr...