«Wir haben Angst»

Nach dem Anschlag in Ägypten trauert die koptische Gemeinde in der Schweiz. Pater Isidoros El-Anba-Samuel äussert sich im Tagesanzeiger.ch/Newsnet-Videointerview über die Hintermänner des Attentats.

Video: Jan Derrer

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Die kleine Gemeinde der Kopten in der Deutschschweiz kaufte vor drei Jahren in Dietlikon eine leerstehende neuapostolische Kirche und wandelte sie in eine koptische um. In der bescheidenen Eingangshalle hängen die Fotos von jungen Männern. Sie wurden am 6. Januar 2010 in Ägypten in der Ortschaft Naga Hamadi nach der Weihnachtsmesse (Kopten feiern gemäss des koptischen Kalenders) von mutmasslichen islamischen Fanatikern erschossen. Nach dem jüngsten Attentat gegen ägyptische Christen in der Silvesternacht in Alexandria, das 21 Todesopfer forderte, trauern erneut Kopten in aller Welt.

Die christliche Religionsgemeinschaft der Kopten ist in der Schweiz nahezu unbekannt. Die Schweizer Gemeinde besteht nur aus ungefähr 320 Familien. In Ägypten gibt es laut offiziellen Angaben 10 Millionen Kopten. Pater Isidoros meint jedoch, die Zahl betrage in Wahrheit 12 Millionen und werde in amtlichen Publikationen bewusst tief gehalten. Die Zahl der im Ausland lebenden Kopten beziffert er auf vier Millionen. Wenn Pater Isidoros nicht gerade die koptische Gemeinde in der Deutschschweiz betreut, lebt er als Mönch im Benediktinerkloster Einsiedeln, das ihm Gastrecht gewährt.

Schweizer Kopten beantragen Schutz

Laut Radio 1 ist die koptische Gemeinde in der Schweiz nach den Anschlägen in Ägypten auf die Polizei zugegangen. Die Feier der koptischen Christen in Meyrin werde nun von der Polizei geschützt, berichtet das Radio. Gemäss Judith Hödl, Sprecherin der Zürcher Stadtpolizei, überlege man sich auch in Zürich, die Kopten zu schützen.

Erstellt: 03.01.2011, 19:23 Uhr

Was ist die koptische Kirche?

Die koptische Kirche ist eine Sonderform der orientalisch-orthodoxen Kirche und zählt weltweit zwischen 15 und 20 Millionen Mitglieder. Die grösste Ansammlung von sieben bis zehn Millionen Gläubigen befindet sich in Ägypten, die dortigen Kopten sind die grösste christliche Gemeinde im Nahen Osten.

Der Ursprung der Glaubensrichtung liegt ebenfalls in Ägypten: Als Gründer gilt der Evangelist Markus, im ersten Jahrhundert nach Christus war er Bischof in der Hafenstadt Alexandria.

Zur Abspaltung von der römisch-katholischen Kirche führte das Konzil von Chalkedon im Jahr 451, auf dem sich die geistlichen Vertreter der verschiedenen Glaubensrichtungen nicht auf ein einheitliches Bekenntnis bezüglich der Natur Jesu einigen konnten.

Seitdem vertreten die Anhänger der koptischen Kirche die von anderen Glaubensrichtungen abgelehnte Auffassung, dass die göttliche und menschliche Natur miteinander verbunden und in einer einzigen Natur vereint seien.

Oberhaupt der koptischen Kirche ist seit 1971 Papst Schenuda III., seine genaue Bezeichnung lautet «Papst von Alexandrien und Patriarch des Stuhles des Heiligen Markus». (dapd)

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